Leben mit Immundefekt / Hafer, Hanf und Cannabis

Lebensretter an der Förde

Stephan

Die Alltagsmacher zu Besuch bei CSL Plasma in Kiel

Wir wur­den ein­ge­la­den das CSL Plas­ma­cen­ter in Kiel zu besu­chen, um vor Ort mit den Mit­ar­bei­tern zu spre­chen. Hin­ter­grund sol­cher Besu­che ist, dass ich nun mal ein Immun­de­fekt­pa­ti­ent bin und mein Leben von einem Medi­ka­ment, wel­ches aus Blut­plasma gewon­nen wird, abhän­gig ist.

Wer kann also bes­ser ein Bewusst­sein für die Wich­tig­keit der Arbeit im Spen­de­be­trieb schaf­fen, als jemand, des­sen Leben davon abhängt?!

Für mich als Betrof­fe­ner sind sol­che Ein­la­dung immer sehr wich­tig. Es geht mir nicht nur darum die Mit­ar­bei­ter zu moti­vie­ren, son­dern eben auch ganz beson­ders um das Danke sagen im Namen jener Pati­en­ten, sozu­sa­gen als deren Sprach­rohr, mit wel­chen wir regel­mä­ßig in Kon­takt ste­hen. Das schöne ist, dass mir auch jedes Mal wenn ich in einem Cen­ter bin, die Mög­lich­keit ein­ge­räumt wird mit Spen­dern zu spre­chen. Diese Besu­che haben einen Mehr­wert: für die Mit­ar­bei­ter, für Spen­der und auch für mich per­sön­lich.

Es geht los…

Bei die­sen Ter­mi­nen rei­sen wir immer gerne einen Tag frü­her an. Das macht auch Sinn, denn so ist es ent­spann­ter für alle Betei­lig­ten, und auch meine Gesund­heit bleibt geschont. Zudem kann man so vorab schon Mal die Ört­lich­kei­ten erkun­den und sich gegen­sei­tig beschnup­pern.

So durch­quer­ten wir bequem mit der Bahn NRW, Nie­der­sa­chen, Bre­men, Ham­burg und Schles­wig-Hol­stein bis wir gegen 12 Uhr in Kiel ange­kom­men waren.

Neben­bei erwähnt: Die Unter­brin­gung war ein­fach der Ham­mer! Es wird wirk­lich immer sehr dar­auf geach­tet, dass ich mich wohl fühle und es war gene­rell ein­fach toll. Man geht aus dem Bahn­hof raus, guckt fron­tal aufs Hotel und nach rechts direkt aufs Was­ser. Und es war warm – Oh mein Gott, es war Sonne pur.

Nach­dem wir uns frisch gemacht hat­ten, bega­ben wir uns auf den Weg ins kie­ler Plas­ma­cen­ter wo man auch schon auf uns war­tete. Ist schon komisch, wenn man rein kommt (in den lau­fen­den Betrieb) und alles einen anschaut. “Ah Sie wer­den schon erwar­tet!” – wird man dann von den Mit­ar­bei­te­rin­nen am Emp­fang begrüßt.

Es folgte ein tol­ler Tag, den wir mit der Cen­ter­ma­na­ge­rin Gesine Lamp ver­bracht haben.

Ob Bra­si­lien oder Kali­for­nien, der Nor­den ist wun­der­bar. Wir wur­den ver­kös­tigt und hat­ten sogar die Zeit für einen Strand­spa­zier­gang. So war schon der Anrei­se­tage ein­fach nur groß­ar­tig. KO aber zufrie­den und mit leich­tem Son­nen­brand sind Jens und ich dann irgend­wann ins Bett gefal­len.

Der Tag der Wahrheit

Nach einem sehr guten Früh­stück haben wir unsere Sachen gepackt, aus­ge­checkt und uns dann auf den Weg Rich­tung Cen­ter gemacht. Flux noch schnell was Süßes für die Mit­ar­bei­ter besorgt und dann waren wir auch schon da.

Kiel hat ein wirk­lich schö­nes Plas­ma­cen­ter. Es ist irgend­wie gemüt­lich. An der Wand hän­gen Fotos der Dau­er­spen­der mit vie­len drei- und auch vierstel­li­gen Spen­de­re­kor­den. Ich meine, wenn Men­schen über 1000 Mal in das selbe Cen­ter kom­men um Plasma zu spen­den, spricht das sehr für das dor­tige Team!

Cen­ter­ma­na­ge­rin Gesine Lamp und ich, vor uns um die 30 Mitarbeiter/innen, Jens an der Seite mit Kamera und alle Bli­cke auf mich gerich­tet. Nach­dem ich uns vor­stellte stie­gen wir lang­sam mehr und mehr in die The­ma­tik “Leben mit Immun­de­fekt” ein – Ich berich­tete über Behand­lungs­mög­lich­kei­ten, Krank­heits­bil­der und Defi­zite in der Ver­sor­gung von PID-Pati­en­ten.

