Leben mit Immundefekt / Hafer, Hanf und Cannabis

Humane Herpesviren

Stephan

Lie­be Leser und Lese­rin­nen,

was haben das Pfeif­fer­sche Drü­sen­fie­ber, bren­nen­de Bläs­chen am Mund und eine Gür­tel­ro­se mit dem Drei­ta­ge-Fie­ber gemein­sam? Alle­samt wer­den die­se Din­ge von Viren der Gat­tung “Her­pes” aus­ge­löst. Ja gen­au – Her­pes! Geni­tal­her­pes und Wind­po­cken sind qua­si Cou­sins, CMV und Drei­ta­ge-Fie­ber könn­ten Geschwis­ter sein. Ich möch­te euch ein biss­chen Hin­ter­grund­wis­sen ver­mit­teln, um gera­de die zu schüt­zen, wel­che kei­nen rich­ti­gen Schutz haben.

Darf ich vor­stel­len!

Humane Herpesviren

HHV1 Her­pes sim­plex Virus 1           HSV1      Alpha Her­pes­vi­rus

HHV2 Her­pes sim­plex Virus 2          HSV2     Alpha Her­pes­vi­rus

HHV3 Vari­zel­la-Zos­ter-Virus           VZV       Alpha Her­pes­vi­rus

HHV4 Ebstein-Barr-Virus                EBV       Gam­ma Her­pes­vi­rus

HHV5 Cyto­m­ega­lie-Virus                 CMV      Beta Her­pes­vi­rus

HHV6 Huma­nes Her­pes­vi­rus 6                      Beta Her­pes­vi­rus

HHV7 Huma­nes Her­pes­vi­rus 7                       Beta Her­pes­vi­rus

HHV8 Huma­nes Her­pes­vi­rus 8                      Gam­ma Her­pes­vi­rus

Alpha-Her­pes­vi­ren repli­zie­ren schnell, haben ein brei­tes Wirts­spek­trum und über­le­ben in den Gan­gli­en des Wir­tes dau­er­haft.

Beta-Her­pes­vi­ren repli­zie­ren lang­sam und haben ein enges Wirts­spek­trum.

Gam­ma-Her­pes­vi­ren haben sehr unter­schied­li­che Repli­ka­ti­ons­zei­ten und zei­gen ein sehr enges Wirts­spek­trum.

Grundsätzliches:

Ist das Immun­sys­tem bezie­hungs­wei­se die Immun­ab­wehr nicht voll funk­ti­ons­fä­hig wie bei pri­mä­ren und sekun­dä­ren Immun­de­fek­ten oder bei Säug­lin­gen und älte­ren Men­schen, kann jedes Her­pes­vi­rus für eine Reak­ti­vie­rung sor­gen oder zu einem schwe­ren bezie­hungs­wei­se aty­pi­schen Ver­lauf füh­ren.
Ein ­Mal ange­steckt ver­wei­len Her­pes­vi­ren ein Leben lang im Wirt. Sie ver­ste­cken sich je nach Gat­tung in den Ner­ven­zel­len, den Nie­ren oder in der Schleim­haut. Da eini­ge Her­pes Viren auch über die Pla­zen­ta über­tra­gen wer­den kön­nen und weil Säug­lin­ge beson­ders gefähr­det sind, soll­ten wer­den­de Müt­ter bei Ver­dacht auf eine fri­sche Her­pes­in­fek­ti­on direkt ihren Arzt kon­sul­tie­ren.

Zu den Viren

HHV1 & HHV2 (Sim­plex Viren)

Erkran­kun­gen: Lip­pen­her­pes, Her­pes ophtha­li­mi­cus (Augen/Hornhaut), Pro­ble­me mit dem 1. Tri­ge­mi­nusast. Bevor­zugt von HSV-1 aus­ge­löst die Sto­ma­ti­tis aph­to­sa (Mund­fäu­le) und bevor­zugt von HSV-2 aus­ge­löst der Geni­tal­her­pes.

