Leben mit Immundefekt / Hafer, Hanf und Cannabis

Die Bauchgefühl-Diät

Stephan

von Lebensmittelintoleranzen, Pseudoallergien,
Sensivität und dem Gallensaft

Liebe Leser/innen, liebe leid­ge­plag­te Pati­en­ten,

ich setzte mich heute mit den sogenann­ten Unver­träg­lich­kei­ten und Lebens­mit­tel­all­er­gien aus­ein­an­der. Dabei liegt mein Fokus auf das Ver­mit­teln von Grund­in­for­ma­tio­nen, damit man über­haupt mal einen Über­blick zur The­ma­tik bekommt. Da ich mich in die­sem Bei­trag viel mit Enzym­m­an­ge­l­er­kran­kun­gen beschäf­tigte, wel­che eben meist die Ver­dau­ung beein­flus­sen, komme ich nicht umher, den Gal­len­saft mit ein­zu­be­zie­hen, wel­cher unmit­tel­bar an der Ent­gif­tung des Kör­pers und dem Fett­stoff­wech­sel betei­ligt ist. Die­ser Bei­trag ersetzt keine fun­dierte Dia­gnos­tik und stellt ledig­lich eine kleine Stütze im Jun­gel der Ernäh­rungs­me­di­zin da. Da ich nun mal ein Ver­fech­ter von prak­ti­scher Hilfe bin, gibt es wei­ter unten noch eine für dich ganz unge­fähr­li­che und natür­li­che Umgangs­weise für die eigene Unver­träg­lich­keits­pro­ble­ma­tik (aber auch diese ersetzt natürlich keine ärztlich begleidete Diagnose oder Ernährung) – Die Bauch­ge­fühl­diät.

Doch nun fan­gen wir erst mal mit den grund­lie­gen­den Unter­schie­den der oben genann­ten Pro­bleme an.

Das Spiel mit den Gefühlen der Konsumenten

Seit Jah­ren sieht man eine neue Bewe­gung wach­sen: Die Men­schen set­zen sich wie­der mehr und bewuss­ter mit dem Thema Ernäh­rung aus­ein­an­der. Lei­der hat sich nichts daran geän­dert, wenn es darum geht die Lebens­mit­tel­in­dus­trie und deren Ver­hal­ten zu hin­ter­fra­gen. So fül­len sich nach und nach auch Dis­coun­ter-Regale mit glu­ten­- und lak­to­se­freien Pro­duk­ten. Beim Glu­ten stimmt es sogar, dass die­ses in den entsprechenden Nahrungsmitteln nicht mehr ent­hal­ten ist. Milch­pro­duk­ten hingegen wird ein­fach Lak­tase zuge­führt, um dann als lak­to­se­frei auf den Markt gebracht zu wer­den.
“Aber in den letz­ten Jah­ren erkran­ken doch immer mehr Men­schen an Unver­träg­lich­kei­ten und des­halb wer­den auch mehr spe­zi­elle Pro­dukte ange­bo­ten” – So oder so ähn­lich ant­wor­ten dann viele auf meine Skep­sis. Jedoch muss ich lei­der sagen, dass diese Aus­sage schlichtweg nur dem ent­spricht, was uns die Lebens­mit­tel­in­dus­trie mit ihrer Wer­bung ein­trich­tern will.

Lak­to­s­ein­to­le­ranz ist keine Krank­heit! Die Fähig­keit Milch­zu­cker spal­ten zu kön­nen ist nicht mehr und nicht weni­ger als eine evo­lu­tio­näre Anpas­sung des Men­schen im Zuge der frühen Völkerwanderungen. Der nord­eu­ro­päi­sche Men­sch hat vor ca. 7.500 Jah­ren die Fähig­keit ent­wi­ckelt, Milch bzw. Lak­tose auch im Erwach­se­nen­al­ter zu ver­dauen. Das lag daran, dass es im nor­den Euro­pas ein­fach käl­ter ist und vor allem die Sonne nicht so viel scheint. Gerade im Herbst und Win­ter ist es in unse­ren Brei­ten sehr dun­kel. Nur mit genü­gend Son­nen­ein­strah­lung kann Vit­amin D gebil­det wer­den, wel­ches unmit­tel­bar am Kno­chen­auf­bau betei­ligt ist. Diese Auf­gabe kann aber auch zum Teil der Milch­zu­cker über­neh­men. Das bedeu­tet, wenn wenig Vit­amin D vor­han­den ist kann der Kör­per mit Hilfe des Milch­zu­ckers die Kal­zi­um­auf­nahme auf­recht erhal­ten. Das ist für Men­schen aus son­ni­gen Län­dern nicht not­wen­dig.
Men­schen mit der Fähig­keit zur Lak­to­se­spal­tung sind eine noch junge gene­ti­sche Varia­tion und das Fehlen dieser Fähigkeit nicht krankhaft im eigent­li­chen Sinne.

