Leben mit Immundefekt / Hafer, Hanf und Cannabis

Wenn die Behandlung nervt - ein Ratgeber

Stephan

Wenn die Behandlung nervt –
ein Ratgeber!

Warum es nicht immer so ganz klappt mit der Therapietreue

Viele chronisch kranke Menschen sind abhängig von mehr oder weniger lebenswichtigen Medikamenten oder Therapien. Mehr oder weniger, weil nicht jede Erkrankung gleich lebensbedrohlich wird, wenn man es mal nicht ganz so genau nimmt mit der Behandlung.
Allerdings ist genau das oft auch ein Problem, doch darauf gehe ich später ein.
Was bringt einen Menschen dazu seine Pillen nicht zu schlucken, obwohl er dadurch ernsthafte Konsequenzen zu tragen hat? Sind diese Menschen dumm oder lebensmüde? Naja, manch einer vielleicht schon, aber in der Regel hat es ganz andere Gründe und über genau diese geht es hier.

Vorab:

Es ist ganz normal wenn man im Laufe seiner Behandlung mal an den Punkt kommt an dem man keine Lust mehr auf alles hat. Das ist okay und menschlich. Für Angehörige gilt an dieser Stelle die Ruhe zu bewahren und die Sache bis zu einem gewissen Grad auch einfach mit zu tragen. Wer meint durch ständiges Erinnern und drauf Aufmerksahm machen etwas erreichen zu können den muss ich enttäuschen, denn dadurch macht man es nur schlimmer.

Die Gründe sind so individuell wie die Therapien der Patienten

Nebenwirkungen

Kopfschmerzen, Müdigkeit, Übelkeit, Schmerzen, Durchfall, Juckreitz, Aussschlag, Kreislaufprobleme und so weiter… Klingt gut oder? Es kann so furchtbar sein und jeder nicht betroffene darf sich jetzt mal vorstellen, immer und immer wieder sogar mehrere dieser aufgezählten Symptome gleichzeitig zu haben. Wohlgemerkt als Folge einer Sache, durch die es einem ja besser gehen soll. Menschen mit komplexeren Erkrankungsbildern müssen häufig einen Cocktail von Präparaten zu sich nehmen und wie wir alle wissen, treten gerade in Wechselwirkung immer wieder unangenehme Begleiterscheinungen auf.

Da ist es wichtig immer wieder den Nutzen abzuwägen und möglichst gezielt Rücksprache mit seinem Arzt zu halten. Gibt es Alternativen oder etwas verträglicheres? Muss eventuell eine Prämedikation verordnet werden oder kann man anderweitig die Nebenwirkungen lindern – etwa durch eine Ernährungsanpassung oder ähnliches. Beobachtet euren Körper gut und schreibt auf was Euch stört. Denkt immer daran, es geht dabei um Euch selbst. Wenn ihr so nicht zu frieden seid, dann dürft und sollt ihr das beim Behandler ruhig ansprechen. Es kann immer sein, dass sich hinter einer Nebenwirkung eine Unverträglichkeit versteckt – da ist nun mal Vorsicht geboten.

Fehlende Aufklärung

Zwar bin ich der Meinung, dass jeder Patient auch die Verantwortung trägt über seine Erkrankung Bescheid zu wissen, allerdings ist dies nicht immer der Fall. Wie soll denn jemand auch seine Behandlung ernst nehmen, wenn ihm nicht die Folgen und Langzeitrisiken bekannt sind?

Dabei nützt es nichts dem Patienten eine Broschüre in die Hand zu geben und zu hoffen, dass er diese auch liest. Die Ärzte sollten sich Zeit nehmen und Aufklären – angepasst an den Wissensstand des Patienten.
Ich würde generell nicht einfach etwas nehmen oder machen ohne es zu hinterfragen. Du kannst deinen Arzt einfach fragen warum er dir genau diese Sache verordnet hat oder verordnen möchte. Welche Nebenwirkung es haben kann und vor allem was du dann machen sollst.

Schlecht in den Alltag integriert

Mit der Routine kommt die Gewohnheit und dann wird es zum Alltag. Eine Pille zu schlucken ist noch kein Aufwand, aber wenn du drei mal am Tag inhalieren musst wird’s schon schwierig mit der Zeit. Wenn du dann auch noch Medikamente hast, die zu bestimmten Tageszeiten oder mit gewissen Abständen zu anderen Wirkstoffen einnehmen musst, kannst du richtige Probleme bekommen.

