Leben mit Immundefekt / Hafer, Hanf und Cannabis

Liebe und Freundschaft trotz PID und Co.

Stephan

Über zwischenmenschliche Beziehungen und Partnerschaft mit angeborenem Immundefekt und anderen Erkrankungen

Lie­be Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten, lie­be Part­ne­rin­nen und Part­ner,

was gibt es schö­ne­res als Lie­be und Freund­schaft? Gen­au nichts! War­um aber setzt sich kei­ner der sich mit dem The­ma Immun­de­fekt beschäf­tigt öffent­li­ch mit dem wich­ti­gen The­ma Zwi­schen­mensch­lich­keit und Part­ner­schaft aus­ein­an­der?

Ist es Angst oder ist die The­ma­tik ein­fach zu hei­kel? Viel­leicht liegt es auch dar­an, dass es unglaub­li­ch schwer ist, über eben gen­au so eine inti­me Sache zu reden. Gene­rell ver­ste­he ich nicht war­um man nicht ein­fach mal über Lie­be, Lust und Lei­den­schaft – ja, und ich mei­ne auch Sex – spre­chen kann, sobald einer von Zwei­en chro­ni­sch krank ist.

Ich neh­me mich der Sache heu­te mal an und ver­su­che auf die Din­ge ein­zu­ge­hen, wel­che eben doch eine wich­ti­ge Rol­le spie­len (nicht nur) bei PID–Bezie­hun­gen. Dabei bin ich bemüht sowohl auf die psy­cho­lo­gi­sche wie auch die kör­per­li­che Ebe­ne von Lie­bes­be­zie­hun­gen bei pri­mä­ren Immun­de­fek­ten ein­zu­ge­hen – ganz offen, ehr­li­ch und ohne Tabus!

Ich den­ke, auch Men­schen mit ande­ren Erkran­kun­gen kön­nen sich aus die­sem Bei­trag nütz­li­ches für sich her­aus­le­sen, denn krank ist zwar nicht gleich krank, aber die Ängs­te und Sor­gen sind dann meist doch sehr ähn­li­ch, wenn nicht sogar gleich.

Frei nach dem Mot­to „Man liebt ja schließ­li­ch trotz­dem“ öff­ne ich euch heu­te eine klei­ne Tür in die gro­ße Welt der Gefüh­le und wün­sche dabei viel Spaß.


Zwi­schen­mensch­li­che Bezie­hun­gen sind so kom­plex und indi­vi­du­ell wie die Men­schen die sie ein­ge­hen. Pati­en­ten mit chro­ni­schen und/oder sel­te­nen Erkran­kun­gen legen durch ihren Gesund­heits­zu­stand noch mal eine Schip­pe an Indi­vi­dua­li­tät oben drauf. Gera­de bei PID–Pati­en­ten gleicht kaum einer dem ande­ren, wes­halb es sehr kom­pli­ziert ist pau­scha­le Aus­sa­gen zu tref­fen.

Jeder hat doch sei­ne ganz eige­nen Vor­stel­lun­gen und Wün­sche oder Ansprü­che an sein Gegen­über. An einer Krank­heit zu lei­den, die bei Ärz­ten und in der Gesell­schaft kaum bekannt ist, erschwert dazu noch jeg­li­che Art der Kom­mu­ni­ka­ti­on und Argu­men­ta­ti­on bei Kon­flik­ten. Wie soll man auch von jeman­dem der sich so gar nicht damit aus­kennt auch nur ansatz­wei­se Ver­ständ­nis für die eige­ne Situa­ti­on erwar­ten, wenn jeg­li­ches Hin­ter­grund­wis­sen fehlt? Durch die­sen Man­gel an Infor­ma­ti­on und Akzep­tanz im Umfeld kön­nen sich Fami­lie und Freun­de von einem abwen­den – und zwar meist gen­au dann, wenn man eigent­li­ch auf Hil­fe ange­wie­sen ist.

