Leben mit Immundefekt / Hafer, Hanf und Cannabis

Alles in Ordnung?!

Stephan

von Masken und Kartenhäusern

Lie­be Lese­rin­nen und Leser, lie­be Schau­spie­le­rin­nen und Schauspieler,

die Show der hun­dert Gesich­ter ist eröff­net. Es darf gelacht wer­den was das Zeug hält, denn hier wird gute Mine zum bösen Spiel gemacht. Hier darfst du alles sein, nur nicht du selbst! Wenn dich hier jemand fragt wie es dir geht, dann ant­wor­test du abso­lut unehr­lich mit “Gut” oder “Ganz in Ord­nung” ein “schlecht” so möchte ich mei­nen, will doch kei­ner hören!
Also auf, auf schnell noch mal die eige­ne Mas­ke­ra­de auf Hoch­glanz brin­gen und dann kann das sich täg­lich wie­der­ho­len­de Büh­nen­pro­gramm auch schon beginnen.

In die­sem Bei­trag geht es um unse­re Mas­ken, die wir oftmals tra­gen. Manch einer bekommt die­se Mas­ken auf­ge­zwun­gen ein Ande­rer traut sich nicht die­se abzu­set­zen. War­um wir nie wirk­lich ehr­lich mit uns und unse­rem Umfeld sind und was pas­siert wenn man sei­nen Schutz ein­fach mal auf­gibt, sind Fra­gen auf die ich in die­sem Arti­kel ein­ge­hen wer­de. Ein­fach mal sagen wie es einem wirk­lich geht ist gar nicht mal so ein­fach. Wenn man chro­nisch krank ist wird man zwangs­läu­fig per­fekt dar­in, sich anders zu geben als man sich fühlt – das hat vie­le Grün­de. Ich habe in letz­ter Zeit oft mit­be­kom­men, dass so manch eine Pati­en­tin oder ein Pati­ent an genau die­sem einen The­ma zu Grun­de geht. Darf ich mei­ne Emo­tio­nen offen zei­gen? Fin­den wir es heraus!

Wir alle spielen unsere Rollen – und warum?

Sind wir doch mal ehr­lich, schon in unse­ren frü­hen Kind­heit wer­den wir dahin­ge­hend erzo­gen, dass es sich nicht schickt, sei­ne Pro­ble­me nach außen zu tra­gen. In den wenigs­ten Fami­li­en wird offen über die Din­ge gere­det die das zusam­men­le­ben belas­ten. Eltern wol­len ja in der Regel immer nur das Bes­te fürs Kind und wür­den frei­wil­lig nie vor ihren Schütz­lin­gen so etwas wie “Schwä­che” zei­gen. Eltern sind doch stark und soll­ten nicht vor ihren Kin­dern wei­nen. Auch soll­ten sich Kin­der kei­ne Sor­gen um ihre Eltern machen müs­sen – so oder ähn­lich ist zumin­dest die ver­brei­te­te Mei­nung. Ein fata­ler Feh­ler, wie ich fin­de, wer­den doch so Gene­ra­ti­on für Gene­ra­ti­on Men­schen dar­auf kon­di­tio­niert nicht offen zu zei­gen wie es einem wirk­lich geht.

Da leben wir mit­ten im digi­ta­len Zeit­al­ter, tei­len auch noch den letz­ten Mist mit der Öffent­lich­keit und trau­en uns gleich­zei­tig nicht ein­fach mal zu sagen, wenn es uns nicht gut geht. Lie­be Erzie­hungs­be­rech­tig­ten, wenn ihr wollt, dass sich eure Schütz­lin­ge euch anver­trau­en, euch ehr­lich zei­gen wie es ihnen geht und mit Pro­ble­men zu euch kom­men, dann soll­tet ihr sie auch dem­entspre­chend erzie­hen und euch selbst so ver­hal­ten. Alles ande­re ist irgend­wie geheu­chelt und oft der Grund, dass Kin­der sich eben nicht öff­nen. So hat man es auch als Erwach­se­ner spä­ter sehr schwer.

Der Zwiespalt im Umgang mit der eigenen Erkrankung

Wer dau­er­haft krank oder gesund­heit­lich ein­ge­schränkt ist befin­det sich qua­si immer im Kampf mit sich selbst. Du möch­test auf der einen Sei­te Nie­man­dem zur Last fal­len, nicht bedau­ert wer­den, nicht aufs krank sein redu­ziert wer­den, kei­ne Umstän­de machen und bloß so “nor­mal” wir­ken wie mög­lich. Auf der ande­ren Sei­te möch­test du Ver­ständ­nis für dich und dei­ne Situa­ti­on, du benö­tigst viel­leicht sogar Unter­stüt­zung und Hil­fe. Du willst ernst genom­men wer­den, so dass sich dein Umfeld auch dei­ner Erkran­kung ent­spre­chend ver­hält.

