Leben mit Immundefekt / Hafer, Hanf und Cannabis

Gedanken von Kranken - Angst vor dem was kommt!

Stephan

Gedanken von Kranken
– Angst vor dem was kommt!

Über Ängste und Sorgen von (chronisch kranken) Menschen

Leugnen bringt nichts!

Es ist mal wieder soweit. Ich beschäftige mich mit einem tiefgründigen und unangenehmen Thema: Ich bin chronisch krank und habe mit meinen 29 Jahren extreme Zukunftsängste. Ich will eine Lanze brechen und darüber schreiben, was mich so quält. Ich hoffe etwas Verständnis für Menschen zu schaffen, die in Phasen stecken, wo das “über die Zukunft grübeln” fast zum Zwangsgedanken wird. Man muss über diese Ängste reden, sonst fressen sie einen auf.

Ich werde versuchen allgemein auf die Ängste einzugehen, die in unterschiedlichen Lebensbereichen auftauchen können und werde dann ganz offen und ehrlich von meinen eigenen Sorgen berichten.

Verdrängen bringt nun mal nix. Die schlimmsten Gedanken kommen gerade in den Zeiten wieder auf, in denen man keine Kraft hat mit ihnen umzugehen. Was also machen? Genau, Sich dann damit auseinander setzen, wenn man den Kopf und die Energie dafür hat!
Am besten man hat jemanden, dem man sich anvertrauen kann. Eine gute Reflektion ist da wirklich Gold wert. Was am Ende bleibt, ist immer noch die Möglichkeit der radikalen Akzeptanz all der Dinge an denen man aktiv nichts ändern kann. Für alles andere gilt: Machen was möglich ist!
Sich Sorgen und Gedanken machen ist normal. Warum muss man sich selbst noch dafür fertig machen oder machen lassen?

WELCHE ÄNGSTE UND GEDANKEN HABEN NUN “DIE KRANKEN” ?

Beziehung & Sex

Wer nimmt mich so? Wird sich wirklich jemand für immer an mich binden trotz der Erkrankung? Was wenn es meinem Gegenüber zu viel wird? Wie soll ich da mithalten? Muss ich alles einfach hinnehmen, weil ich ja selbst auch “ertragen” werde?

Ob nun Single oder vergeben; entweder man hat Angst etwas zu verlieren oder es erst gar nicht zu bekommen. Oberflächlich wie die Gesellschaft nun mal ist, wird es dann noch komplizierter die Liebe zu finden und zu halten, wenn man träger eines Stomas ist, einen Blasenkatheter hat oder Narben und Hautveränderungen zu sehen sind.

Man muss nicht im Rollstuhl sitzen um abgewertet zu werden, da reicht schon Haarausfall. Wenn jemand viele Unverträglichkeiten hat, dann ist das genauso gesellschaftsunfähig wie ein häufiger Gang zur Toilette bei Darmerkrankungen. Dann will man seinem Partner oder der Partnerin ja auch etwas bieten und wenn man krank ist und eventuell nicht so viel oder gar nichts an Geld rein bringt, dann fühlt man sich noch bescheidener. Schnell kommt dann der Gedanke auf, man dürfe sich selbst eh nichts leisten. Man möchte ja auch etwas darstellen – ja das möchte man – so sind wir halt gestrickt.

Und dann ist da noch die Sache mit dem Sex. So eben mal schnell ne Nummer schieben ist einfach nicht drin, wenn man irgend etwas “zu verstecken” hat. Ja, das ist scheiße! Wenn man die Person seines Vertrauens gefunden hat und sich eigentlich nicht schämen müsste, so fühlt man sich trotzdem doof wenn man eingeschränkt ist. Dabei ist es egal ob es an mangelnder Luft, Bluthochdruck, Schmerzen oder was auch immer liegt. Ist das Sexleben durch die Erkrankung beeinflusst, ist das nun mal scheiße. Als Mann hat man dann immer Angst es nicht zu bringen und als Frau nicht zu genügen. Das könnte man jetzt bis ins kleinste ausführen aber ich denke ihr wisst was ich meine.

Stellt Euch doch selbst nicht so unter den Scheffel! Ihr habt halt entweder noch nicht das passende Gegenüber gefunden oder – wenn ihr bereits vergeben seid – dann überlegt mal warum! Ihr habt Defizite na und? Dafür habt ihr eben auch eure Vorzüge! Schon mal überlegt, dass das Gegenüber merkt wenn du dich selbst nicht liebst? Ja das strahlt man dann aus. Wie kann man verlangen geliebt zu werden, wenn man sich selbst nicht liebt? Und zum Thema Sex… bitte redet miteinander! Wenn es was körperliches ist dann geht zum Arzt – Ihr habt ein Recht auf ein Sexleben ?

Arbeit & Finanzen

So stellt mich doch keiner ein! Bei der nächsten Krankmeldung muss ich bestimmt beim Chef antanzen! Wie soll das alles nur in Zukunft werden? Ich weiß bald nicht mehr wie ich meine Rechnung bezahlen soll! Werde ich mir das je leisten können? Kann ich meinen Beruf noch ausüben?So früh schon in Rente? Erwerbsunfähig? na toll! Ich will nicht zum Amt! Später bin ich arm!

Wenn es um das liebe Geld geht, dann geht es an die Existenz und das macht nun mal extreme Angst. Mal davon abgesehen, dass man sich total bescheiden fühlt wenn man nichts in den Haushalt einbringt, ist es eine absolute Katastrophe wenn der Kühlschrank leer ist. Mütter, die nicht mehr wissen was sie am nächsten Tag den Kindern auftischen sollen, Männer die beruflich nicht voran kommen, Schüler die Angst haben keinen Ausbildungsplatz zu finden. Wenn man chronisch krank ist, dann betrifft das eben vor allem meist auch den beruflichen Werdegang.

