das Leben mit Immundefekt

Bewusste Ernährung

von Jens

Eine Wissenschaft oder doch ganz einfach?

Das Super­foods und die vie­len angeb­li­chen Wun­der-Lebens­mit­tel meis­tens nicht das gel­be vom Ei sind, ist mitt­ler­wei­le ja so gut wie all­seits bekannt. Ein­zel­ne Bee­ren, Kör­ner oder sons­ti­ge meist hoch­ge­lob­te Ingre­di­en­zi­en erset­zen nun Mal kei­ne aus­ge­wo­ge­ne und bewuss­te Ernäh­rung – aber was gen­au ver­steht man eigent­li­ch unter die­ser immer wie­der zitier­ten “bewuss­ten Ernäh­rung”?

Je nach­dem wem man die­se Fra­ge auf­drückt, erhält man nicht nur unter­schied­li­che, son­dern meis­tens auch wider­sprüch­li­che Aus­sa­gen: Wäh­rend der eine auf den abso­lu­ten Ver­zicht auf tie­ri­sche Pro­duk­te schwört, schwärmt die nächs­te von koh­len­hy­drat­ar­mer Kost, wäh­rend Kan­di­dat Num­mer drei schließ­li­ch von Pro­te­inen gar nicht genug bekom­men kann und die Vier­te der Mei­nung ist, Säu­ren wären die Quel­le allen Übels.

Ausgewogen vs. bewusst

Viel­leicht soll­te man an die­ser Stel­le zu erst ein­mal zwi­schen den Begrif­fen “aus­ge­wo­gen” und “bewusst” unter­schei­den. Eine aus­ge­wo­ge­ne Ernäh­rung sichert durch ihre Zusam­men­set­zung die Zufuhr aller für den Kör­per wich­ti­gen Nähr­stof­fe. Dabei gibt es nicht die eine rich­ti­ge Art sich zu ernäh­ren, wie so oft füh­ren ver­schie­de­ne Wege mehr oder eben auch mal weni­ger gut zum Ziel. Die ver­schie­de­nen Ernäh­rungs­for­men (sei es nun bei­spiels­wei­se vege­ta­ri­sch, vegan, fett- oder koh­len­hy­drat­arm, fle­xi­ta­ri­sch, paleo und so wei­ter) haben alle ihre ganz eige­nen Defi­ni­tio­nen von Voll­wer­tig­keit – mal mehr, mal weni­ger wis­sen­schaft­li­ch fun­diert. All­ge­mein kann man aber sagen, dass immer wenn auf etwas umfang­reich ver­zich­tet wer­den soll, die Gefahr ein Defi­zit in der Nähr­stoff­ver­sor­gung auf­zu­bau­en grö­ßer ist als bei der Auf­nah­me von “nor­ma­ler” Voll­kost.

Wie soll man sich denn nun aber auch noch bewusst ernäh­ren, wenn schon allein die Fra­ge der Ernäh­rungs­form schon bei­na­he zu einem regel­rech­ten Glau­bens­krieg füh­ren kann? Zuer­st mal bedeu­tet “bewusst” ja vor allem, dass man sich als Kon­su­ment eben ganz bewusst damit aus­ein­an­der­setzt, was man zu sich nimmt. Was aber nicht bedeu­tet, das man sich selbst skla­vi­sch dog­ma­ti­sche Vor­ga­ben auf­er­le­gen soll – eher im Gegen­teil, man soll­te sich das Gön­nen kön­nen, was einem schmeckt.

Das zwang­haf­te Ver­hal­ten sei­ne Ernäh­rung in regel­kon­for­me Kon­troll­rah­men zu  brin­gen hat in den letz­ten Jah­ren stark zuge­nom­men und ist als Ort­hor­ex­ie benannt im Sprach­ge­brauch ange­kom­men. Dabei führt die Angst vor ver­meint­li­ch schlech­ten Nah­rungs­mit­teln zu einem mit­un­ter wirk­li­ch dras­ti­sch ver­än­der­ten Ver­hält­nis zum Essen: Ein­käu­fe glei­chen schon fast eher einer Feld­stu­die und die Zube­rei­tung erin­nert zuwei­len vom Labor­ver­su­ch bis zu eso­te­ri­schem Ritual an vie­les, nur nicht mehr ans Kochen.