Nun ist es so‚ dass Laktoseintoleranz nicht nur keine Krank­heit ist, son­dern die gan­zen nicht Zöli­a­kie beding­ten Wei­zen­pro­bleme ein­fach ein men­schengemach­tes Phä­no­men sind. Obwohl nur 1% der Euro­päer an Zöli­a­kie lei­den und nur 8% an einer Wei­zen­sen­si­vi­tät, plat­zen die Laden­re­gale förm­lich durch glu­ten­freie Nah­rungs­mit­tel aus­ein­an­der (wei­ter unten gehe ich noch auf die Unter­schiede zwi­schen Zöli­a­kie und der Sen­si­ti­vi­tät ein).
Wenn über­haupt reagie­ren wir näm­lich genau auf die Bestand­teile wel­che durch Gen­tech­nik und Zucht ver­än­dert wur­den. Jahrelang bas­telte man einen bes­se­ren Schutz vor Insek­ten in die Getreide hinein und genau das bekommt eini­gen Men­schen nicht.

Wenn euch die Sachen bekommen, dann müsst ihr auch nicht darauf ver­zich­ten – sonst ver­gisst euer Kör­per irgend­wann noch wie man bestimmte Nah­rungs­bau­steine ver­daut.

Pseu­deu­do­all­er­gie

Von einer pseudo(=scheinbar)-allergischen Reak­tion spricht man, wenn es zu den glei­chen Sym­pto­men wie bei einer All­er­gie kommt, jedoch keine All­er­gie-spe­zi­fi­schen Anti­kör­per vom Typ IgE im Blut nach­ge­wie­sen wer­den oder die klas­si­schen Haut­tests zum Nach­weis einer sog. Typ-I-All­er­gie nega­tiv sind.

Bei pseu­do­all­er­gi­schen Reak­tio­nen fin­det keine vor­her­ge­hende Sen­si­bi­li­sie­rung statt; das Immun­sys­tem ist in ande­rer Form betei­ligt, als dies von All­er­gien bekannt ist.

Und jetzt geht’s los!

Glu­ten­in­to­le­ranz vs. Zöli­a­kie

Glu­ten­in­to­le­ranz oder auch Nicht­zö­li­a­kie-Nicht­wei­zen­all­er­gie-Wei­zen­sen­si­ti­vi­tät ist eine nicht-all­er­gi­sche Funk­ti­ons­stö­rung, wel­che durch bestimmte Wei­zen­be­stand­teile bedingt zu sein scheint. Der wahre Aus­lö­ser der Getrei­de­sen­si­ti­vi­tät ist noch nicht geklärt, es scheint aber so zu sein, dass diese Sen­si­ti­vi­tät nur gegen bestimmte Bestand­teile in Wei­zen­sor­ten gerich­tet ist, nicht gegen andere Getreide.
Somit müsste man eher von einer Wei­zen­sen­si­ti­vi­tät spre­chen. Die Dia­gnose wird nach dem Aus­schluss­ver­fah­ren gestellt. Die Sym­ptome sind ähn­lich wie bei einer Zöli­a­kie, jedoch in abge­schwäch­ter Form. Die Unver­träg­lich­keit mani­fes­tiert sich meist erst in spä­te­ren Lebens­jah­ren und sel­ten schon in der Kind­heit. Patho­lo­gi­sch las­sen sich keine Zell­ver­än­de­run­gen der Darm­zot­ten fin­den und Auto­imm­un­f­ak­to­ren sind eben­falls keine vor­han­den. Im Gegen­satz zu einer Zöli­a­kie kann sich eine Wei­zen­sen­si­vi­tät durch den tota­len Vezicht wie­der zurückbil­den.