Es gibt Möglichkeiten sich abzusichern. Durch einen Schwerbehindertenausweis oder früh abgeschlossene Berufsunfähigkeitsversicherungen. Es gibt die Teilerwerbsunfähigkeitsrente und Pflegestufen. Man glaubt ja gar nicht was einem alles so zusteht. Warum nicht auch einfach mal die Sachen in Anspruch nehmen. Ihr seit dann keine Sozialschmarotzer, denn für genau solche Menschen wie euch gibt es das Sozialsystem!

Und manchmal da muss man eben akzeptieren, dass man sich beruflich umorientieren muss. Umschulungen und Weiterbildung im Rahmen dessen was die Erkrankung zulässt. Nichts machen ist einfach der falsche Weg.

Hobby & Freizeit

Ich kann keinen Sport mehr machen, dafür hab ich keine Puste mehr! Ich werde meine Kumpel verlieren! Ich kann nicht mehr trinken! Feiern ist nicht mehr drin! Verliere ich mein ganzes Umfeld? Habe ich überhaupt noch ein Leben? Wenn das schlimmer wird, habe ich keinen Spaß mehr!

Wenn man aufgrund der Erkrankung seinen geliebten Freizeitaktivitäten nicht mehr nachgehen kann, ist das wirklich ein großer Verlust von Lebensqualität. Viele Menschen haben außer der Arbeit nur soziale Kontakte in Vereinen oder bei ihren Hobbys. Wenn das weg fällt stehen viele plötzlich alleine da!
Leider ist es so, dass man schnell merkt wie “wichtig” oder eben unwichtig man für andere ist, sobald man nicht mehr mithalten kann.
Ich Rate immer dazu sich rechtzeitig nach Alternativen umzuschauen. Es ist schwierig, aber gebt auch mal anderen Interessensgebieten eine Chance.?Manchmal muss man auch gewisse Dinge in Kauf nehmen und trotz kleiner Einschränkungen das Leben in vollen Zügen genießen dürfen.

Die Seele muss ja auch zufrieden sein!

Gesundheit & Belastbarkeit

Wie lange macht der Körper noch mit? Wie lange ertrage ich die Schmerzen noch? Werde ich immer immobiler? Was kommt noch dazu? Ich hab bald keine Kraft mehr! Ich habe Angst vor Krebs! Werde ich daran sterben? Wie alt werde ich?

Die große Angst vor einer Verschlechterung des Zustandes. Die Angst vor dem Verlust von körperlicher Belastbarkeit. Die Angst Schmerzen nicht mehr ertragen zu können. Die Angst vor Schmerzen an sich. Das Gefühl weniger Zeit als andere zu haben. Die Angst vor bösartigen Erkrankungen in Folge der eigenen Erkrankung. Die Angst zu sterben.

Natürlich muss man an die Zukunft denken, allerdings sollten gerade chronisch Kranke sich auf das Hier und Jetzt konzentrieren. Geht sorgsam mit euch um und haltet die Therapietreue ein.
Wenn ihr nicht zufrieden seit, dann redet mit euren Behandlern damit diese etwas an der Behandlung optimieren können. Es geht hier schließlich um euch! Man muss akzeptieren, dass die Hundert Prozent von Früher nicht mehr die Gleichen sind wie heute. Das ist voll in Ordnung und ihr könnt nichts dafür! Das richtige Haushalten mit der eigenen Kraft muss auch erst einmal gelernt sein.

Familie & Familienplanung

Wie stehe ich denn da? Wer kümmert sich um die Kinder wenn ich nicht kann? Wer übernimmt die Pflege meiner Eltern? Sollte ich Kinder in die Welt setzen? Und wenn ich es vererbe? Heiraten?

Beim Thema Familie gibt es viele Sorgen und Ängste – gerade wenn es um potenziell eigenen Nachwuchs geht. Bestimmte Erkrankungen möchte man auf keinen Fall vererben. Lebt man selbst lang genug um ein Kind groß zuziehen?

Aber auch wenn man bereits Kinder hat oder einen Angehörigen pflegt, fragt man sich oft wie lange es so noch geht. Auf das was man sich von so manchem Familienmitglied anhören kann, gehe ich gar nicht erst ein.

In Sachen Familienplanung kann ich nur raten zum Humangenetiker zu gehen, sobald es sich um lebensverkürzende Erkrankungen handelt. Alles andere ist machbar. Wer dich liebt, heiratet dich auch so und wer aus deiner Familie dich krank nicht mag, ist auch an sich doof!

Die eigenen Ängste ganz persönlich und individuell

Ohje wo soll ich da nur anfangen?! Ich habe Angst…

…früh zu sterben; vor einem qualvollen Tod; von meinem Mann verlassen zu werden; irgendwann auf die Hilfe anderer angewiesen zu sein; vor Krebs; ich habe Angst vor meiner Mutter zu sterben und noch so vieles mehr.

Ich werde immer wieder gefragt, wie ich mit solchen Gedanken umgehe und, naja, ich kenne kein Patentrezept. Ich habe Ängste und mache mir Sorgen, nur lasse ich mich davon nicht übermannen und versuche alles zu machen, um den Gedanken entgegen zu wirken. Nur manchmal, da lasse ich sie zu und dann rede ich darüber und dann weine ich auch, ganz alleine für mich, dann geht es mir wieder gut. Lasst euch einfach nicht unterkriegen und macht weiter, einfach immer weiter…

Wovor habt ihr Angst?

Euer Stephan

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