Kom­pli­ka­tio­nen: Her­pes-Öso­ph­agi­tis, Her­pes-Enze­pha­li­tis und Her­pes­he­pa­ti­tis.

HHV3 (Vari­zel­la Zos­ter)

Erkran­kung: Wind­po­cken und Gür­tel­ro­se.

Kom­pli­ka­tio­nen: Lungenentzündung, zerebelläre Ataxie, bakterielle Sepsis, Reye Syndrom, Enzephalitis, Meningitis, Leber oder Gelenks­be­schwer­den bei Wind­po­cken und Zos­ter-Menin­gi­tis, Zos­ter-Mye­li­tis (siehe Myelitis), Zos­ter-Enze­pha­li­tis, Zos­ter gene­ra­li­sa­tus, Zos­ter ophthal­mi­cus und Zos­ter oti­cus bei Gür­tel­ro­se.

HHV4 (Ebstein-Barr-Virus)

Erkrankung: infektiösen Mono­nu­kleo­se (Pfeif­fer­sches Drü­sen­fie­ber)

Kom­pli­ka­tio­nen: Als EBV-asso­zi­ier­te Kom­pli­ka­tio­nen kön­nen das Burkitt-Lymphom, nasopharyngeale Kar­zi­no­me (im asia­ti­schen Raum) und sel­ten B-Lym­pho­me ent­ste­hen. Dabei spie­len wei­te­re Fak­to­ren eine Rol­le, wie z.B. die chro­mo­so­ma­le Trans­lo­ka­ti­on des c-myc Genes; Mala­ria wird als wei­te­rer Cofak­tor dis­ku­tiert. Auch mensch­li­che Brust­krebs­zel­len sind häu­fig durch Epstein-Barr Viren infi­ziert, ohne dass ein ursäch­li­cher Zusam­men­hang gese­hen wird. In etwa 10% der Fäl­le kommt es im Krank­heits­ver­lauf zu einer Super­in­fek­ti­on der Ton­sil­len mit Strep­to­kok­ken. Noch sel­te­ne­re Kom­pli­ka­tio­nen sind Enze­pha­li­tis, auto­im­mun­hä­m­o­ly­ti­sche Anämie, Throm­bo­zy­to­penie, Agra­nu­lo­zy­to­se, Hepa­to­m­ega­lie oder Sple­no­me­ga­lie (Gefahr der Milz­rup­tur!), Lun­gen­ent­zün­dung, Myo­kar­d­i­tis, Nephri­tis und Ikte­rus. Beim Auf­tre­ten die­ser Sym­pto­me kann ein Kran­ken­haus­auf­ent­halt not­wen­dig wer­den.

HHV5 (Cyto­m­ega­lie­vi­rus)

Erkran­kung: Die Erst­in­fek­ti­on mit CMV ver­läuft in 99% ohne oder nur mit gerin­gen Krank­heits­sym­pto­m­en. Durch noch unkla­re Fak­to­ren kann die­ses Virus bei ansons­ten gesun­den Men­schen zu einer schwe­ren Erkran­kung füh­ren. Das Leit­sym­ptom ist dabei hohes, manch­mal wochen­lang anhal­ten­des Fie­ber mit typi­scher­wei­se erhöh­ten Leber­wer­ten.

Kom­pli­ka­tio­nen: Myo­kar­d­i­tis, Throm­bo­zy­to­penie oder Pneu­mo­nie kön­nen auf­tre­ten.

HHV6 & HHV7 (Drei-Tage-Fie­ber)