Der ers­te Schritt ist hier wohl die Selbst­ak­zep­tanz, denn nur wer sich selbst kom­plett mit der eige­nen Erkran­kung aus­ein­an­dergesetzt hat, ist stark genug um sich gegen Unver­ständ­nis zu behaup­ten und nicht dar­an zu Grun­de zuge­hen.

Es ist zwar leich­ter gesagt als getan, aber wer von ande­ren ver­langt so genom­men zu wer­den wie man ist, muss zu erst mit sich selbst im Rei­nen sein. Viel­leicht müs­sen wir Betrof­fe­nen auch ler­nen, dass nicht an allem die Erkran­kung schuld ist und wir auch ganz nor­ma­le All­tags­pro­ble­me haben die dann eben auch zu Schwie­rig­kei­ten füh­ren.

Man ist schnell dabei sei­nen Gesund­heits­zu­stand zum per­sön­li­chen Sün­den­bock zu ma­chen anstatt zu schau­en, wie es trotz­dem lau­fen könn­te. Lei­der kann man eben immer nur sich selbst ändern und nicht das Umfeld – doch es gibt Mög­lich­kei­ten ande­rs mit der Sache umzu­ge­hen und durch das eige­ne Ver­hal­ten sein Gegen­über emp­fäng­li­cher sowie ver­ständ­nis­vol­ler für die per­sön­li­chen Nöte zu machen.

Ihr wer­det recht schnell mer­ken, dass es nichts bringt einen Men­schen die eige­ne Situa­ti­on näher zu brin­gen, wenn die Bereit­schaft des­je­ni­gen fehlt auch wirk­li­ch ernst­haft zu zuhö­ren. Es gibt Din­ge die muss man ein­fach so hin­neh­men… oder die­se Men­schen eben aus dem eige­nen Leben aus­schlie­ßen.

Was jetzt so hart klingt ist nicht mehr und nicht weni­ger als ein Selbst­schutz. Auch unab­hän­gig von der Erkran­kung will man ja nie­man­dem in sei­nem Leben haben, der einen nicht ver­steht oder gut tut. Vie­le Pati­en­ten ver­su­chen aller­dings zwang­haft an Kon­tak­ten fest­zu­hal­ten, aus Angst her­aus irgend­wann allei­ne da zuste­hen. Man darf dabei aber nie ver­ges­sen, dass man mehr ist als die Sum­me der Kran­ken­haus­auf­ent­hal­te und Arzt­be­su­che. Jeder hat trotz­dem sei­ne Fähig­kei­ten und Vor­zü­ge – nie­mand ist ein­fach nur Krank. So lan­ge du lebst soll­test du auch leben.

Vor den Lösungsansätzen kommen die Probleme

Familie

Ja, die lie­be Fami­lie kann sich kei­ner aus­su­chen. Gen­au des­we­gen kommt man als chro­ni­sch kran­ker Men­sch oft in ziem­li­ch unan­ge­neh­me Situa­tio­nen, wenn es um die eige­ne Erkran­kung geht.

Doch war­um sind es gen­au die Ange­hö­ri­gen wel­che uns so oft ent­täu­schen?

Schuld­ge­füh­le bei den Eltern, Unwis­sen­heit bei den Groß­el­tern und Eifer­sucht bei Geschwis­tern sind wohl die häu­figs­ten Grün­de für Kon­flik­te in Bezug auf eine Erkran­kung. Auch die Hilf­lo­sig­keit von Ange­hö­ri­gen gepaart mit Ängs­ten und Sor­gen schwen­ken oft über auf eine Art Vor­wur­fe­be­ne. Plötz­li­ch wird alles zu einer ein­zi­gen Pro­jek­ti­ons­flä­che – dann kann es schnell eska­lie­ren.