Dia­gnos­ti­ziert wird die Zöli­a­kie (Glu­tenu­ver­träg­lich­keit) zuerst durch einen Blut­test beim Arzt. Die­ser bestimmt u.a. spe­zi­fi­sche Anti­kör­per. Eine exakte Dia­gnose kann bei posi­ti­vem Blut­test aber nur mit­tels einer Biop­sie der Darm­schleim­haut erstellt wer­den.

»Glu­ten« ist eigent­lich ein Sam­mel­be­griff für ver­schie­dene Kle­be­ei­weisse (Pro­te­ine), die u.a. in den Getrei­de­sor­ten Wei­zen, Din­kel, Ger­ste und Rog­gen ent­hal­ten sind. Das in die­sen Getrei­den ent­hal­tene Kle­be­ei­weiß Glia­din führt zu einer Schä­di­gung der Darm­schleim­haut. Dadurch wird die Funk­tion des Darms beein­träch­tigt. Als Folge wird die Auf­nahme von Nähr­stof­fen gestört. Man­gel­er­schei­nun­gen, Ent­zün­dun­gen und die typi­schen Beschwer­den sind die Folge.
Die Zöli­a­kie ist eine Misch­form aus All­er­gie und Auto­im­mun­er­kran­kung. Dabei rich­ten sich die eige­nen Anti­kör­per nicht nur fälsch­li­cherweise gegen die frem­den Eiweiße, son­dern grei­fen eben auch kör­per­ei­gene Struk­tu­ren an. Hier hilft nur ein lebens­lan­ger Ver­zicht auf glu­ten­hal­tige Pro­dukte und Nah­rungs­mit­tel.

Lak­tose und Fruc­tose – Zucker der nicht immer gut ankommt!

Lak­to­s­ein­to­le­ranz ist eine Lebens­mit­te­lun­ver­träg­lch­keit bei der Betrof­fene die Lak­tose (Milch­zu­cker) nicht oder nur unzu­rei­chend auf­spal­ten und ver­dauen kön­nen. Diese Unfä­hig­keit zur Spal­tung von Lak­tose geht oft auch mit einer Fruk­to­s­ein­to­le­ranz ein­her. Betrof­fene sind dann weder in der Lage Frucht­zu­cker noch Milch­zu­cker zu ver­dauen.
Lak­tose ist ein Zwei­fach­zu­cker, der aus den zwei Zucker­ar­ten Glu­kose und Galac­tose (Schleimzucker) besteht – diese wer­den auch als Mono­sac­cha­ride bezeich­net. Glu­kose (umgangs­sprach­lich Trau­ben­zu­cker) ist einer der wich­tigs­ten Ener­gie­lie­fe­ran­ten des mensch­li­chen Kör­pers.

Bei der Fruk­to­s­ein­to­le­ranz (Fruk­to­se­mal­ab­sorp­tion) han­delt es sich um eine Nah­rungs­mit­te­lun­ver­träg­lich­keit, bei der Frucht­zu­cker (Fruk­tose) nur ein­ge­schränkt oder über­haupt nicht ver­tra­gen wird. Das heißt: Frucht­zu­cker wird im Dünn­darm nicht rich­tig in die Blut­bahn ­auf­ge­nom­men, gelangt in den Dick­darm und wird dort unver­wer­tet von Bak­te­rien zer­setzt.

Es exis­tie­ren eine ange­bo­rene sowie eine erwor­bene Fruk­to­se­mal­ab­sorp­tion. Die erwor­bene Form kann im Laufe des Lebens oder durch eine spe­zi­elle Diät ver­schwin­den, während die ange­bo­rene eine schwere Stoff­wech­sel­er­kran­kung ist, welche sofor­ti­ger Hilfe bedarf.
Atem­test und Pro­vo­ka­ti­ons­test sind zusam­men mit der Ana­mnese und Ver­zicht­diä­ten die gän­gige Vor­ge­hens­weise in der Dia­gnos­tik. Erwor­bene Into­le­ran­zen kön­nen sich auch hier wie­der zurückbil­den.