Wenn man dies jetzt so schwarz auf weiß liest, dann wirkt es tat­säch­lich leicht schi­zo­phren obwohl die­se par­al­le­len Gedan­ken­gän­ge ja abso­lut nach­voll­zieh­bar sind. Du kannst dich nicht ein­fach für einen der bei­den Denk­zwei­ge ent­schei­den und den ande­ren igno­rie­ren, ohne dass dies schwe­re Kon­se­quen­zen zur Fol­ge hat.

Und dann stürzt das Kartenhaus ein

Wer mich kennt weiß ja, dass ich eher so der Typ für Extre­me bin und eher die schwe­ren als die leich­ten Wege gehe. Ich kann aus eige­ner Erfah­run­gen davon spre­chen, dass es wirk­lich abso­lut kei­nen Sinn macht sich für eine der oben beschrie­be­nen Gedan­ken­gän­ge zu ent­schei­den und sich ausschließlich die­sem hin­zu­ge­ben. Der Schuss geht unweigerlich nach hin­ten los.

Wenn du dich kom­plett dei­ner Erkran­kung hin­gibst, dann wirst du depres­siv, ein­sam und sehr sehr unglück­lich. Wenn du so tust als wär alles in Ord­nung, dann lebst du solan­ge über dei­ne emo­tio­na­len und kör­per­li­chen Reser­ven bis es “Peng” macht und du ent­we­der mit stark gesund­heit­lich Pro­ble­men zu kämp­fen hast oder einen Ner­ven­zu­sam­men­bruch bekommst.

Da der Mensch ja ein “Gewohn­heits­tier” ist muss­te ich lei­der durch bei­de Extre­me erfah­ren, dass das Umfeld es nicht ver­kraf­tet, wenn man plötz­lich wie­der anders denkt. Nach einer lan­gen Pha­se des “Kran­ken Lebens” fällt es vie­len nahe ste­hen­den Men­schen schwer ein z.B. neu­es Selbst­be­wusst­sein zu akzep­tie­ren, oft schießt man dann auch erst­mal über die Stren­ge und kommt all­zu oft an die eige­nen Gren­zen – und auch an die der Ande­ren. Im Umkehr­schluss wen­den sich vie­le Men­schen ab oder sind über­for­dert, wenn sie plötz­lich die vol­le Packung “Ich bin krank” abbe­kom­men, nach­dem man jah­re­lang gute Mine zum bösen Spiel gemacht hat.
Als hät­te man nicht schon genug im Kopf!

Darf ich Schwäche zeigen?

Ja, also die­se Fra­ge kann ich nur mit einem ganz kla­ren Ja beant­wor­ten. Aller­dings begren­ze ich das Ja auf pas­sen­de Situa­tio­nen und Momen­te. Bis auf ganz weni­ge Aus­nah­men ist es so, dass die meis­ten Ange­hö­ri­gen viel mehr invol­viert wer­den wol­len um sich nicht so hilf­los zu füh­len. Pati­en­ten wol­len immer ihr Umfeld scho­nen und das Umfeld möch­te meist mit ein­be­zo­gen wer­den. Du kannst nur Ver­ständ­nis bekom­men wenn du offen und ehr­lich sagst wie es dir geht. Du kannst nur mit Hil­fe rech­nen wenn dein Gegen­über ver­steht, dass du die­se Hil­fe benötigst.

Ein Drahtseilakt

Es ist und bleibt ein dau­ern­des abwie­gen und doch bekommt man irgend­wann Rou­ti­ne. Ich den­ke so vollständig alles gibt man so oder so nie Preis, aber das ist auch unab­hän­gig von einer Erkran­kung nicht anders. Man muss jedes mal erneut über­le­gen, was habe ich davon mei­nem Gegen­über zu erzäh­len wie es mir geht – und genau da ist im Prin­zip auch der ein­zi­ge Punkt an dem man sinn­voll abwä­gen soll­te, wie viel man von sich offen­bart.