Nun habe ich mei­ne Dia­gno­se ja sehr spät bekom­men, aller­dings hat­te die gan­ze Sache dann eben doch auch einen sehr gro­ßen posi­ti­ven Neben­ef­fekt: Jetzt hat­te ich end­li­ch einen Grund für alles und vor allem etwas an der Hand mit dem ich argu­men­tie­ren konn­te.

Im Rosen­krieg mei­ner Eltern war ich das Opfer. Mein Erzeu­ger hat mir als Kind zum Bei­spiel ver­bo­ten – wenn ich in den Feri­en bei ihm war – mei­ne Medi­ka­men­te zu neh­men. Er war damals der fes­ten Über­zeu­gung, dass mei­ne Mut­ter mir das gan­ze Krank­sein nur ein­re­det und mich ver­weich­licht. Mei­ne Schwes­ter hat auch jah­re­lang geglaubt, ich wol­le nur Auf­merk­sam­keit erha­schen und stel­le mich nur in den Vor­der­grund.

Das Ver­let­zun­gen und Ope­ra­ti­ons­wun­den nicht abheil­ten oder sich infi­zier­ten wur­de mir dann als selbst­ver­let­zen­des Ver­hal­ten aus­ge­legt – ja, selbst  mei­ne Mut­ter hat letz­te­res teil­wei­se wirk­li­ch so gese­hen. Heu­te bin ich reflek­tiert genug um zu ver­ste­hen, dass mein Erzeu­ger ein­fach ein Arsch­loch ist (sor­ry, ist halt ein­fach so) und mei­ne Schwes­ter nur eifer­süch­tig war. Mei­ne Mut­ter hat immer alles getan was in ihrer Macht stand, nur wuss­te ja eben kei­ner was gen­au mit mir los war.

Gene­rell zei­gen mei­ne Beob­ach­tun­gen, dass gera­de Väter oft aus ver­letz­tem Stolz nicht akzep­tie­ren wol­len, wenn das eige­ne Kind krank ist. Wenn es ans eige­ne Erb­gut der Män­ner geht, sehen die­se eben schnell rot. Bei Müt­tern ist es weni­ger eine Sache des Egos als viel eher ein Vor­wurf an sich selbst. Schuld­ge­füh­le plag­ten auch mei­ne Mut­ter lan­ge: Oft mus­s­te ich mir Selbst­vor­wür­fe wie »aber ich hab doch alles getan« oder »du hast das bestimmt von mir« von ihr anhö­ren.

Groß­el­tern, oder sagen wir die Gene­ra­ti­on 65+, kommt oft mit Sprü­chen wie »Bei uns gab es so etwas damals nicht« oder »ich hab doch gesagt, du hät­test stil­len sol­len«. Getoppt wird das Gan­ze durch Aus­sa­gen wie »jetzt lass das Kind doch mal im Dreck spie­len, son­st wird nie ein Schutz auf­ge­baut«. Ja, das ist eben gera­de die­se Unwis­sen­heit, wel­che zu teils ganz bösen Streit­si­tua­tio­nen füh­ren kann. Ihr seht also, dass es wirk­li­ch Grün­de gibt, wes­halb gera­de die Fami­lie ein gro­ßes Kon­flikt­po­ten­zi­al hat. Es liegt nicht zwangs­läu­fig an euch!

Freundschaft

Kaum ein zwi­schen­mensch­li­cher Bereich wird so stark von der eige­nen Erkran­kung beein­flusst wie es bei Freund­schaf­ten der Fall ist. Dabei spielt es mei­ner Mei­nung nach eine gro­ße Rol­le, ob man selbst mit einer ver­nünf­ti­gen Dia­gno­se auf­wächst oder ob die­se erst im Lau­fe des Lebens gestellt wird. Auch aus sozi­al­psy­cho­lo­gi­scher Sicht ist des­halb eine früh­zei­ti­ge Dia­gno­se Gold wert: Denn nur wer recht­zei­tig lernt mit der Erkran­kung umzu­ge­hen und sie ins Leben zu inte­grie­ren, kann ganz ande­res mit sei­nem Umfeld umge­hen.