Glu­cose und Galac­tose – Noch mehr Zucker die krank machen können!

Glu­cose und Galac­tose sind zwei weit­ver­brei­tete Zucker­ar­ten, die in sehr vie­len Lebens­mit­teln vor­kom­men – ent­we­der alleine, oder auch in Kom­bi­na­tion mit ande­ren Zucker­ar­ten. Beispielsweise besteht Sac­cha­rose (Haus­halts­zu­cker) aus Glu­kose und Fruc­tose, Lak­tose (Milch­zu­cker) aus Glu­kose und Galak­tose und Mal­tose (Malzzucker)aus Glukosemolekülen. Die Ursa­che der Mal­ab­sorp­tion und somit Into­le­ranz gegen­über Glu­kose und Galak­tose besteht in einer gene­ti­schen Ano­ma­lie auf Chro­mo­som 22, die das Zucker­trans­port­pro­tein SGLT1 steu­ert. Bei Zucker­zu­fuhr führt dies zu einer ver­min­der­ten Zucker­ab­sorp­tion durch die Dünn­darm­wand (Schleimhaut). Das Schei­tern der Zucker­ver­dau­ung führt zu mas­si­ver Anzie­hung von Was­ser in den Darm und einer rever­si­blen Ände­rung der Darm­funk­tion. Eine Gen­ana­lyse ist hier nebst Atem­test das übli­che Ver­fah­ren für eine gesi­cherte Dia­gnose. Dielebens­lange Beglei­tung durch Ernäh­rungs­me­di­zi­nern ist bei die­sen sel­te­nen Into­le­ran­zen drin­gend erfor­der­lich.

Sacha­ro­s­ein­to­le­ranz

Die Sac­cha­ro­s­ein­to­le­ranz (oder der Sac­cha­rase-Iso­mal­tase-Man­gel bzw. die Sac­cha­rose-Iso­mal­tose-Mal­ab­sorp­tion) ist eine meist auto­so­mal-rezes­siv ver­erbte Stoff­wech­sel­krank­heit, bei der nor­ma­ler Haus­halts­zu­cker (Sac­cha­rose) schlecht bis gar nicht ver­tra­gen wird.
Es han­delt sich hier­bei um eine Enzym-Man­gel-Erkran­kung des Dünn­darms (pri­märe Form). Das Enzym für den Abbau von Sac­cha­rose (Haus­halts­zu­cker) und Mal­tose (Malz­zu­cker) arbei­tet nicht rich­tig. Es ist zwar vor­han­den, aber nicht aktiv. Noch in der Rei­fe­phase verliert das Enzym sozu­sa­gen den Boden unter den Füßen – sprich den Kon­takt zur Zell­mem­bran – und wird in den Dünn­darm aus­ge­schie­den.

Die bei­den Zucker kön­nen daher nicht auf­ge­nom­men wer­den, gelan­gen in den Dick­darm und wer­den dort durch Bak­te­rien zu Koh­len­di­oxid und Was­ser ver­brannt. Die Fol­gen sind Durch­fall, Bauch­krämpfe, Erbre­chen und Unwohl­sein. Die Sac­cha­rose-Iso­mal­tose-Mal­ab­sorp­tion zeigt sich meis­tens erst ca. ab dem 6. Lebens­mo­nat, da hier durch die Bei­kost erst­ma­lig diese Zucker auf­ge­nom­men werden. Die Sym­ptome variiren von schwe­rwiegendenn wie Wachs­tums­stö­run­gen, Dehy­drie­rung oder explo­si­vem Durch­fall, zu mil­de­ren die vie­leicht erst im Erwach­se­nen­al­ter bemerkt wer­den.
Es gibt aber auch eine sekun­däre Form: Hier ist die Sac­cha­rose-Iso­mal­tose-Mal­ab­sorp­tion die Folge einer Darm­ent­zün­dung oder ande­rer Schä­den an der Darm­schleim­haut (z. B. durch Anti­bio­tika…). Auch als Folge von Zöli­a­kie kann sie auf­tre­ten. Hier gibt ebenfalls eine gene­ti­sche Unter­su­chung Auf­schluss.

