Leben mit Immundefekt / Hafer, Hanf und Cannabis

Gesundheit gegen Leben – ein äquivalenter Tausch?

Stephan

Vor­sicht! Die­ser Text kann sehr aufs Gemüt schla­gen.

Lie­be Lese­rin­nen und Leser,

Es ist schon manch­mal komi­sch, wo mich mei­ne Gedan­ken hin­füh­ren und wie ich über­haupt zu die­sen Gedan­ken kom­me: Mei­ne Kat­ze wird krank und ich fan­ge an über die Sinn­haf­tig­keit mei­nes Lebens nach­zu­den­ken.

Es gibt so Situationen

Es gibt so Situa­tio­nen im Leben, da den­ke ich, es hät­te eigent­li­ch nicht sein sol­len, und weil es doch so war, muss ich jetzt mit den Kon­se­quen­zen leben. Neh­men wir da doch ein­fach Aktu­ell die Situa­ti­on mit unse­rer klei­nen Fell­na­se Hina­ta. Unse­re klei­ne Flauschmaus war von Anfang an etwas ganz beson­de­res. Sie kam am 06.03.2016 zur Welt, bei uns im Wohn­zim­mer auf dem Ses­sel. Sie wur­de als drit­te gebo­ren und lag im Bauch der Mut­ter zwi­schen den bei­den schwar­zen und den bei­den roten Geschwis­tern. Hina­ta ist eine Schild­patt – eine soge­nann­te Glücks­kat­ze – mit allen mög­li­chen Far­ben.

Sie kam auf die Welt und atme­te nicht. Ich hab das durch Schleim absau­gen, Herz­mas­sa­ge und Rub­beln aber alles in den Griff bekom­men. Beim Wie­gen stell­te ich dann fest, dass die Klei­ne mit ihren 63 Gramm nur halb soviel gewo­gen hat wie ihre Geschwis­ter und eben sehr unter­ge­wich­tig war. Hina­ta war auch mit allem immer etwa zwei Wochen hin­ter­her – Fut­ter­um­stel­lung, Stu­ben­rein­heit und spä­ter, in den Sozia­li­sie­rungs­pha­sen, war sie immer etwas lang­sa­mer als ihre Geschwis­ter.

Mit der Zeit hat sie gut auf­ge­holt, sich mit Grö­ße und Gewicht den ande­ren ange­passt. Eigent­li­ch woll­ten wir nur ein Kätz­chen aus dem Wurf behal­ten. Wir hat­ten ja eigent­li­ch schon drei Kat­zen und uns bereits für die klei­ne Hexe ent­schie­den, jedoch brach­te ich es nicht übers Herz die Klein­s­te abzu­ge­ben – so wur­den aus drei eben nicht vier son­dern fünf Kat­zen.

Hina­ta ist jetzt etwas über elf Mona­te alt und hat­te vor vier Wochen ihre ers­te rich­ti­ge Rol­lig­keit. Sie hat sechs Tage und Näch­te die Woh­nung mit ihrem Schrei­en erfüllt. Unser klei­ner Luchs ist die Ein­zi­ge, bei der die Ras­se­merk­ma­le der Groß­el­tern durch­ge­kom­men sind und damit auch wohl noch mehr als gedacht. Mit der wirk­li­ch abnorm aus­ge­präg­ten Rol­lig­keit ent­wi­ckel­te sich bei Hina­ta ein Kno­ten in der rech­ten Gesäu­ge­leis­te, so groß wie die Dau­men­kup­pe, leicht ver­schieb­bar und schmerz­los. Ich habe zu erst an eine Gesäu­ge­leis­te Ent­zün­dung gedacht auf Grund der hor­mo­nel­len Umstel­lung. Es war nichts rot oder warm, es kam kein Sekret aus den Milch­drü­sen und, naja, den Ver­dacht habe ich dann schnell ver­wor­fen.

Drei Tage spä­ter war bereits ein zwei­ter Kno­ten da – jetzt kam mir der Gedan­ke an Krebs. Wäh­rend bei Hun­den Gesäu­ge­leis­ten­tu­mo­re meist gut­ar­tig sind, sind die­se bei Kat­zen zu 98% immer bös­ar­tig.