So haben Kin­der die damit auf­wach­sen spä­ter weni­ger Pro­ble­me trotz­dem sozia­le Kon­tak­te zu knüp­fen und Bezie­hun­gen zu pfle­gen als jene, die erst spät als Jugend­li­che oder Erwach­se­ne dia­gnos­ti­ziert wer­den. Der Men­sch ist ein Gewohn­heits­tier und kann viel kom­pen­sie­ren, wenn er schnell genug Hil­fe dabei bekommt die eige­ne Situa­ti­on anzu­er­ken­nen.

Ein gro­ßer Vor­teil von Freund­schaf­ten ist es, dass man sich die­se selbst aus­sucht und jeder Zeit ent­schei­den kann in wel­che Rich­tung die­se Ver­lau­fen. Wenn man wirk­li­ch krank ist merkt man recht schnell wer wirk­li­ch ein Freund ist – oder eben nicht. Wer gemein­sa­me Hob­bys und Inter­es­sen teilt ist nicht zwangs­läu­fig ein wah­rer Freund. Sobald man durch die feh­len­de Gesund­heit öfters einen Ter­min absa­gen muss, auf Geburts­ta­gen nicht erscheint oder am Par­ty­le­ben nicht mehr teil­neh­men kann steht schnell allei­ne da.

Wenn man wochen­lang nicht auf die Bei­ne kommt und schon am Tele­fon das Augen­rol­len der »Freun­de« qua­si hören kann, ja dann braucht sich auch kei­ne Hoff­nung auf Unter­stüt­zung machen. Schnell wird man als unzu­ver­läs­sig und des­in­ter­es­siert ange­se­hen. Die meis­ten mei­nen es ja nicht mal böse; es ist eher so, dass der Men­sch als sol­ches ziem­li­ch faul ist und wir »Kran­ken« ger­ne als anstren­gend oder Zusatz­be­las­tung ange­se­hen wer­den… und die­se wol­len sich vie­le auf­la­den.

Überschneidende Probleme

All­er­gi­en und Lebens­mit­te­lun­ver­träg­lich­kei­ten kön­nen der Tod aller Zwi­schen­mensch­lich­keit sein. Ein nicht funk­tio­nie­ren­des Immun­sys­tem oder die regel­mä­ßi­ge Ein­nah­me von Medi­ka­men­ten sor­gen manch­mal sogar für Kopf­schüt­teln.

Wenn Tan­te Erna zu Kaf­fee und Kuchen ein­lädt und man vor­ab schon sagen muss, dass bei der Tor­ten­schlacht nichts ver­zehr­ba­res für einen selbst dabei ist; Wenn der Lebens­ge­fähr­te der bes­ten Freun­din gera­de die Grip­pe hat und man des­halb schon wie­der ein lang ersehn­tes Tref­fen absa­gen muss, ja dann streikt manch­mal auch das freund­lichs­te Gemüt.

Da wird sich auch ger­ne mal auf­ge­regt, wenn vor jeder Mahl­zeit ›ne Pil­le (oder zwei, oder drei) geschluckt wer­den muss. Ergänzt wird so etwas oft durch dum­me Sprü­che wie »Ja, also da hät­te ich auch kei­nen Hun­ger mehr«. Ich könn­te hier jetzt eine end­lo­se Lis­te an Bei­spie­len erör­tern, doch ich den­ke, ihr wisst ganz gen­au was ich mei­ne. Es ist wirk­li­ch nicht immer ein­fach mit uns, aber es bringt ja auch nichts sich ein­zu­mau­ern.