Sul­fi­tun­ver­träg­lich­keit- Schwe­fel­all­er­gie

Sul­fite kön­nen Ursa­che schwe­rer Über­emp­find­lich­keits­re­ak­tio­nen sein. Kli­ni­sch im Vor­der­grund ste­hen asth­ma­ti­sche Zustände. Wei­ter­hin kann es zu Urtikaria, Quincke-Ödem, gastro­in­tes­ti­nale Beschwer­den oder ande­ren Sym­pto­men ana­phy­lak­to­ider Reak­tio­nen kom­men. Ebenfalls beob­ach­tet wur­den Vas­cu­li­tis all­er­gica und Exa­zer­ba­tion eines ato­pi­schen Ekzems. Der Pathome­cha­nis­mus der Sul­fit-Über­emp­find­lich­keits­re­ak­tion ist bis­her nicht ein­deu­tig geklärt. Für asth­ma­ti­sche Unver­träg­lich­keits­re­ak­tio­nen wird u.a. davon aus­ge­gan­gen, dass Sul­fite irri­ta­tiv zu einer reflek­to­ri­schen Para­sym­pa­thi­kus­ak­ti­vie­rung füh­ren, wobei mög­li­cher­weise ein Man­gel an Sul­fi­t­oxi­dase begüns­ti­gend wirkt. Zur Auf­de­ckung einer Sul­fit-Über­emp­find­lich­keit sind grund­sätz­lich Pro­vo­ka­ti­ons­tes­tun­gen erfor­der­lich, die wegen der teil­weise bedroh­lich hef­ti­gen Reak­tio­nen mit äußers­ter Vor­sicht durch­ge­führt wer­den müs­sen.

Hist­ami­n­un­ver­träg­lich­keit

Hist­amin­in­to­le­ranz ist die Unver­träg­lich­keit des bio­ge­nen Amins »Hist­amin«, das mit der Nah­rung auf­ge­nom­men wird und dann, im Zusam­men­spiel mit dem bereits vor­hand­neen Hist­amin im Kör­per, Sym­ptome aus­lö­sen kann. Die Ursa­che der Hist­amin­in­to­le­ranz ist ein Man­gel bzw. ein Ungleich­ge­wicht der Hist­amin abbau­en­den Enzyme Dia­minoxi­dase (DAO) und/oder Hist­amin-N-Methyl­trans­fe­rase (HNMT).

Zwei Arten von Hist­amin­in­to­le­ranz

His­ti­din (eine natür­li­che Ami­no­säure) wird in der Nah­rung durch Bak­te­rien (oder Hefe) zu Hist­amin abge­baut. Die­ses wird dann im mensch­li­chen Kör­per durch die Enzyme Dia­minoxi­dase (DAO – außer­halb der Zel­len; zu fin­den in Dünn­darm) bzw.N-Methyl-Transferase (HNMT – inner­halb von Zel­len; zum Bei­spiel in der Leber) abge­baut. Enzyme sind Mole­küle die dem Kör­per dabei hel­fen bestimmte Reak­tio­nen aus­zu­füh­ren. Sie kön­nen z.B. andere Mole­küle spal­ten oder dabei hel­fen ein Mole­kül in ein ande­res umzu­wan­deln.
Hist­amin­in­to­le­ranz wird dia­gnos­ti­ziert, indem man ein Ernäh­rungs- und Sym­ptom­ta­ge­buch führt, das vom Arzt aus­ge­wer­tet wird. Dar­auf folgt eine Dif­fe­ren­zi­al­dia­gnio­s­tik des Arz­tes, sowie eine Eli­mi­na­ti­ons­diät inkl. eini­ger Unter­su­chun­gen. Heim­tests wie Blut­ana­ly­sen, IgG4-Tests, Stuhl- oder Urin­tests und DAO-Bestim­mun­gen des Blu­tes sind nicht geeig­net eine Hist­amin­in­to­le­ranz zu dia­gnos­ti­zie­ren.

