Leben mit Immundefekt / Hafer, Hanf und Cannabis

Unser Immunsystem – oft vergessene Fakten Teil 1

Stephan

Unser Immunsystem
– oft vergessene Fakten Teil 1

Wissen über schleimhautassoziiertes lymphatisches Gewebe, unseren eigenen Schutzpanzer und dem vernachlässigten Wurmfortsatz

Wer an unsere körpereigene Abwehr denkt, dem fallen meist als Erstes Begriffe wie weiße Blutkörperchen oder Antikörper ein. Selbst Menschen die sich viel mit dem Thema Abwehrschwäche beschäftigen vergessen dabei oft unseren eigenen ausgereiften „Schutzpanzer“ mit seinen mechanischen und physiologischen Barrieren. Warum der Wurmfortsatz doch gar nicht so unwichtig ist und weshalb Trauer und Angst dein Immunsystem schwächen können, das alles erfahrt ihr jetzt – ich nehme euch mit auf eine kleine Inforeise über vernachlässigte Themen der Immunologie.

Mechanische und physiologische Barrieren

Der menschliche Körper hat viele Angriffsstellen, doch eben an jeder potenziellen Schleuse auch Abwehrmechanismen um pathogene – also böse, weil krankmachende – Eindringlinge am hereinkommen zu hindern. Die sogenannten mechanischen und physiologischen Barrieren stellen dabei die erste Verteidigungslinie gegen alles was uns Schaden kann dar. So hindern sie Keime und Co. nicht nur am Eindringen, sondern helfen ebenfalls dabei die ungewünschten Mitbewohner wieder los zu werden.

Derma – Die Haut

Unsere Haut ist das größte menschliche Organ. Die ca. 1,5 – 4,0 Millimeter dünne Schutzschicht ist unsere eigene Panzerung und die ist wortwörtlich ziemlich vielschichtig. Unterteilt wird sie in Oberhaut (Epidermis), Lederhaut (Dermis) und der Unterhaut (Subcutis). In der Epidermis befinden sich die sogenannten Langerhans-Zellen, welche antigenpräsentierend sind. Kommen diese Zellen mit Feinden in Kontakt, wandern sie in die Lymphknoten und geben dort den Lymphozyten quasi den Steckbrief zum aufgetauchten Eindringling. Schweiß und Talg sorgen ebenfalls für die Vernichtung von bösen Körper-Mietprellern.

Allerdings kämpft unser Körper nicht allein an vorderster Front. Unzählige Mikroben, Bakterien und Pilze sorgen, wenn sie denn im Gleichgewicht stehen, für einen – sagen wir unsichtbaren Schutzfilm auf der Haut. Also seid gut zu eurem riesen Organ. Pflegt und hegt es, aber übertreibt es nicht damit eure WG-Mitbeohner nicht auf der Seife ausrutschen.

Mukosa – Die Schleimhaut

Die Schleimhaut – bestehend aus Hautzellen, Bindegewebe und Muskelzellen – ist die direkte Abgrenzung zu den inneren Organen. Der Schleim bindet nicht nur Eindringline und transportiert sie raus, sondern hat ebenfalls die Funktion der Infektabwehr. Viele Schleimhäute haben die Eigenschaft Moleküle transportieren zu können. Zwar nur in eine ganz bestimmte Richtung, aber somit können die in der Schleimhaut gespeicherten IgA Antikörper – also das sekretorische IgA – direkt auf die krankmacheneden Eindringlinge losgelassen werden.

Das lymphatische Gewebe und die kleinen Lymphknötchen in der Schleimhaut vermitteln so sogar eine durch IgA realisierte spezifische Infektabwehr, welche auch als Schleimhautimmunität bekannt ist. Viel trinken ist wichtig, denn dadurch verdünnt sich das Sekret und kann leichter abtransportiert werden.

Oculus – Das Auge

Wer mit offenem Blick durch die Welt geht, der neigt zu Bindehautentzündungen – das war ein Scherz, keine Sorge, denn unser Auge spült automatisch sämtliche Fremdkörper aus sich heraus. In unserer salzigen Tränenflüssigkeit befindet sich außerdem noch ein antimikrobielles Enzym, das Lysozym, welches eben genau diese Mikroorgansimen direkt bekämpft. Ich weine nicht, ich betreibe eine Sterilisierung der Augen ?

Apparatus respiratorius – Der Atemtrakt

In unseren Atemwegen und vor allem in den Bronchien, befinden sich die Flimmerhärchen, welche den Schleim, Dreck und alles was nicht da reingehört nach oben heraus transportieren – Niesen und Husten sind die Folge. Auf der Bronchialschleimhaut befindet sich ebenfalls sekretorisches IgA, welches dort vor Atemwegsinfektionen schützt.