Wie oben schon gesagt wur­de sind die Mög­lich­kei­ten etwas zu beein­flus­sen begrenzt. Jedoch gibt es wirk­li­ch eini­ge Punk­te an denen ihr aktiv etwas bewir­ken könnt. Letz­ten Endes muss aber jedem klar sein, dass es manch­mal schlicht­weg nichts bringt und man auch den ein oder ande­ren Ver­lust hin­neh­men muss. Es hilft viel­leicht euch bewusst zu machen‚ dass es auch sehr befrei­end sein kann wenn Men­schen aus eurem Leben ver­schwin­den, wenn die­se bei­spiels­wei­se wirk­li­ch reni­tent unbe­lehr­bar sind.

Nicht jeder »Freund oder Ange­hö­ri­ger« ist es auch wirk­li­ch wert so viel Ener­gie in den Kon­takt zu ste­cken – die­se Kraft benö­ti­gen wir doch eigent­li­ch für ganz ande­re Sachen.

Was können wir also tun?

1. Akzep­tie­ren was man nicht ändern kann.

Klingt doof, ist aber so. Wenn du wirk­li­ch so gar nichts ändern kann­st und abso­lut kei­ne Bes­se­rung in Aus­sicht ist, dann muss es dich auch nicht belas­ten. In ande­ren Lebens­be­rei­chen nimmst du doch auch nicht ewig alles ein­fach so hin!

2. Info­ma­te­ri­al her­an­zie­hen.

Es gibt zu fast jeder Erkran­kung auch Info­ma­te­ri­al oder Inter­net­sei­ten die auf­klä­ren. Bücher und ange­pass­te Hin­ter­grund­in­for­ma­tio­nen ste­hen meist zur frei­en Ver­fü­gung. Eine dezent plat­zier­te Bro­schü­re kann wah­re Wun­der bewir­ken.

3. Gemein­sam zum Arzt gehen.

Bei Ange­hö­ri­gen und bes­ten Freun­den bie­tet sich ein gemein­sa­mer Gang zum Arzt an. Dadurch wird die The­ma­tik erns­ter und greif­ba­rer. Auch ist ein Arzt oft ganz anders in der Lage, Wis­sen zu ver­mit­teln. Hier kön­nen auch Fra­gen und Ängs­te bespro­chen wer­den.

4. Ehr­li­ch und offen die eige­ne Situa­ti­on kom­mu­ni­zie­ren.

Wer immer so tut als wäre alles in Ord­nung muss sich auch nicht wun­dern, wenn man dann nicht ern­st genom­men wird. Ihr dürft und sollt ruhig auch mal in einer pas­sen­den Situa­ti­on die Chan­ce nut­zen davon zu erzäh­len, was die Erkran­kung mit euch macht und wor­auf ihr alles ver­zich­ten müsst. Oft ist das Gegen­über dann ziem­li­ch beein­druckt und spricht sogar sei­ne Bewun­de­rung über das Durch­hal­te­ver­mö­gen aus. Ganz aller »Wie schaffst du das«-Manier.

5. Ver­ständ­nis zei­gen.

Ein­fach mal sagen, dass man ja selbst weiß wie Schwie­rig der Umgang mit einem ist. Es kommt schon sehr gut an, wenn dei­nem Gegen­über bewusst ist wie sehr man den Kon­takt schätzt – trotz und gera­de wegen der eige­nen Erkran­kung.

6. Din­ge in Kauf neh­men.

Ins eine Ohr rein und durchs ande­re wie­der raus. Ein uraltes und bewähr­tes Mit­tel um ner­vi­ge Gesprä­che zu über­ste­hen. Es muss nicht immer aus allem ein Kampf gemacht wer­den. So man­ches mal wirkt ein wenig Igno­ranz oder stum­mes Kopf­ni­cken ein­fach mehr als tau­send Worte. Manch­mal muss man sich auch aller­dings auch auf Sachen ein­las­sen, die ein klei­nes Risi­ko mit sich brin­gen. Es ist nun mal ein ewi­ges Abwä­gen und aus­pro­bie­ren. Sich gene­rell aus Angst gegen alles abzu­schir­men ist aller­dings kei­ne Opti­on.