Typ Dia­minoxi­dase – DAO

Das Enzym DAO benö­tigt die Hilfe von Kup­fer und Vit­amin B6 um rich­tig zu funk­tio­nie­ren. Bei einer Hist­amin­in­to­le­ranz vom »Typ DAO« ist die Akti­vi­tät der Dia­minoxi­dase (DAO) ein­ge­schränkt und durch die Nah­rung auf­ge­nom­me­nes Hist­amin kann nicht oder nur teil­weise abge­baut wer­den. Beim Ver­zehr hist­amin­hal­ti­ger oder hist­amin­frei­set­zen­der Nah­rungs­mit­tel kommt es zu einer pseu­do­all­er­gi­schen Reak­tion des Kör­pers.

Typ HNMT

Die HNMT kommt ver­mehrt in Orga­nen wie Leber, Haut, Atem­wege oder im Zen­tral­ner­ven­sys­tem vor. Ist zu wenig die­ser HNMT vor­han­den, kommt es eben­falls zu einer Hist­amin­in­to­le­ranz, aller­dings »Typ HNMT«. Hier kommt es zu einer all­mä­li­chen und lang­sa­men Ansamm­lung von Hist­amin im Kör­per. Wird dann Hist­amin dem Kör­per zuge­führt, bringt dies sozu­sa­gen das Fass zum Über­lau­fen. Die Sym­pto­ma­tik ist bei die­sem Typ oft weni­ger auf­fäl­lig, dafür län­ger andau­ernd.

Glut­amat was ist das ?

Glut­amat ist ein kör­per­ei­ge­ner Eiweiß­bau­stein, der auch in Nah­rungs­mit­teln wie Tomaten, Fleisch und Soja vor­kommt. Der Men­sch benö­tigt die Sub­stanz als Boten­stoff (Neu­ro­trans­mit­ter) für die Über­tra­gung von Infor­ma­tio­nen im Gehirn. Glut­amat kommt gebun­den an Eiweiß­stoffe in vie­len Lebens­mit­teln und unge­bun­den als freies Glut­amat vor. Geschmacks­ver­stär­kend wirkt nur das freie Glut­amat. Die Lebens­mit­tel­in­dus­trie nutzt den sogenannten Umami-Effekt schon seit über 40 Jah­ren, indem sie Glut­amat bei der Pro­duk­tion von Fer­tig- und Tief­kühl­ge­rich­ten, aber auch in Gewürz­mi­schun­gen und Knab­ber­ar­ti­keln ein­setzt. Denn durch den Neu­ro­trans­mit­ter kann der Eigen­ge­schmack von Nah­rungs­mit­teln wie Kräutern, Gemüse und Flei­sch, der wäh­rend des Erhit­zens oder Gefrie­rens ver­lo­ren geht, im Gehirn inten­si­viert wer­den.
Laut Welt­ge­sund­heits­or­ga­ni­sa­tion (WHO) hat Glut­amat kei­nen schäd­li­chen Ein­fluss auf den Orga­nis­mus. Dennoch kommt es bei eini­gen Men­schen zu einer Glut­ama­tun­ver­träg­lich­keit oder –all­er­gie. Für nega­tive Schlag­zei­len sorgte der Geschmacks­ver­stär­ker in den 70er Jah­ren mit dem “China-Restau­rant-Syn­drom”. Damals klag­ten viele Besu­cher nach dem Ver­zehr chi­ne­si­scher Gerichte über Neben­wir­kun­gen wie Übel­keit, Kopf­schmer­zen und star­kes Herz­klop­fen. Zwar kann eine ein­deu­tige all­er­gi­sche Reak­tion im Zusam­men­hang mit Glut­amat nicht nach­ge­wie­sen wer­den, jedoch kann man bestimmte Sym­pto­ma­ti­ken mit des­sen Ver­zehr in Ver­bin­dung brin­gen. Der Ver­zicht auf Fer­tignah­rung sollte hier im Fokus ste­hen.

Wir müs­sen also bei all den Nah­rungs­mit­tel­re­ak­tio­nen unter­schei­den, ob es sich um eine Auto­im­mun­er­kran­kung han­delt, einer gewis­sen Emp­find­lich­keit (Sen­si­vi­tät) oder kom­plet­ten Unver­träg­lich­keit durch Enzym­m­an­gel zu Grunde liegt oder ob es sich um eine All­er­gie bezie­hungs­weise Pseu­do­all­er­gie han­delt. Gar nicht so ein­fach und doch ist diese Infor­ma­tion essen­zi­ell wich­tig für eine erfolg­rei­che Dia­gnose und Behand­lung sowie für die Umge­hens­weise mit der jewei­li­gen Pro­ble­ma­tik.