Jede Ernährungsform kann unbewusst gelebt werden

Aber macht die Ernäh­rungs­form an sich schon den bes­se­ren Esser aus? Isst ein (nur als Bei­spiel) Vega­ner auto­ma­ti­sch bewuss­ter? Ganz klar: Jein. Natür­li­ch befasst er sich mehr damit, was in sei­nem Kühl­schrank lan­det, aber dass ein Pro­dukt frei von tie­ri­schen Erzeug­nis­sen ist, macht es eben nicht auch auto­ma­ti­sch hoch­wer­ti­ger.

Ein gutes Bei­spiel sind die Flei­scher­satz­pro­duk­te aus dem Super­markt: Die not­wen­di­gen Ver­ar­bei­tungs­chrit­te und Zusatz­stof­fe wel­che not­wen­dig sind um aus Soja­boh­ne oder Wei­zen­pro­te­in ein “Schnit­zel” zu machen sor­gen dafür, dass aus dem ver­meint­li­chen Natur­pro­dukt so ganz neben­bei auch ein hoch­ver­ar­bei­te­tes Indus­trie­er­zeug­nis wird. Durch die Bestre­bun­gen der Lebens­mit­tel­in­dus­trie ihre Sor­ti­men­te ent­spre­chend aus­zu­bau­en wird es zwar immer leich­ter sich flei­sch- oder sogar kom­plett tier­frei zu ernäh­ren, aber mehr Qua­li­tät erhält man so lei­der nicht immer.

Egal auf wel­che Art und Wei­se man sich selbst mit Essen ver­sor­gen möch­te, wer sich bewusst ernäh­ren will muss tat­säch­li­ch immer ein Mal mehr hin­schau­en beim Ein­kauf – denn gen­au dar­um geht es: wis­sen was man auf dem Tel­ler hat.

Jetzt könn­tet ihr zu Recht sagen: “Das ist ja viel ein­fa­cher gesagt als getan!” – stimmt, des­we­gen zei­gen wir euch auch ein paar Mög­lich­kei­ten, auf wel­che man zurück­grei­fen kann.

Alternatives Einkaufen

Eine gute Anlauf­stel­le sind zum Bei­spiel Erzeu­ger aus eurer Regi­on. Bau­ern aus dem Umland ver­kau­fen auch heu­te noch ihr Gemü­se auf Wochen­märk­ten oder in eige­nen Hof­lä­den. Nun hat nicht jeder die Zeit oder Mög­lich­keit jede Woche sein Gemü­se auf dem Markt zu holen oder selbst zum besagten Hof zu fah­ren – gera­de wer chro­ni­sch krank oder anderweitig gesundheitlich eingeschränkt ist kann die Ener­gie hier­für ein­fach nicht immer auf­brin­gen.

Grüne Kiste – Obst und Gemüse aus der Region

Schon mal vom Kon­zept der Grü­nen Kis­te gehört? Dabei han­delt es sich um eine Art Lie­fer­dienst für Gemü­se und ande­re Hof­pro­duk­te. Je nach Regi­on unter­schei­den sich die Ange­bo­te zwar etwas, aber für eine Grund­ver­sor­gung mit Obst- und Gemü­se reicht das Sor­ti­ment eigent­li­ch immer. Meis­tens gibt es sogar die Mög­lich­keit ein grü­nes Abo zu bestel­len und sich so in regel­mä­ßi­gen Abstän­den mit wech­seln­den Zusam­men­stel­lun­gen belie­fern zu las­sen.