Mitt­ler­wei­le ist eine Woche ver­gan­gen gewe­sen und ich habe wirk­li­ch über den Gesund­heits­zu­stand die­ser Kat­ze gebrü­tet. Sie frisst und trinkt sehr gut, sie hat kei­ne Pro­ble­me mit der Ver­dau­ung, die Zäh­ne und der Mund­raum sind in Ord­nung, das Fell glänzt und sie spielt ganz viel. Außer­dem hat sie kein Fie­ber und die Schleim­häu­te sind gut durch­blu­tet. Es ging ihr also gut und irgend­wie konn­te ich mir nicht vor­stel­len, dass eine Kat­ze die noch kei­ne zwölf Mona­te alt ist an einem Brust­krebs erkrankt. Also habe ich ange­fan­gen mich mit der Ent­ste­hung von Mama­kar­zi­no­men bei Kat­zen zu beschäf­ti­gen.

Wuss­tet ihr, dass der Brust­krebs bei Kat­zen der Glei­che ist, wie der gene­ti­sche Brust­krebs bei Frau­en?! Mei­ne Stu­di­en führ­ten mich aber schluss­end­li­ch in eine ganz ande­re Rich­tung: Wenn man sich wie ich stän­dig mit sel­te­nen Erkran­kung beschäf­tigt, dann fängt man an um Ecken zu den­ken. Mitt­ler­wei­le den­ke ich sogar eher an etwas aty­pi­sches oder sel­te­nes, anstatt zu erst die nahe­lie­gen­den Grün­de zu sehen. Jeder ande­re Tier­be­sit­zer wäre wohl schnell dabei gewe­sen zum Tier­arzt zu ren­nen. Der Tier­arzt hät­te mit gro­ßer Wahr­schein­lich­keit zur tota­len Mas­tek­to­mie gera­ten (die Ent­fer­nung bei­der Gesäu­ge­leis­ten). Zusätz­li­ch hät­te man uns noch zur Ent­fer­nung von Eier­stö­cken und Gebär­mut­ter gera­ten.

Mitt­ler­wei­le sind drei wei­te­re Wochen ver­gan­gen und Hina­ta hat mitt­ler­wei­le 5 Kno­ten unter­schied­li­cher Grö­ße ver­teilt auf bei­de Gesäu­ge­leis­ten. Ihr geht es immer noch rich­tig gut, denn sie hat kei­nen Krebs! Hina­ta lei­det an feli­ner Fibroa­de­noma­to­se – einer sel­te­nen Kat­zen­krank­heit. Die Erkran­kung tritt vor allem bei jun­gen Kat­zen spon­tan auf. Die Feli­ne Fibroa­de­noma­to­se (feli­ne Mam­ma­hy­per­pla­sie) ist eine hor­mo­nell beein­fluss­te Erkran­kung der Milch­drü­se der Kat­zen die durch eine rever­si­ble (kann sich zurück­bil­den) Zubil­dung von mesen­chy­ma­len (embryo­na­les Bin­degwe­be) und epi­t­he­lia­len Zel­len (Drü­sen­ge­we­be) im Gesäu­ge gekenn­zeich­net ist. Sie ist Fol­ge hoher Pro­ges­te­ron­spie­gel und bil­det sich nach der Rück­bil­dung des Gelb­kör­pers im Eier­sto­ck zumeist spon­tan zurück.

Bei Hina­ta wur­de die­ses gut­ar­ti­ge Brust­wachs­tum durch die ers­te Rol­lig­keit und den dadurch hohen Hor­mon­spie­gel aus­ge­löst. Eine Hei­lung ist nur durch Hor­mon­the­ra­pie oder Kas­tra­ti­on mög­li­ch. Wir wer­den Hina­ta also nach der nächs­ten Rol­lig­keit kas­trie­ren las­sen, die Eier­stö­cke kom­men raus. Sobald sich der Hor­mon­spie­gel nor­ma­li­siert hat bil­den sich die Tumo­re zurück bis sie kom­plett ver­schwin­den. Lei­den wür­de die Kat­ze erst, wenn die Tumo­re das umlie­gen­de Gewe­be schä­di­gen – aber solan­ge wer­den wir natür­li­ch nicht war­ten.