Erkran­kung: HHV-6 und 7 sind die Erre­ger des Drei-Tage-Fie­bers, einer Kin­der­krank­heit. Es han­delt sich um dop­pel­strän­gi­ge DNA-Viren, die mit dem Cyto­m­ega­lie-Virus (CMV) eng ver­wandt sind. Von HHV-6 exis­tie­ren zwei Sero­ty­pen (6A und 6B). In Euro­pa erkran­ken Kin­der prak­ti­sch nur an Typ 6B. Nach Abklin­gen der aku­ten Infek­ti­on per­sis­tiert das Virus im Wirts­or­ga­nis­mus. Das Drei-Tage-Fie­ber (Exan­the­ma subit­um, Roseo­la infan­tum, Sechs­te Krank­heit) ist eine Erkran­kung des Säug­lings- oder frü­hen Klein­kin­des­al­ters (Kin­der­krank­heit), Kin­der jen­seits des zwei­ten Lebens­jah­res erkran­ken qua­si nicht. Bei typi­schen Ver­lauf besteht drei Tage (2−8 Tage) anhal­ten­des hohes Fie­ber. Bei Ent­fie­be­rung tritt ein Haut­aus­schlag mit fei­nen, manch­mal auch leicht erha­be­nen Fle­cken auf, der typi­scher­wei­se am Stamm und im Nacken loka­li­siert ist. Die Fle­cken kön­nen zusam­men­flie­ßen und sich auf Gesicht und Extre­mi­tä­ten aus­brei­ten.

Kom­pli­ka­tio­nen: Zu den häu­figs­ten Kom­pli­ka­tio­nen durch die HHV-6 und –7 gehö­ren Diarrhoe und Erbre­chen, Schwel­lung der Augen­li­der, Papeln auf dem wei­chen Gau­men und am Zäpf­chen, Hus­ten, Schwel­lung der Halslymph­kno­ten, vor­ge­wölb­te und gespann­te Fon­ta­nel­le sowie Fie­ber­krämp­fe. Letz­te­re schei­nen bei HHV-7 etwas häu­fi­ger auf­zu­tre­ten als bei HHV-6.

HHV8

Erkran­kung: HHV-8 ist bei HIV-Infek­ti­on mit der Ent­ste­hung des Kapo­si-Sar­koms asso­zi­iert. Wei­ter­hin kann HHV-8 an der Gene­se bestimm­ter Lym­pho­me betei­ligt sein.

Das Kapo­si-Sar­kom: Das Kapo­si-Sar­kom ist eine, vor allem im Zusam­men­hang mit AIDS auf­tre­ten­de Neo­pla­sie, deren Ursa­che auf das Huma­ne Her­pes­vi­rus Typ 8 (HHV-8) in Ver­bin­dung mit Kofak­to­ren zurück­zu­füh­ren ist. Die beson­ders unter Immun­sup­pres­si­on auf­tre­ten­de Krank­heit äußert sich durch das Auf­tre­ten von braun, bläu­li­chen Tumor­kno­ten vor allem im Bereich von Schleim­häu­ten und im Darm. Män­ner sind häu­fi­ger betrof­fen als Frau­en. Bei der mit AIDS asso­zier­ten Form tre­ten braun, bläu­li­chen Fle­cken mul­ti­fo­kal meist auch auf der Haut von Bei­nen und Armen auf. Der Ver­lauf ist häu­fig chro­ni­sch. Eine Meta­sta­sen-Bil­dung in Lymph­kno­ten und ande­ren Orga­nen ist mög­li­ch. Eben­falls mög­li­ch ist bei nicht vor­han­de­ner HIV-Asso­zia­ti­on ein sel­te­ner, direk­ter Befall der Lymph­ge­fä­ße mit anschlie­ßen­der Aus­brei­tung auf inne­re Orga­ne.

Inkubationszeit!

(Die Zeit von der Infek­ti­on bis zum Aus­bruch der Krank­heit)

Her­pes Sim­plex:  2 – 12 Tage.

EBV:  7 – 30 Tage Kin­der /4 – 7 Wochen Erwach­se­ne.

CMV: 2 – 6 Wochen.

Vari­zel­len:  14 – 16 Tage, kann aber 8 – 21 Tage, nach pas­si­ver Immu­ni­sie­rung bis zu 28 Tage betra­gen.

Drei Tage Fie­ber: 5 – 15 Tage.

Übertragung/Ansteckung!