Gal­len­saft

Wenn der Stuhl plötz­lich oben schwimmt und fet­tige Nah­rung mehr Ärger durch Sym­ptome als Freude durch den Geschmack macht‚ dann kann es daran lie­gen, dass die Gal­len­funk­tion gestört ist. Dies kann durch Ent­zün­dun­gen gesche­hen oder durch Gal­len­steine, ver­stopfte Gal­len­gänge und Leber­er­kran­kun­gen. Lange bevor wir durch den man­geln­den Abbau von Bili­ru­bin einen gel­ben Haut­ton anneh­men kann es zu Ver­dau­ungs­be­schwer­den und dem so genann­ten Fett­stuhl kom­men.

In der Galle spal­ten bestimmte Enzyme (Lipa­sen)‚ die durch die Nah­rung auf­ge­nom­mene Fette in ver­dau­bare Bau­steine. Ist diese Funk­tion gestört, wan­dert das unver­daute Fett durch den Darm und wird unver­än­dert aus­ge­schie­den. Wenn fet­ti­ges Essen anhal­tend Pro­bleme bereit sollte man des­halb auch immer an die Galle samt Leber den­ken.

Bei mir ist Essen kein ein­fa­ches Thema!

Hülsenfrüchte, Kernobst, Zitrusfrüchte, Nüsse, rohes Gemüse, Steinobst, Schalenobst, Soja, Roggen, Hühnereiweiß, Pferdefleisch, Schweinefleisch, Milcheiweiß, Gewürze, Glutamat ,Farbstoffe – alle diese Dinge ver­trage ich kaum oder über­haupt nicht. Zusätz­lich habe ich starke Pro­bleme mit fet­ti­gem Essen.

In mei­ner Kind­heit fand ich es furcht­bar, nicht alles essen zu kön­nen was andere essen und habe mich des­halb stän­dig aus­ge­grenzt gefühlt. Heute bin ich schon froh, wenn man mich ein­fach machen lässt und nicht stän­dig fragt was ich ver­trage und was nicht. Ich nehme eh über den Tag ver­teilt immer wie­der Mit­tel gegen All­er­gien und ich will auch nicht immer auf alles ver­zich­ten.

Jeder kennt die Situa­tion in der man sich etwas gönnt, was eigent­lich nicht so gut für den Kör­per ist. Wis­sen­schaft­ler haben nun genau das bestä­tigt was ich schon lange sage: Iss wor­auf du Lust hast und höre auf dein Bauch­ge­fühl.

Die Bauchgefühl – Diät

Der Kör­per eines Men­sch mit gesun­dem Ess­ver­hal­ten weiß schon ganz genau was er benö­tigt um auf Tou­ren zu blei­ben. Die soge­nannte soma­ti­sche Intel­li­genz des vege­ta­ti­ven Ner­ven­sys­tems ent­schei­det über Ver­lan­gen, Lust und Abnei­gung sowie Ekel gegen­über unse­rer Nah­rung.

Bei­spiel 1:

Im bri­ti­schen Wis­sen­schafts­jour­nal “The Lan­cet” gab es einen inter­es­san­ten Bericht darüber, dass Schul­kin­der wohl öfters an grü­ner Schul­kreide knus­pern – Wohl­ge­merkt junge Schü­ler. Was total unge­sund klingt, scheint die Kom­pen­sa­tion eines Man­gels an Chrom zu sein. Das Grün der Kreide ist auf Chrom­ba­sis fabriziert. Nach eini­gen Unter­su­chun­gen hat sich gezeigt, dass diese Kin­der an Dia­be­tes Mel­li­tus Typ 1 erkrankt waren und einen Man­gel am Glu­ko­se­to­le­ranz­fak­tor Chrom hat­ten. Kei­ner der Kin­der wusste von ihrer Dia­be­tes Erkran­kung oder dem Chrom Man­gel.