Wo steckt der Sinn dahinter?

War­um erzäh­le ich das alles? Nun gut, ich bin ehr­li­ch und stel­le eine Fra­ge in den Raum: Kann es sein, dass die­se Erkran­kung von Hina­ta qua­si die Quit­tung dafür ist, dass sie nach der Geburt von mir wie­der­be­lebt wur­de? Wenn wir wirk­li­ch von einem natür­li­chen Gleich­ge­wicht spre­chen, ist dann die Krank­heit von Hina­ta der gerech­te Aus­gleich für ihr Über­le­ben, weil sie ja eigent­li­ch nicht hät­te über­le­ben sol­len?

Über­tra­gen wir das Gan­ze doch ein­fach auf mich: Bei mei­ner Geburt wäre nicht nur mei­ne Mut­ter fast gestor­ben, son­dern auch ich. Ich lag mit einem Bein angewinkelt/verkeilt und mit der Nabel­schnur um den Hals im Bauch mei­ner Mama. Ich habe sie fast aus­ein­an­der geris­sen und mich selbst dabei bei­na­he erhängt.

Mei­ne Mut­ter hat in der Schwan­ger­schaft mit mir ihre kom­plet­ten Zäh­ne ver­lo­ren, zudem ergrau­ten ihre Haa­re. Mit mei­nem Kai­ser­schnitt wur­de auch gleich dafür gesorgt, dass mei­ne Mama kei­ne Kin­der mehr bekom­men kann.

Ich bin schwer­be­hin­dert, chro­ni­sch krank, habe einen ange­bo­re­nen Immun­de­fekt und vie­le Beglei­ter­kran­kun­gen – mei­ne Gene sind eher bio­lo­gi­scher Abfall als Bau­plan für das Wun­der Men­sch. Ist mein gesund­heit­li­cher Zustand die logi­sche Kon­se­quenz für mein Über­le­ben trotz der Start­schwie­rig­kei­ten? Kann es sein, dass ich eigent­li­ch nicht hät­te sein sol­len?

So denke ich halt

Ich weiß nicht ob ihr ver­steht, dass ich sol­che Gedan­ken habe. Ich ver­su­che halt immer allem einen Grund oder Sinn zu geben. Fakt ist: ich bin nun mal da und das nun sogar schon seit 30 Jah­ren. Ich habe mir nicht aus­ge­sucht zu sein und erst recht nicht mit wel­chen Vor­aus­set­zun­gen. Es gibt so Situa­tio­nen im Leben, da den­ke ich: „Wäre es nicht bes­ser gewe­sen wenn nicht?“ und dann begrei­fe ich immer wie­der aufs Neue: „Es ist nun mal wie es ist.«. Irgend­je­mand oder irgend­was woll­te, dass es gen­au so läuft und war der Mei­nung, dass ich mit all dem umge­hen kann.

Alles im Leben hat einen Preis, aber ich habe Freun­de und ich habe Lie­be, ich ken­ne so unglaub­li­ch tol­le Men­schen und auch in mei­nem Leben gibt es tol­le Momen­te und Situa­tio­nen. Wenn ich um all die­se Din­ge erle­ben zu dür­fen einen Preis zah­len mus­s­te – in mei­nem Fall die Gesund­heit – ja, dann habe ich die­sen Preis (wenn auch unbe­wusst) mit vol­lem Her­zen bezahlt. Es ist kein per­fek­tes Leben, es fällt mir oft auch mal zur Last und doch ist es mein Leben, meins ganz allein und für die­ses Leben habe ich viel gezahlt – also soll­te ich es wert­schät­zen. Ich bin es wert und ihr seid es auch!

Alles in dei­nem Leben hat einen Sinn. Du selbst!

Kennt ihr auch sol­che Gedan­ken? Schreibt mir !

Euer Ste­phan

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Stephan Jens