Für mich ist es immer ziem­lich emo­tio­nal von mei­ner Kran­ken­ge­schichte zu erzäh­len, aber ich denke, ich konnte die Infos doch ver­dau­bar ver­pa­cken.

Ganz offen und ehr­lich wur­den mir Fra­gen gestellt. Die Kie­ler Mit­ar­bei­ter haben wirk­lich sehr auf­rich­tig ihr Inter­esse gezeigt, ihr Bedau­ern über mein Schick­sal bekun­det und sind auf eine sehr mensch­li­che Umgangs­weise auf meine Lebens­ge­schichte ein­ge­gan­gen.

Mit im „Publi­kum“ saßen natür­lich auch die Trans­fu­si­ons­me­di­zi­ner des Cen­ters. Als irgend­wann die Frage einer Mit­ar­bei­te­rin auf­kam, ob ich denn nicht unglaub­lich sauer auf die Ärz­te­schaft sein müsste, begann eine rege sowie inter­es­sante Dis­kus­sion.

Hier muss ich zuge­ben, dass ich immer ziem­lich kri­tisch mit der Ärz­te­schaft ins Gericht gehe.

Was ja auch defi­ni­tiv sei­nen Grund hat und mir durch die gemach­ten Erfah­run­gen ein­fach zusteht. Auch wenn die Ärz­tin­nen und ich bei der „Schuld­frage“ nicht so ganz auf einen Nen­ner gekom­men sind, muss ich an die­ser Stelle sagen: Alleine die Tat­sa­che, dass sich die Ärzte an der Dis­kus­sion betei­ligt haben, spricht sehr für sie.

Einig wur­den wir uns auf jeden Fall dar­über, dass die Kran­ken­kas­sen und die Bun­des­ärz­te­kam­mer viel mehr in die Pflicht genom­men wer­den müs­sen wenn es um die Ver­sor­gung von PID-Pati­en­ten geht.

Nach etwa 90 Minu­ten been­de­ten wir die große Runde, indem wir Frau Gesine Lamp, stell­ver­tre­tend für alle Mit­ar­bei­ter, unsere All­tags­hel­den-Urkun­den überr­eich­ten. Eine kleine Aner­ken­nung im Namen aller Pati­en­ten und deren Ange­hö­ri­gen, die dank­bar für die täg­li­che Arbeit und Leis­tung die­ser tol­len Mit­men­schen sind.
(Das uns auch hier wie­der ganz offen Ein­bli­cke in die Arbeits­weise gewährt wurde, dür­fen wir natür­lich auch nicht ver­schwei­gen.)

Das war’s aber noch nicht!

Kaum war die Runde auf­ge­löst, stand ein Trüpp­chen bewegt lächeln­der Mit­ar­bei­te­rin­nen um mich herum – und da hat man gemerkt, dass im klei­nen Kreis sich dann eben doch noch mal mehr getraut wird zu fra­gen. Ich habe sehr viel Zuspruch bekom­men und bin echt begeis­tert wie hoch das Inter­esse der Anwe­sen­den war.

Anschlie­ßend wurde  das Cen­ter wie­der für den Spen­de­be­trieb geöff­net und wir gönn­ten uns eine kleine Pause in der Sonne.

Ich nutzte die fol­gende Zeit für ein per­sön­li­ches Gespräch mit einer Neu­s­pen­de­rin. Diese erzählte mir, dass sich in ihrem Freun­des­kreis viele fra­gen, was eigent­lich mit den Spen­den pas­siert und sie nun durch mich ja die Ant­wort kennt.

Es war zwar nun eher Zufall, aber ich hab die Chance genutzt um gleich dafür zu sor­gen, dass diese nette, junge Frau wie­der­kommt.

Dann konnte ich auch noch mei­nen per­sön­li­chen Wunsch umset­zen und in den vol­len Spen­de­saal gehen und ein paar Worte an die Anwe­sen­den rich­ten:
Liebe Spen­der, ich war heute Mor­gen schon da, um den Mädels hier mal zu sagen wie wich­tig ihre Arbeit ist. Ich bin Ste­phan und ich bin einer von ganz vie­len Men­schen die nur Leben kön­nen, weil ihr hier seid!“

Meine Dan­kes­worte wurde mit einem lau­ten Bei­fall (Hand auf Ober­schen­kel, sonst hätte es wohl einige Nadeln aus den Armen geris­sen) quit­tiert – ein schö­nes Gefühl, wenn die Anwe­sen­heit Wir­kung zeigt.

Wer mehr von den Lebens­ret­tern an der Förde erfah­ren will, kann dies auf der Face­book-Seite des Cen­ters tun, im Blog von CSL Plasma stö­bern oder ganz ein­fach mal vor Ort vor­bei­schauen. Noch mehr über Hel­den des All­tags erfahrt ihr bald in unse­rer Rubrik All­tags­hel­den.

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