Wenn mir ein gesun­der Mensch gera­de sein Herz öff­net (auch wenn dies ein Kran­ker tut), dann ist es ein­fach unan­ge­bracht sich mit sei­nem eige­nen Kram dazwi­schen zu drän­gen. Ernst­haf­te The­men soll­ten auch nie zwi­schen Tür und Angel bespro­chen wer­den, da gera­de gesund­heit­li­che Pro­ble­me in ihrer Kom­ple­xi­tät nicht in fünf Minu­ten abge­ar­bei­tet sind.

Es gibt nun mal auch Menschen die sind einfach kacke

Sowohl im fami­liä­ren Umfeld wie auch in der Schu­le, Uni oder im Job sowie auch in der Frei­zeit und bei Hob­bys, ist man immer wie­der mit Men­schen kon­fron­tiert, denen man die Pest an den Hals wünscht weil sie durch feh­len­des Ein­füh­lungs­ver­mö­gen und Ver­ständ­nis bei uns nur für Wut und Trau­er sor­gen. Da kann man nichts machen.

Die­se Men­schen wis­sen alles bes­ser, wür­den alles anders machen und argu­men­tie­ren vor­wie­gend auf einer Vor­wurfs­ebe­ne. Da muss man sich ein dickes Fell anschaf­fen und ich man­chen Fäl­len auch ein­fach den Kon­takt oder bestimm­te Gesprä­che mei­den, sofern es denn eben geht. Die­se Men­schen kann man nicht ändern, glaubt mir.

Und ich?

Mitt­ler­wei­le habe ich eigent­lich jeden aus mei­nem Leben ver­bannt, der mit mei­ner Erkran­kung nicht zurecht kommt. Ich habe gelernt, dass ich den Men­schen die mir beson­ders nahe ste­hen, immer sagen kann wie es mir geht. Ich habe frü­her immer gedacht, ich brauch nicht über Ängs­te reden die mir kei­ner neh­men kann – und da lag ich abso­lut falsch!

Der gan­ze Mist muss auch mal raus, sonst geht man dar­an kaputt. Men­schen denen du wich­tig bist, kön­nen und wol­len das tra­gen und dir zur Sei­te ste­hen. Ich habe auch gemerkt, dass es manch­mal nichts bringt immer und immer wie­der zu ver­su­chen sich zu erklä­ren, wenn es mein Gegen­über ein­fach nicht ver­ste­hen will. Auch als Blog­ger muss­te ich ler­nen zu schrei­ben, wenn es mir nicht gut geht. Das gehört eben mit dazu! Die Kunst ist es, da wie­der raus zu kom­men oder sich nicht dau­er­haft run­ter­zie­hen zu lassen.

Fazit

In den meis­ten Fäl­len ist es wirk­lich ein­fach nur Unwis­sen­heit oder Hilf­lo­sig­keit und eine dar­aus resul­tie­ren­de Über­for­de­rung, die zu zwi­schen­mensch­li­chen Pro­ble­men führt. Jedoch – und da bin ich mitt­ler­wei­le ganz stumpf – ach­te ich lie­ber auf mei­ne Befind­lich­kei­ten, als auf die mei­nes Gegen­übers wenn es um mei­ne eigene Erkran­kung geht! Frei nach dem Mot­to “wenn ihr euch schon unbe­hag­lich fühlt, dann fragt doch mal mich der tatsächlich betrof­fen ist”.

Was ich sagen will ist Fol­gen­des: Wenn euch ein Mensch wich­tig ist, dann öff­net euch und zeigt wenn es euch nicht gut geht! Soll­te es mal Unver­ständ­nis oder Ärger geben, dann fragt euch selbst ob ihr eurem Gegen­über schon mal rich­tig erklärt habt, was euch fehlt und wie es einem mit Schmer­zen, Juck­reiz, Übel­keit, Durch­fall, Dau­er­mü­dig­keit etc. geht.

Wenn ihr auf bera­tungs­re­sis­ten­te Men­schen trefft, dann hal­tet euch nicht an deren Unver­ständ­nis fest. Ein kran­ker Mensch darf sich nie für sei­ne Erkran­kung schä­men und muss sich auf kei­nen Fall recht­fer­ti­gen. Für jeman­den der sich um einen kran­ken Men­schen küm­mert gilt genau das Glei­che. Die andern haben kei­ne Ahnung wie es ist mit den Sor­gen und Ängs­ten zu leben, die einen pla­gen, wenn man sich um einen gelieb­ten Men­schen kümmert.

Also Kopf hoch und ruhig mal die Mas­ke in der ima­gi­nä­ren Schub­la­de lie­gen lassen 

Euer Ste­phan

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