Milch vom Bauern um die Ecke

Wer nicht kom­plett auf tie­ri­sche Pro­duk­te ver­zich­tet hat im Kühl­schrank eigent­li­ch fast immer etwas Platz für Milch­pro­duk­te und Eier reser­viert. Oft könnt ihr euren Bedarf hier auch mit­tels einer grü­nen Kis­te decken, aber die Augen offen hal­ten lohnt sich! Wir sind selbst durch Zufall auf einen Milch­hof aus dem Umland gesto­ßen, bei dem die Tie­re so vor­bild­li­ch gehal­ten wer­den, dass sogar Ste­phan, der son­st Milch eigent­li­ch gar nicht ver­trägt, ohne Pro­ble­me mal einen hal­ben Liter Kakao trin­ken kann.

Fleisch also ein Tabu?

Für Fleisch­es­ser also kei­ne Chan­ce auf bewuss­ten Genuss? Im Super­markt zum­jn­dest höchst­wahr­schein­li­ch nur sehr schwer. Da momen­tan Flei­sch und Wurst teil­wei­se güns­ti­ger sind als Gemü­se, kann man sich schon den­ken, wie es um die Hal­tungs­be­din­gun­gen bestellt ist. Wer ernst­haft denkt für 1,99€ ein hal­bes Kilo Hack­flei­sch von glück­li­chen Frei­land­schwei­nen zu erhal­ten, der glaubt ver­mut­li­ch auch an den Oster­ha­sen. Selbst beim ört­li­chen Metz­ger kann man sich nicht immer unbe­dingt zu 100% sicher sein, dass die Tie­re mehr als das gesetz­li­che Mini­mum an Lebens­qua­li­tät hat­ten (um beim Bei­spiel Schwein zu blei­ben: 1,5 Qua­drat­me­ter in einer Ein­zel­box!).

Es gibt aller­dings auch hier Initia­ti­ven und Pro­jek­te, die bemüht sind für Trans­pa­renz zu sor­gen und eine wirk­li­ch art­ge­rech­te Tier­hal­tung zu för­dern. Über mei​ne​klei​ne​farm​.org las­sen sich bei­spiels­wei­se Wurst und Frisch­flei­sch bezie­hen, bei denen man nicht nur weiß wo das Tier her­kam, son­dern auch wie es gelebt hat. Etwas ganz beson­de­res ist dabei die Mög­lich­keit sich sozu­sa­gen ein hal­bes Schwein durch die Betei­li­gung an den Kos­ten für Auf­zucht und Ver­sor­gung zu sichern – ein wenig wie frü­her, als es noch übli­cher war sich durch Haus­schlach­tung einen Jah­res­vor­rat anzu­le­gen.

Fazit

Man sieht also, es sind durch­aus Mög­lich­kei­ten sich ganz bewusst mit wirk­li­ch guten Lebens­mit­teln zu ver­sor­gen vor­han­den, aber ein Pro­blem gibt es natür­li­ch: der Preis. Gute Qua­li­tät muss natür­li­ch auch irgend­wie finan­ziert wer­den und das schlägt sich ein­fach im Ver­kaufs­preis der Pro­duk­te nie­der. Man muss sich ein­fach selbst die Fra­ge stel­len, wie wich­tig einem die Qua­li­tät des­sen ist, was man zu sich nimmt – man ist schließ­li­ch was man isst. Aber: Jeder der anfängt zumin­dest erst Mal hin und wie­der auf die­se Art ein­zu­kau­fen, der sorgt dafür das die Nach­fra­ge nach guten Pro­duk­ten steigt und unter­stützt so direkt die Erzeu­ger… und zollt so, wenn auch nur finan­zi­ell, den Tie­ren etwas von dem Respekt den sie ver­die­nen (bzw. hilft dabei das weni­ger Obst und Gemü­se eine hal­be Welt­rei­se macht, bevor wir es in die Hän­de bekom­men).

Euer Jens

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Stephan Jens