Bei­spiel 2:

Man­che Kin­der ver­ab­scheuen Spi­nat, Rhabarber oder Spar­gel und dann sollte man sie auch nicht zwin­gen davon zu essen. Eben genannte Lebens­mit­tel ent­hal­ten viel Oxal­säure. Diese Säure kann die Blut­ge­rin­nung stö­ren und begüns­tigt unter ande­rem Nie­ren­steine. Diese Abnei­nung schützt vor einer Oxal­säu­re­ver­gif­tung.

Bei­spiel 3:

Wenn die Leber nicht rich­tig funk­tio­niert ver­lie­ren wir oft die Lust auf Flei­sch und Wurst. Plötz­lich wird uns beim Anblick einer Brat­wurst schlecht und der Duft eines Bra­tens löst einen tie­fen Ekel aus. Dann ist die Leber gerade sehr beschäf­tigt und hat keine Kraft die Gifte und Schad­stoffe aus Flei­sch und Wurst­wa­ren zu fil­trie­ren.

Bei­spiel 4:

Schwan­gere mit aus­ge­präg­ter Schwan­ger­schafts­ü­bel­keit brin­gen gesün­dere Babys zu Welt. So zeigt der Kör­per einer wer­den­den Mut­ter durch die Übel­keit‚ was dem Fötus mög­li­cher­weise scha­den könnte. Umge­kehrt sor­gen Heiß­hun­ger­at­ta­cken dafür einen Bedarf zu decken. Saure Gur­ken ent­hal­ten zum Bei­spiel sehr viel Phos­phat, wel­ches ja ver­mehrt von Schwan­ge­ren benö­tigt wird.

Als Kind haben wir alle noch die Gabe auf uns und unse­ren Kör­per zu hören. Als Erwach­se­ner ver­lie­ren wir mehr und mehr diese Fähig­keit der selbst­re­flek­tier­ten Kör­per­be­ob­ach­tung. Zu viel von Allem -zu viel Geschmack zu, viel Zucker, zu viel Wer­bung‚ zu viel Aus­wahl, zu viel Fer­tig­ge­richte und zu wenig Zeit – sind alles Gründe, warum wir so leicht abgelenkt sind wenn es um das eigene Bauch­ge­fühl geht.

Wir Men­schen sind Gewohn­heits­tiere und las­sen uns all zu schnell vom All­tags­ge­sche­hen blen­den und illu­sio­sie­ren.

Und so geht es rich­tig!

Gewohn­hei­ten unter­bre­chen ist hier der erste Schritt: Anstatt wie jeden Mor­gen sich eine Wurststulle zu schmie­ren oder direkt, noch halb schla­fend, zum Nutell­aglas zu grei­fen erst noch ­mal durch­at­men und sich selbst fra­gen: “Was brau­che ich jetzt eigent­lich?”. Schaut euch genau das Brot an und riecht ein paar Mal dran. Macht das mit all euren auto­ma­ti­sier­ten Stan­dart­pro­duk­ten vor ihrer Ver­wen­dung. Übt das Rie­chen und Schme­cken – bald wer­det ihr mer­ken, wie oft ihr doch etwas geges­sen habt was euer Kör­per eigentlich über­haupt nicht gebraucht hat. An bestimm­ten Tagen ver­tragt ihr auch des­halb man­che Dinge bes­ser als andere, weil der Kör­per gerade etwas benö­tigt was er sonst eher ablehnt.

Es lohnt sich also wirk­lich auf sich und sein Bauch­ge­fühl zu hören und immer wie­der zu hin­ter­fra­gen was einem gut tut und vor allem was nicht.
War der Bei­trag hilf­reich ? Schreibt es in die Kom­men­tare!

Euer Ste­phan

Teilen twitter/ facebook/ Link kopieren
Du hast dich erfolgreich bei stereotypisch angemeldet
Willkommen zurück! Du hast dich erfolgreich angemeldet.
Fantastisch! Du hast dich erfolgreich eingetragen!
Your link has expired
Erfolg! Ihr Konto ist vollständig aktiviert, Sie haben jetzt Zugang zu allen Inhalten.
Bitte gib mindestens 3 Zeichen ein 0 Deine Suchergebnisse

Sollen wir eine Schlagwort vorschlagen?

Systemfehler Kopfkino Grünzeug Bluescreen

Sollen wir einen Autor vorschlagen?

Stephan Jens