Gene­rell wer­den Her­pes Viren über den Spei­chel und Tröpf­chen­in­fek­ti­on über­tra­gen. Des­halb spricht man beim EBV auch von der Kuss-Krank­heit. Kon­takt und Schmier­in­fek­ti­on zäh­len eben­falls zu den Über­tra­gungs­we­gen. Es gibt aller­dings ein paar Beson­der­hei­ten was die Anste­ckung betrifft. So ist natür­li­ch bei bläs­chenbil­den­den Her­pes auch die Bläss­chen­flüs­sig­keit eine Infek­ti­ons­quel­le. Bei den Vari­zel­la-Viren ist sogar die Trä­nen­flüs­sig­keit anste­ckend. CMV-Erkrank­te schei­den noch Wochen nach abklin­gen aller Sym­pto­me Viren mit dem Urin aus.

Interessant:

Bei einer EBV Infek­ti­on kommt es ganz dar­auf an wer erkrankt . Den unkom­pli­zier­tes­ten Ver­lauf haben in der Regel Klein­kin­der, bei denen die Infek­ti­on wenn über­haupt ähn­li­ch dem Drei­ta­ge-Fie­ber ver­läuft. Die meis­ten Eltern kom­men gar nicht auf die Idee, es könn­te sich um eine Infek­ti­on mit dem Ebstein-Barr-Virus han­deln. Das liegt dar­an, dass nicht jeder Infi­zier­te auch an der infek­tiö­sen Mono­nu­kleo­se bezie­hungs­wei­se dem Pfeif­fer­schen Drü­sen­fie­ber erkrankt. Die häu­figs­ten Anste­ckun­gen pas­sie­ren in der Kin­der­gar­ten und Schul­zeit. Gera­de weil Klein­kin­der ja so viel „Sab­ber“ ver­lie­ren und puper­tie­ren­de Jugend­li­che ger­ne ihre Kör­per­flüs­sig­kei­ten mit gleich­alt­ri­gen aus­tau­schen, ist da die Gefahr einer Infek­ti­ons­wel­le gege­ben.

Da es  von der Anste­ckung bis zu den ers­ten Sym­pto­m­en Wochen dau­ern kann, ist dann schnell irgend­wann eine gan­ze Schul­klas­se betrof­fen. Wie so oft, wenn es um medi­zi­ni­sche Din­ge geht, haben jun­ge Mäd­chen einen Vor­teil gegen­über Jungs. Das weib­li­che Geschlecht lei­det nor­ma­ler­wei­se viel weni­ger unter einer EBV-Infek­ti­on. Die Sym­pto­me sind mil­der und wer­den meist als hart­nä­cki­ge Erkäl­tung wahr­ge­nom­men. Erwach­se­ne Män­ner haben die Arsch­kar­te. Schwe­re Ver­läu­fe mit Kran­ken­haus­aufent­halt, Super­in­fek­tio­nen, Milz­riss, Leber und Darm­ent­zün­dung sind gar nicht so sel­ten, wenn sich ein Mann im erwach­se­nen Alter zum ers­ten Mal mit EBV infi­ziert. Zwar bestä­ti­gen wie immer Aus­nah­men die Regel – und doch sagt hier die Medi­zin ganz klar, dass Män­ner wirk­li­ch auf­pas­sen müs­sen, wenn sie sich ange­steckt haben.

Durchseuchung Durch und Durch

Bis zum 30. Lebens­jahr haben 90% aller Deut­schen sich mit dem Ebstein-Barr-Virus ange­steckt. Wie gesagt, die meis­ten ohne es über­haupt bemerkt zu haben. Ca. 70% aller Men­schen aus Indus­trie­län­dern sind bis zum Erwach­senwer­den mit CMV infi­ziert und erstaun­li­che 95% sogar mit Her­pes Sim­plex. Auch das Drei­ta­ge-Fie­ber – also HHV6 und HHV7 – kann bei 95% aller Klein­kin­der ab der Voll­endung des zwei­ten Lebens­jah­res nach­ge­wie­sen wer­den. Ihr seht also, dass es sich hier um ein The­ma han­delt, wel­ches uns alle angeht. Viel­leicht habt ihr etwas gelernt und seid nun etwas bes­ser gegen die­se Art von Feind gewapp­net. Viel Glück!

Euer Ste­phan

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