7. Dank­bar­keit zei­gen.

Viel zu sel­ten bedan­ken wir uns bei denen, die uns ein­fach so neh­men wie wir sind. Wenn extra Essen bereit gestellt wird oder Freun­de und Fami­lie uns zur Lie­be beson­ders auf Hygie­ne ach­ten, dann darf man dies ruhig aner­ken­nen.

8. Nicht immer die Krank­heit als Aus­re­de benut­zen.

Sind wir doch ehr­li­ch, wer hat nicht schon die eige­ne Krank­heit als Aus­re­de genutzt. Wer dies aller­dings zu oft macht kommt schnell in die Situa­ti­on, dass es nervt – und ja, es nervt wirk­li­ch. Wer ein­mal lügt dem glaubt man nicht, auch wenn er dann die Wahr­heit spricht – Da ist doch etwas dran.

9. The­ra­pie­treue

Wenn ihr euch an alles hal­tet was die eige­ne Behand­lung betrifft, geht es euch meist nicht nur bes­ser: Viel­mehr habt ihr dann die Mög­lich­keit zu argu­men­tie­ren, dass ihr wirk­li­ch alles Mög­li­che getan habt. So braucht ihr euch selbst nichts vor­wer­fen und müsst euch auch nichts vor­wer­fen las­sen.

10. Acht­sam­keit

Hört auf euch und euren Kör­per. Meist wisst ihr ganz gen­au, was geht und was nicht. Es nützt nie­man­dem etwas wenn ihr auf bie­gen und bre­chen ver­sucht an einer Sache teilzuneh­men. Sol­che Ver­su­che gehen dann meist nach hin­ten los und kön­nen jedes Tref­fen ins Cha­os stür­zen.

11. Den Wind aus den Segeln neh­men.

Kommt ihr dann in so eine unan­ge­neh­me Absa­gesi­tua­ti­on, dann beginnt ein Gespräch gleich mit Sät­zen wie: »Ich weiß, ich sag schon wie­der ab und ich hab mich so gefreut…«, »Ich könn­te heu­len, weil ich dich so ger­ne sehen woll­te…« oder: »schon wie­der kann ich nicht machen, wonach mir der Kopf steht…«. Unter­streicht die­se Aus­sa­gen ruhig mit Sprü­chen wie: »Manch­mal hab ich kei­nen Bock mehr« oder »Ich hof­fe du bist mir jetzt nicht auch noch böse«. Ja, hart aber sehr sehr wirk­sam.

12. Aus­tau­sch unter Gleich­ge­sinn­ten.

Jeder benö­tigt Men­schen im Leben die einen ver­ste­hen. Der Aus­tau­sch unter Betrof­fe­nen ist unglaub­li­ch wich­tig um sich nicht allei­ne zu füh­len. Zudem haben erfah­re­ne Pati­en­ten oft gute Tipps und Rat­schlä­ge um mit beschei­de­nen Situa­tio­nen umzu­ge­hen. Manch­mal hilft es auch schon gemein­sam über das Unver­ständ­nis ande­rer zu läs­tern und sich so rich­tig dar­über aus­zu­las­sen. Irgend­wo muss der Frust ja hin.

13. Eigen­ver­ant­wor­tung und Mit­den­ken

Du kann­st dir auch ger­ne dein eige­nes Essen mit­neh­men und soll­test immer an dei­ne Medi­ka­men­te für den Not­fall den­ken. Da du nicht davon aus­ge­hen kann­st, ande­re die Hygie­ne so ern­st neh­men wie du, soll­test du immer ein klei­nes Fläsch­chen Des­in­fek­ti­ons­mit­tel in der Tasche haben.
Berei­te dich also vor und ver­lass dich nicht auf ande­re. So sieht man auch wie bemüht du bist trotz­dem an allem teil­ha­ben zu kön­nen.