Cavum oris – Die Mundhöle

Ein nette kleine Ansammlung von Bakterien, Hefen und manchmal sogar Protozoen (Amöben und ähnliche Wesen) leben in einem ökologischen Gleichgewicht in unserem Mund. Die gleichbleibende Temperatur, Luftfeuchtigkeit und die vielen Versteckmöglichkeiten sind ideale Vorauassetzung für eine lebendige Vielfalt der Mundflora. Wenn sich dieses Gleichgewicht verschiebt – zum Beispiel durch zu starke oder zu wenig Mundhygiene oder durch die Einnahme von bestimmten Medikamenten – gewinnen die krankmachenden Keime an Platz und können so z.B Entzündungen und Infektionen auslösen.

Urethra – die Harnröhre

Durch die ständige Harnausspülung wird der Harntrakt wieder und wieder von innen gereinigt und die osmotischen Effekte der hohen Harnstoffkonzentration im Urin verstärken den Abtransport noch zusätzlich.

Ventriculus – Der Magen

Unser Magen enthält Magensäure. Diese Magensäure wiederum enthält Salzsäure und eiweiß-abbauende Enzyme. Zusammen werden so fast alle Bakterien und Mikroorganismen zerstört. Wer einen Magenschutz bekommt – z.B ein Medikament mit der Wirkung die Magensäure zu hemmen – der muss aufpassen sich nicht etwas einzufangen das sonst von der ätzenden Kraft unseres Magens vernichtet worden wäre. Hier sollte man eben gerade bei empfindlichen Menschen darauf achten alles gut durchzugaren um eine Infektion mit Lebensmittelkeimen zu verhindern.

Intestinum – Der Darm

Das darmassoziierte Immunsystem ist ein essenzieller Bestandteil unserer körpereigenen Immunabwehr. 70-80 % Aller Antikörper produzierenden Zellen befinden sich in der Schleimhaut des Darmes. Im ganzen Darm verteilt lassen sich diffuse Ansammlungen von Lymphozyten und Lymphfolikel (Zellverbände) finden. Das liegt wohl daran, dass der Darm durch die Nahrungsmittelaufnahme ständig mit Angreifern von außen konfrontiert ist. Neuste Studien erhärten den Verdacht auf den direkten Zusammenhang zwischen einer Fehlbesiedlung des Darms und bestimmten Grunderkrankungen.

MALT – GALT – BALT und Peyer Plaques

Diese Begriffe sagen euch nichts? Okay, dann werde ich euch mal Versuchen zu Erklären worum es sich dabei handelt. Die Namen stammen aus dem englischen Associated Lymphoid Tissue und heißen übersetzt Schleimhaut-assoziiertes lymphatisches Gewebe.
Je nach Region im Körper entweder bezeichnet als Malt (Mucosa) also Schleimhaut allgemein, Galt (Gastrointestinaltrakt) oder Balt in der Bronchialschleimhaut. Diese Gewebe sind charakterisiert durch Ansammlungen von Lymphozyten und lassen sich auf allen Schleimhäuten finden. Einen Zusammenschluss mehrerer Lymphfolikel in Gruppen von 10-50 nennt man dann Peyer Plaques. Diese befinden sich vor allem im Krummdarm und im Wurmfortsatz des Blinddarms. Sie sind von außen sogar als 1 cm große Strukturen zu erkennen, sofern man einen freien Blick auf die Darmaußenwand bekommt. In den Peyer Plaques sorgen die noch recht unerforschten M-Zellen, die auch in den Gaumen und Rachenmandeln zu finden sind, für eine Antigenpräsentation und den Abtransport von Antigenen. Die epithelartigen M-Zellen spielen, so unerforscht sie noch sind, auf jeden Fall eine wichtige Rolle im Kampf gegen pathogene Keime.

Der Appendix alias Wurmfortsatz – fälschlicherweise auch Blinddarm genannt

Appendix vermiformis – Der Wurmfortsatz

Der kleine Wurm ist immer unterschätzt worden und erfreut sich nun am großen Interesse der Forschung. Früher dachte man noch das kleine Ding, was manchmal Ärger macht, sei ein Überbleibsel vergangener Evolution. Aber jetzt hat man etwas erstaunliches herausgefunden: Der Appendix fungiert als Reservoir für Moleküle und wünschenswerte Bakterien. Gut geschützt von einer dicken Schleimschicht warten dort die Schleimbewohner auf eine Neubesiedlung des Darms nach Durchfallerkrankungen und bekommen durchs angrenzende lymphatische Gewebe ständig Abwehrstoffe nachgeliefert. Der Appendix ist also nichts anderes als ein Rückhaltebecken für Antikörper und Darmbakterien.

Interessanterweise ist die Blinddarmentzündung eine Erscheinung der Neuzeit – zumindest in den westlichen Ländern. Vor der flächendeckenden Einführung von Toiletten tauchte die Appendizitis in unseren Breiten nicht auf. Im Gegenzug dazu haben Menschen in Entwicklungsländern so gut wie nie eine Blinddarmentzündung. Und warum? Eigentlich ganz logisch, denn ein Organ was dafür da ist gegen Keime anzukommen fängt an rumzuspinnen, wenn es nichts zu tun bekommt! Unsere Hygienestandarts bringen den kleinen Wurm also sprichwörtlich zum Platzen.

Spannend oder? Und vielleicht habt ihr ja noch etwas gelernt.

Euer Stephan

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