das Leben mit Immundefekt

Humanes Immunglobulin - ein Lebensretter!

Stephan

Humanes Immunglobulin

–Ein Blutprodukt, ein Plasmaderivat-ein Lebensretter

Wie Immunglobuline funktionieren und wofür sie da sind habe ich im ersten Teil des Beitrags erklärt – Jetzt geht es um Antikörper als Medikament und was so dahinter steckt.

Immun­glo­bu­line sind im Blut­plasma ent­hal­ten. Das Plasma wird ent­we­der mit­tels Blut­spende oder Plas­ma­phe­rese gewon­nen und ent­spre­chend auf­be­rei­tet. Für die Immun­glo­bu­lin-Prä­pa­rate sel­ber wird das Plasma von min­des­tens 1.000 Spen­dern mit­ein­an­der ver­mischt. Dadurch wer­den alle Anti­kör­per gegen Bak­te­rien, Viren, Gift­e und andere krank­ma­chende Stoffe in einem Prä­pa­rat ver­ei­nigt.

Men­schen, die mit Immun­glo­bu­linen sub­sti­tu­iert wer­den, sind abhän­gig von Blut und Plasmas­pen­dern und vor allem auf sichere Prä­pa­rate (sn die­ser Stelle darf ich sagen, dass die Prä­pa­rate sicher sind. Ich selbst durfte schon im Göt­tin­ger Labor von CSL Plasma sehen, wie viel Auf­wand um die Tes­tung gemacht wird.). Wäh­rend letz­te­res gewähr­leis­tet ist, wird die Spen­de­mü­dig­keit ein zuneh­men­des Pro­blem.

Wie werden Immunglobuline Verabreicht?

Die von ande­ren Men­schen gewon­ne­nen Immun­glo­bu­line müs­sen ja irgend­wie in den Kör­per und dafür gibt es grob gesagt zwei Optio­nen: Intra­ve­nös also (IV) direkt ins Blut oder Sub­ku­tan in das Unter­haut­fett­ge­webe.

Zwar hat man frü­her Immun­glo­bu­line auch Intra­mus­ku­lär (IM) gespritzt, jedoch hat sich diese meist schmerz­hafte Appli­ka­ti­ons­art nicht durch­ge­setzt.

Bei der intra­ve­nö­sen Gabe von Immun­glo­bu­linen treibt man je nach Indi­ka­tion den IgG Spie­gel meist im drei bis vier Wochen­ryth­mus­nach oben .

Ver­ab­reicht wird meist bei nie­der­ge­las­se­nen Ono­ko­lo­gen und Häma­to­lo­gen oder in ambu­lan­ten Abtei­lun­gen von Kli­ni­ken.

Wich­tig! Bei der Sub­sti­tu­tion von Immun­glo­bu­linen geht es immer um IgG. Andere Anti­kör­per­klas­sen sind aus ver­schie­de­nen Grün­den der­zeit nicht zu erset­zen. Aus den Plas­men wird auch das IgA raus­ge­fil­tert um eine unge­wünschte Reak­tion zu ver­hin­dern. Men­schen mit selek­ti­vem IgA-Man­gel haben ein höhe­res Risiko auf Blut­pro­dukte “all­er­gi­sch” zu reagie­ren. Das kann im schlimms­ten Fall sogar töd­lich enden. Zwar wird das IgM auch raus­ge­fil­tert, aller­dings gibt es Prä­pa­rate mit etwas höhe­rem IgM-Anteil, da diese bei einer Sep­sis schnel­ler grei­fen.

Die intra­ve­nöse Immun­glo­bu­l­in­sub­sti­tu­tion muss über­wacht wer­den und ist meist neben­wir­kungs­rei­cher als die sub­ku­tane Behand­lung. Zusätz­lich muss, sofern man kei­nen Port hat, jedes­ Mal ein neuer Zugang gelegt wer­den. Zwar kann man in man­chen Fäl­le den Inter­vall zwi­schen den IV-Gaben wenn nötig auch ver­kür­zen, allerdings ist dies oft mit Umstän­den ver­bun­den die nicht für jeden umsetz­bar sind.

Ein Vor­teil die­ser Art von Ersatz­the­ra­pie ist natürlich, dass man die Ver­ant­wor­tung für die The­ra­pie abge­ben kann und sich auch sonst um nicht viel küm­mern muss. Gerade für unsi­chere Men­schen eine gute Option.