So banal die­se Rat­schlä­ge auch klin­gen mögen, sie brin­gen etwas und kön­nen dein Leben mit der Erkran­kung posi­tiv beein­flus­sen. Steckt nicht den Kopf in den Sand son­dern ver­sucht es doch ein­fach mal. Ja, ich weiß, wir müs­sen eh schon auf so vie­les ach­ten, jedoch nimmt uns die Erkran­kung kei­nes­falls die Eigen­ver­ant­wor­tung ab… und von nichts kommt auch nichts.


Ein gro­ßer Teil der oben ste­hen­den Din­ge lässt sich auch auf Lie­bes­be­zie­hun­gen bezie­hen. Jedoch bringt die Lie­be noch ganz ande­re Schwie­rig­kei­ten mit sich. Auch wer­de ich gleich ein biss­chen auf das The­ma Sex und One Night Stands ein­ge­hen denn das gehört ja auf jeden Fall mit dazu.

Sexualität mit geschwächtem Immunsystem

Die Vagi­na, der Mund und der After sind nicht nur die Ein­tritts­pfor­t­en für Geschlechts­or­ga­ne son­dern auch für sexu­ell über­trag­ba­re Krank­hei­ten… und eben auch für ganz nor­ma­le Viren, Bak­te­ri­en und Pil­ze.

Es muss nicht gleich ein Trip­per sein, jedoch kann z.B ein Her­pes zu schwer­wie­gen­den Kom­pli­ka­tio­nen bei immun­ge­schwäch­ten Pati­en­ten füh­ren. Manch­mal reicht ein ein­zi­ger Kuss schon aus um sich der­be etwas ein­zu­fan­gen. Die Gefahr sich zu infi­zie­ren ist natür­li­ch grö­ßer bei häu­fig wech­seln­den Geschlechts­part­nern. Doch nicht nur Sin­gles, die ger­ne den Spaß für eine Nacht genie­ßen sind gefähr­det. Auch bei treu­en Paa­ren kann es – gera­de bei Frau­en – zu Pro­ble­men mit der sex­be­ding­ten Keim­be­las­tung kom­men.

Beim Lie­bes­spiel das über Blüm­chen­s­ex hin­aus geht kommt durch klei­ne Schleim­haut­ver­let­zun­gen noch eine erhöh­tes Risi­ko dazu. Was bedeu­tet das nun:

Küs­sen ver­bo­ten? Sex nur mit Gum­mi?

Wor­auf man ach­ten kann

Eine gute Intim­hy­gie­ne kann vagi­na­le Infek­tio­nen der Frau ver­hin­dern. Dabei liegt die Ver­ant­wor­tung sowohl bei der Frau wie auch beim Mann. Durch die ana­to­mi­schen Gege­ben­hei­ten bei Frau­en ist dort auch das Risi­ko höher für Infek­ti­ons­krank­hei­ten.

Das feucht-war­me Kli­ma einer Vagi­na stellt für so man­chen Keim oder Pilz einen wah­ren Brut­kas­ten dar. Wer auf Kon­do­me ver­zich­ten möch­te ist trotz­dem nicht auf­ge­schmis­sen: Wenn der Mann vor dem Sex sei­nen Penis rich­tig sau­ber macht und die Frau nach dem Sex die Vagi­na spült kön­nen so Anste­ckun­gen ver­hin­dert wer­den. Ver­schie­de­ne Vagi­nal­cremes und Gleit­mit­tel bie­ten zusätz­li­chen Schutz.

Ein gemein­sa­mer Besu­ch beim Frau­en­arzt oder Uro­lo­gen kann hier sehr nütz­li­ch sein. Es gibt übri­gens auch Frau­en, wel­che eine Dau­er­an­ti­bio­se benö­ti­gen um über­haupt Geschlechts­ver­kehr haben zu kön­nen.

Wenn der Mann beson­ders keim­be­las­tet ist kann dies z.B. eine Erklä­rung für wie­der­keh­ren­de Bla­sen­ent­zün­dun­gen der Part­ne­rin sein.