Strukturiere dir diese Vorgänge. Zieh das Programm durch und zwar immer zur gleichen Zeit. Stell dir die Sachen so hin, dass du sie präsent hast. Wie zum Beispiel die Schilddrüsentablette am Nachttisch oder den Magenschutz vor die Kaffeemaschine liegen zu haben. Mach aus dem Inhalieren ein Ritual indem du beispielsweise beim ersten Kaffee das Inhaliergerät vorbereitest. Nach einigen Wochen laufen diese Dinge dann unbewusst ab und sind lange nicht mehr so nervig.

Die falschen Hilfsmittel

Bekommst du Ausschlag vom Pflaster oder sitzt die Nadel nicht richtig? Kommst du mit deinem Hilfsmittel nicht zurecht weil es dir zu kompliziert ist oder schlecht in der Handhabung?

Ob du nun inkontinent bist, eine Insulinpumpe oder einen Atemtrainer besitzt, es ist egal was du hast solange du mit der Behandlung selbst zurecht kommst. Sollte das nicht der Fall sein, musst du das auf jeden Fall ansprechen und nach anderen Optionen fragen. Ein guter Arzt fragt dich von sich aus regelmäßig ob du zurecht kommst.

Kinder

Kleine Kinder haben ja oft noch gar nicht die Möglichkeit im vollen Umfang die Wichtigkeit der Therapie zu verstehen. Allerdings sollte man gerade auch da immer an Alter und Reife angepasst erklären warum gepikst, geschluckt, inhaliert oder gesalbt und getropft (usw.) werden muss.
Kinder verstehen erstaunlich viel – oftmals mehr als man ihnen zutraut. Hier können die Eltern zusammen mit den kleinen Patienten die Behandlung auf kreative Art und Weise interessanter und erträglicher gestalten.

Bunte Aufsätze fürs Inhaliergerät, Sticker für die Pumpe oder ein Stofftier das Übungen mitmacht. Wenn das nervige eincremen ansteht muss vielleicht auch Mama den Rücken mit (Pflegecreme) eingesalbt bekommen. Der Phantasie sind hier keine Grenzen gesetzt – und wenn man eben einfach ein Spiel daraus macht.

Heranwachsende

Wenn hormongesteuerte, überempfindliche und von allem genervte Jugendliche kein Bock haben, dann haben sie keinen Bock. Sanktionen bringen hier überhaupt nichts. Wer hier bestraft erzeugt negative Assoziationsketten und ein gestörtes Verhältnis zur eigenen Erkrankung. In keiner Lebensphase ist „Normalität“ so wichtig wie in der Pupertät – das bezieht sich gerade auf alles körperliche. Die Eltern sollten hier vor allem Verständnis zeigen und auch mal aussprechen wie „scheiße“ das alles sein muss.

An einem entspannten Tag solltet ihr jedoch auch das Gespräch suchen und in aller Ruhe über die Folgen sprechen.

Wenn Jugendliche merken, dass es ihnen anfängt schlechter zu gehen, fangen sie ganz von alleine wieder an ihre Behandlung wahrzunehmen. Zwingen könnt ihr sie sowieso nicht.

Einschränkungen beim Sex

Wichtig und leider redet keiner drüber: Viele Therapien und Medikamente haben, wie ja schon gesagt, Nebenwirkung und diese können auch Libido sowie die Funktionalität der Sexualorgane betreffen. Das sollte aber auf keinen Fall ein Grund sein müssen seine Behandlung abzubrechen.
Schämt euch nicht und sprecht mit den Behandlern. Ihr habt ein Recht auf Sexualität. Medikamente kann man umstellen und es gibt viele Möglichkeiten um da etwas zu ändern. Diese Art von Frustration müsst ihr nicht hinnehmen. Auf das Thema Sexualität und Krankheit werde ich demnächst noch näher eingehen.

Noch zu Wissen und was ich vorhin meinte!

Gerade bei entzündlichen Erkrankungen sowie Krankheiten bei denen ein gewisser Spiegel eines Medikamentes für Beschwerdefreiheit sorgt, merkt man erst nach einiger Zeit die Folgen der Therapieuntreue. Es ist daher wichtig sich als Betroffener (oder einem Betroffenen) immer wieder zu sagen, dass es einem nur durch die Regelmäßigkeit so „gut“ geht.

Angehörige können ihre Liebsten unterstützen, indem es immer mal wieder Zuspruch gibt. Wenn man so aus dem Blauen heraus einfach mal etwas hört wie: „Bin stolz wie du das alles machst“ oder „ich bewunder dich“, dann kann das wahre Wunder wirken. Motivation ist da auch ganz wichtig, denke ich. Warum sich selbst oder einen kranken Angehörigen nicht einfach mal belohnen und das Negative mit etwas Positivem verbinden.

Stephan

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