das Leben mit Immundefekt

Bleitage

Stephan

wenn nichts mehr geht

Lie­be Lese­rin­nen und Leser,

es gibt so Tage, da merkt man direkt nach dem Auf­ste­hen, dass dies kein guter Tag wird. Es sind die­se Tage da ist der Him­mel grau, selbst wenn er nicht grau ist. An solch einem Tag ist man viel emo­tio­na­ler und emp­find­sa­mer als sonst und egal was pas­siert, es will sich so recht kei­ne posi­ti­ve Grund­stim­mung ein­stel­len. Sogar die Kno­chen kom­men nicht so rich­tig in Gang, man friert irgend­wie und fühlt sich all­ge­mein wie zer­flos­se­nes Ker­zen­wachs. Die­se Tage nen­ne ich Blei­ta­ge. Ande­re sagen sie haben “ihren Emo­tio­na­len” oder “sind mit dem fal­schen Fuß auf­ge­stan­den”. Gemeint ist in der Regel ein Gefühl von “nicht mein Tag” und gera­de chro­nisch Kran­ke ken­nen die­sen Zustand nur zu gut. In die­sem Bei­trag geht also um genau die­se Blei­ta­ge und war­um es Sinn­ macht die­se ganz bewusst zu durch­le­ben, damit es einem im Anschluss bes­ser geht.

Eine unbewusste Bremse des Körpers

Wenn du mor­gens auf­wachst und denkst, die­ser Tag wird schreck­lich, dann will dir dein Kör­per damit etwas sagen – da bin ich mir abso­lut sicher. Blei­ta­ge kom­men immer mit­ten im größ­ten Stress oder direkt nach­dem man eine sehr stres­si­ge Zeit hat­te. Wenn man sich z.B. durch eine chro­ni­sche Erkran­kung im “Dau­er­stress” befin­det, dann kön­nen Blei­ta­ge ein wie­der­keh­ren­des Phä­no­men sein.

Die­se beson­de­re Schlapp­heit und Müdig­keit, das Frie­ren oder unbe­hag­lich füh­len, die­se manch­mal auch grip­pe­ähn­li­chen Sym­pto­me, all dies deu­tet dar­auf hin, dass dein Kör­per dich zur Scho­nung zwin­gen will. Eigent­lich gehört man in die­sem Zustand auf´s Sofa und soll­te mög­lichst wenig machen dass kör­per­lich anstren­gend ist. Dei­ne Akkus sind dann leer und wenn du jetzt ein­fach dei­nen Zustand igno­rierst, läufst du Gefahr, dass sich dei­ne Akkus tiefen­ent­la­den und sowas rächt sich immer.

Ein bewusstes Ventil der Psyche

An die­sen Blei­ta­gen ist nichts Gutes zu fin­den denkt ihr? Falsch, denn man kann sol­che Tage pri­mar dafür nut­zen etwas Ord­nung in sein Gefühls­le­ben zu brin­gen und so auch gleich­zei­tig eini­ges was sich ange­staut hat los­wer­den. Ich den­ke, dass ist ein ganz bewuss­ter Pro­zess unse­rer Psy­che der uns dazu brin­gen soll, emo­tio­na­len Druck zu redu­zie­ren.

Stellt euch vor eure Gefüh­le wer­den in einem Fass gesam­melt. Die­ses Fass nimmt alles auf was ihr ein­fach run­ter­schluckt und nicht bewusst ver­ar­bei­tet. Mit der Zeit wird die­ses Fass immer vol­ler und vol­ler, droht über­zu­lau­fen. Es dro­hen Burn Out, Depres­sio­nen oder ein Ner­ven­zu­sam­men­bruch wenn man kei­ne Mög­lich­keit fin­det ein Über­lau­fen zu ver­hin­dern. Ich den­ke, genau des­we­gen sind wir an Blei­ta­gen so sen­ti­men­tal und nah am Was­ser gebaut. Damit wir bewusst unse­re Emo­tio­nen durch­le­ben, wei­nen und so ein wenig mehr Platz im Fass schaf­fen wo wir sonst ein­fach in die Ver­drän­gung gehen würden.

Was tun an einem Bleitag?

Mache den Blei­tag zu dei­nem ganz per­sön­li­chen Tag des bewuss­ten Umgangs mit dir selbst. Sofern du die Mög­lich­keit hast soll­test du direkt nach dem Auf­ste­hen in den Gam­mel­mo­dus wech­seln. Du machst heu­te nur das Nötigs­te und auf kei­nen Fall mehr als not­wen­dig. So oft du kannst machst du alles was dir Spaß macht solan­ge es dich nicht anstrengt. Musik hören oder Seri­en gucken sind da mei­ne Favo­ri­ten.

Ich hof­fe du hast genug Taschen­tü­cher parat, denn jetzt geht es dar­um sich mit den eige­nen Gefüh­len aus­ein­an­der zu set­zen. Vie­le machen das ganz auto­ma­tisch, sie hören trau­ri­ge Lie­der, schau­en emo­tio­na­le Seri­en oder Dokus und schwel­gen im Gedan­ken all dem nach was das Leben so unglaub­lich kom­pli­ziert und hart macht. Das ist voll in Ord­nung und abso­lut gesund. So setzt du dich bewusst mit dei­nen inners­ten Ängs­ten und Sor­gen auseinander.

Das fühlt sich auch ganz anders an als in aku­ten Stress­si­tua­tio­nen. Irgend­wie tut es gut all das ange­stau­te ein­fach raus­zu­las­sen ohne irgend­ei­ne Kon­se­quenz. Haupt­sa­che man macht dies ganz bewusst, denn dann kommt von ganz allei­ne der Punkt an dem man sich selbst sagt, dass es jetzt reicht.

Aber bitte kommunizieren!

Sofern du nicht allei­ne lebst, ist es wich­tig dei­nem direk­ten Umfeld mit­zu­tei­len wenn du einen Blei­tag hast. An Blei­ta­gen ist man meist sehr in sich ver­sun­ken, schweift ab oder hat ziem­lich selt­sa­me lee­re Bli­cke drauf. Das kann dein Umfeld natür­lich extrem ver­un­si­chern und an einem Blei­tag kann man alles gebrau­chen außer besorg­te Ange­hö­ri­ge und Freunde.

Also sagt ruhig ein­fach, dass ihr heu­te etwas Zeit für euch braucht und bit­tet um etwas Rück­sicht. Sagt auch, dass nichts spe­zi­el­les Vor­ge­fal­len ist und ihr ein­fach mal nen biss­chen in euch gehen müsst. Dafür hat nor­ma­ler­wei­se jeder Verständnis.

Fazit

Ein Blei­tag ist also abso­lut nichts schlim­mes und soll­te des­halb auch nicht ver­teu­felt wer­den. Allen Ange­hö­ri­gen von Blei­tags­men­schen kann ich noch einen Rat mit auf den Weg geben: Die Ant­wort auf die Fra­ge “kann ich irgend­et­was für dich tun” ändert sich nicht, wenn man sie alle 30 Minu­ten stellt. Es gibt eben auch Zei­ten, da ist es am Bes­ten eine Situa­ti­on ein­fach mit­zu­tra­gen ohne aktiv etwas zu tun.

Euer Ste­phan

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