Man soll­te als immun­ge­schwäch­ter Pati­ent dar­auf ach­ten, dass man beim Akt nicht unbe­dingt von einer Kör­per­öff­nung zur ande­ren wech­selt. So ver­hin­dert man zum Bei­spiel das ein Her­pes durch Oral­ver­kehr die Chan­ce bekommt sich andern­orts ein­zu­nis­ten.

Nach dem Oral­ver­kehr bie­tet es sich durch­aus an, den Mund mit Lösun­gen aus der Zahn­be­hand­lung zu spü­len – ein­fach um die Keim­be­las­tung zu redu­zie­ren.

Das klingt jetzt alles ziem­li­ch unero­ti­sch, doch kann man durch das Ein­hal­ten bestimm­ter Hygie­ne­maß­nah­men dafür sor­gen, dass nichts dann wirk­li­ch unan­ge­neh­mes dem Sex­le­ben dazwi­schen kommt.

Mund­pil­ze und oben genann­te aku­te Her­pes­in­fek­tio­nen mit Bläs­chen­bil­dung sind ein abso­lu­tes Kuss tabu für Pati­en­ten mit PID (ange­bo­re­ner Immun­de­fekt) und SID (erwor­be­ner Immun­de­fekt). Da geht der eige­ne Schutz wirk­li­ch vor allem ande­ren.

Wer auf ein paar Din­ge ach­tet kann aber natür­li­ch hem­mungs­los Spaß haben wie jeder ande­re auch. Jeder muss da sei­nen ganz eige­nen Weg fin­den und auf kei­nen Fall soll­te man auf Sex ver­zich­ten, da die­ser ja bekann­ter Wei­se das Immun­sys­tem stärkt 


Beziehungsleben

Ob man nun mit der Dia­gno­se jeman­den Neu­es ken­nen lernt oder wäh­rend der lau­fen­den Bezie­hung die Dia­gno­se bekommt – in bei­den Fäl­len hat der Betrof­fe­ne sehr gro­ße Ängs­te, wenn es dar­um geht, wie der poten­zi­el­le oder fes­te Part­ner mit dem The­ma umgeht.

Ist man durch die Erkran­kung weni­ger Inter­es­sant? Wie viel kann ich geben, wenn ich doch so ein­ge­schränkt bin? Was ist mit Fami­li­en­pla­nung und wird es dem Part­ner irgend­wann alles zu viel? Wie viel soll und darf man beim Ken­nenler­nen preis­ge­ben oder wie sehr kann der Part­ner in die gan­ze Sache mit ein­be­zo­gen wer­den? Wel­che Pro­ble­me tre­ten auf und wie kann man damit umge­hen?

Die­se und ande­re Fra­gen beant­wor­te ich euch in einem Video. Dabei wer­de ich natür­li­ch über mei­ne ganz eige­nen und per­sön­li­chen Erfah­run­gen spre­chen und euch Bewei­sen, dass auch für uns Pati­en­ten die Lie­be so unglaub­li­ch schön sein kann.

Ich bedan­ke mich fürs zu lesen und hof­fe ihr habt euch das Video ange­schaut. Über Feed­back wür­de ich mich rie­sig freu­en.

Lie­be ist doch echt was schö­nes!

Euer Ste­phan

Teilen twitter/ facebook/ Link kopieren
Du hast dich erfolgreich bei stereotypisch angemeldet
Willkommen zurück! Du hast dich erfolgreich angemeldet.
Fantastisch! Du hast dich erfolgreich eingetragen!
Your link has expired
Erfolg! Ihr Konto ist vollständig aktiviert, Sie haben jetzt Zugang zu allen Inhalten.
Bitte gib mindestens 3 Zeichen ein 0 Deine Suchergebnisse

Sollen wir eine Schlagwort vorschlagen?

Systemfehler Kopfkino Grünzeug Bluescreen

Sollen wir einen Autor vorschlagen?

Stephan Jens