Bei der sub­ku­ta­nen Ver­ab­rei­chung von Immun­glo­bu­linen setzt man sich mit einer klei­nen Nadel einen Sub­ku­tan­ka­the­ter ins Unter­haut­fett­ge­webe und inf­un­diert mit Hilfe einer klei­nen Pumpe – ähn­lich einer Mor­phin­- oder Insulinpumpe – die Immun­glo­bu­line in regel­mä­ßi­gen Abstän­den selbst.

Es gibt viele unter­schied­li­che Prä­pa­rate und der Inter­vall rich­tet sich ganz indi­vi­du­ell nach den Bedürf­nis­sen des Pati­en­ten. Bei der sub­ku­ta­nen Ersatz­the­ra­pie trägt man selbst die Ver­ant­wor­tung, wird aber vor­her geschult und kann in den meis­ten Fäl­len viel orga­ni­sa­to­ri­sches an einen home-care-ser­vice abge­ben.

Was nun bes­ser ist, dar­über strei­ten sich die Geis­ter. Argu­mente wie „Immun­glo­bu­line haben eine Halb­werts­zeit von drei Wochen“ oder „kleine Men­gen las­sen den Spie­gel nicht so schwan­ken“ spre­chen zwar für sich selbst, allerdings muss die Behand­lung für einen Pati­en­ten auch hand­hab­bar sein. Es gibt Pati­en­ten, die bekom­men IV eine Fla­sche IgG nach der ande­ren ange­hängt und füh­len sich klasse, egal wie schnell die Infu­sion läuft – Andere Pati­en­ten sub­sti­tu­ie­ren in Eigen­the­ra­pie kleine Men­gen sub­ku­tan und lei­den an der kom­plet­ten Neben­wir­kungs­pa­lette, selbst wenn sie 12 Stun­den über Nacht inf­un­die­ren.

Die Behand­lung mit Immun­glo­bu­linen sollte immer indi­vi­du­ell an den Pati­en­ten ange­passt wer­den.

Da huma­nes Immun­glo­bu­lin ein Blut­pro­dukt ist, muss es immer doku­men­tiert wer­den. In der Heim­be­hand­lung bekommt man dafür vom Her­stel­ler ein Heft zum Ein­kle­ben der Char­gen­num­mern. So kann immer nach­voll­zo­gen wer­den falls etwas nicht in Ord­nung war. In diese The­ra­pie­ta­ge­bü­cher trägt man dann auch etwaige Neben­wir­kun­gen und Daten wie Gewicht oder Befin­den ein.

Was sind die Normwerte für das Immunglobulin G?

Bei Erwach­se­nen liegt die nor­male IgG-Kon­zen­tra­tion im Blutse­rum bei 7 bis 16 g/l. Kin­der bil­den erst im Laufe der Jahre ein voll funk­ti­ons­tüch­ti­ges Immun­sys­tem aus, daher steigt die IgG-Kon­zen­tra­tion mit zuneh­men­dem Alter an.

IgG (g/l) aus dem Blutse­rum
Norm­werte

Erwach­sene: 7,00 – 16,00
Kin­der bis 7 Tage: 7,00 – 16,00
bis 3 Monate: 2,50 – 7,50
4 bis 6 Monate: 1,80 – 8,00
7 bis 12 Monate: 3,00 – 10,00
13 Monate bis 2 Jahre: 3,50 – 10,00
3 bis 5 Jahre: 5,00 – 13,00
6 bis 8 Jahre: 6,00 – 13,00
9 vis 13 Jahre: 7,00 – 14,00

In der Tabelle ganz deut­lich zu erken­nen:

Anfangs haben die Säug­linge noch einen höhe­ren IgG Spie­gel, da die­ses Immun­glo­bu­lin durch die Pla­zenta in den eige­nen Blut­kreis­lauf gelangt wäh­rend der Schwan­ger­schaft.

Gute Ärzte gehen mittlerweile sogar nicht mehr nur nach dem Blutspiegel da die Erfahrung zeigt, dass einige Patienten einen gewissen Wohlfühlwert haben. Beim Wohlfühlwert ist man so gut eingestellt, dass man fast infektfrei ist und sich eben einfach nicht “dauerkrank” fühlt. Außerdem gibt es Hochdosis Patienten die Unmengen an IgG substituieren müssen, um überhaupt in die Nähe eines guten Wertes zu kommen.

Wie es ist als Immun­de­fekt­pa­ti­ent von Immun­glo­bu­linen sowie des­halb auch von den Spen­dern abhän­gig zu sein und wie meine ganz eige­nen Erfah­run­gen mit der Sub­sti­tu­tion sind, davon möchte ich im drit­ten und letz­ten Teil der Bei­trags­reihe erzäh­len – Seid gespannt!

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