das Leben mit Immundefekt

Das Geschäft mit dem Blut?

Stephan

Eine Reportage wird analysiert

Titel: »Das Geschäft mit dem Blut»
Regie: Pier­re Mon­nard für Arte
Pro­duk­ti­ons­land: Schweiz/Frankreich 2016
Lauf­zeit: 52 Minu­ten

Lie­be Lese­rin­nen und Leser,

schlecht recher­chiert, ver­wir­rend, vol­ler fal­scher Dar­stel­lun­gen und sehr ein­sei­tig – so oder so ähn­li­ch könn­te man die­ses „Meis­ter­werk“ wohl beschrei­ben, wäre da nicht die Tat­sa­che, dass die Plas­ma­in­dus­trie wirk­li­ch sehr undurch­sich­tig ist und in den USA wohl ande­re Bedin­gun­gen herr­schen als bei uns.

Worum es geht

Es geht um die am Diens­tag den 21.02.2017 aus­ge­strahl­te ARTE-Doku­men­ta­ti­on die für eine men­ge Unmut bei vie­len Per­so­nen sorg­te. Ich selbst bin durch mei­nen ange­bo­re­nen Immun­de­fekt auf ein Medi­ka­ment ange­wie­sen, wel­ches auf Blut­plas­ma basiert. Natür­li­ch kann ich die­se Doku­men­ta­ti­on sehr dif­fe­ren­ziert betrach­ten und doch hin­ter­lässt sie einen bit­te­ren Nach­ge­schmack – auch bei mir. Ande­re Pati­en­ten deren Leben von den Plasmas­pen­den abhän­gig ist, füh­len sich nun auf der einen Sei­te schlecht, weil für sie ja „Men­schen aus­ge­beu­tet“ wer­den und haben auf der ande­ren Sei­te Angst, dass ihre Medi­ka­men­te mög­li­cher­wei­se qua­li­ta­tiv schlecht sind.

Plasmas­pen­der wer­den aus­ge­beu­tet, Medi­ka­men­te wer­den aus schlech­tem Blut­plas­ma her­ge­stellt; Blut von Spen­dern die kei­ne Auf­wands­ent­schä­di­gung bekom­men ist bes­ser als Blut von Men­schen die eine Ent­schä­di­gung erhal­ten; Blut­spen­de­diens­te sind böse und der Han­del mit Blut­pro­duk­ten ist Teu­fels­werk.

Die­ser im TV aus­ge­strahl­te Bericht bringt Fak­ten durch­ein­an­der und schafft mehr Ver­un­si­che­rung und Angst als auf­zu­klä­ren. Immer wie­der wer­den die Begrif­fe Plasmas­pen­de und Blut­spen­de durch­ein­an­der gewor­fen. Der stän­di­ge Wech­sel zwi­schen Frank­reich, den USA und dem nicht EU–Land Schweiz ver­wirrt zusätz­li­ch. Deutsch­land bleibt so gut wie außen vor obwohl im Intro auch der Anschein erweckt wur­d,e es wür­de sich auch um den deut­schen Markt han­deln. Die Inter­views sind zum Teil rei­nes Archiv­ma­te­ri­al und wur­den pas­send hin­ein geschnit­ten. Die Pati­en­tin aus der Schweiz hat einen Immun­de­fekt und kei­ne Immun­schwä­che.

Ich habe mir die­ses Video nun schon vier Mal ange­schaut und bin immer noch total geschockt über die Inhal­te. In einer Zeit in der die Spen­de­zah­len rück­läu­fig sind und immer mehr Indi­ka­tio­nen für Plas­ma­pro­duk­te eine Zulas­sung bekom­men, ist die­se Doku­men­ta­ti­on sehr gefähr­li­ch.

An der Her­stel­lung von Medi­ka­men­ten aus Blut oder Blut­plas­ma hängt eine rie­si­ge Indus­trie. So bezog auch die PPTA– Plas­ma Pro­te­in The­ra­peutics Asso­cia­ti­on – Stel­lung zur Repor­ta­ge.

Doch wie glaub­wür­dig ist die Stel­lung­nah­me eines Dach­ver­ban­des, der als Inter­es­sen­ver­tre­ter jene Unter­neh­men reprä­sen­tiert, die in der Repor­ta­ge so stark kri­ti­siert wer­den? Wir müs­sen uns auf die Quel­len stüt­zen, die uns die kon­trol­lie­ren­den Insti­tu­te zu Ver­fü­gung stel­len und nicht auf Lob­by­is­ten. Ich wer­de für euch eini­ge Inhal­te der Doku ana­ly­sie­ren und, wenn nötig, rich­tig stel­len. Zudem wer­de ich zwi­schendurch dar­über infor­mie­ren, wie es denn bei uns in Deutsch­land aus­sieht – denn davon ist ja über­haupt nie die Rede.


Fangen wir an

Direkt zu Beginn wer­den wir mit der Aus­sa­ge „die Gesund­heits­in­dus­trie ist eine per­fek­te Geld­ma­schine, denn wir sind bereit alle ver­füg­ba­ren The­ra­pi­en zu bezah­len“ kon­fron­tiert. Mit dra­ma­ti­sch unter­leg­ter Musik soll hier ver­mit­telt wer­den wie kapi­ta­lis­ti­sch unser Gesund­heits­sys­tem doch ist.

Ich fra­ge mich: Wer soll eigent­li­ch die gan­ze For­schung und Ent­wick­lung von neu­en Medi­ka­men­ten und The­ra­pi­en bezah­len? Wer soll Ver­ei­ne för­dern und Stu­di­en finan­zie­ren wenn nicht die Gesund­heits­in­dus­trie und somit auch die Phar­ma­in­dus­trie. Unser gan­zes Sys­tem ist nun mal auf Geld gebaut und von nichts kommt auch nichts. Die­se Tat­sa­che wird bei der Argu­men­ta­ti­on lei­der immer ver­ges­sen.

»Es ist Aus­beu­tung von Men­schen am Men­schen – eine neue Art von Kani­ba­lis­mus« so heißt es und direkt wird ein Mann ein­ge­blen­det der die Punk­ti­ons­stel­le von der Blut­spen­de in die Kame­ra hält.

Ich fra­ge mich: Wer­den die Men­schen an Ket­ten und unter Mord­an­dro­hung zur Blut oder Plasmas­pen­de gezwun­gen oder geht noch jeder frei­wil­lig dort hin ?

Die Aus­sa­ge eines Spen­ders er sei wie eine Kuh die Milch gibt hat mich wirk­li­ch scho­ckiert, ein ande­rer Spen­der sagt, dass es ihn fast umge­bracht hat – er will das (Spen­den) nicht mehr.

Ich fra­ge mich: Wenn man sich so fühlt, war­um geht man dann über­haupt zur Spen­de? Man wird ja nicht gezwun­gen. Natür­li­ch kann es pas­sie­ren, dass ein Spen­der Kreis­lauf­pro­ble­me bekommt – des­halb liegt man ja auch beim Spen­den. In Deutsch­land wird sehr auf die Spen­der­si­cher­heit geach­tet und gut geschul­tes Per­so­nal kann schnell ein­grei­fen, wenn es einem Spen­der plötz­li­ch nicht mehr so gut geht. Zudem ist auch immer ein Arzt vor Ort.

Der Teufel im Detail

In der Schweiz müs­sen Blut­spen­der einen medi­zi­ni­schen Fra­ge­bo­gen aus­fül­len“ und dann kommt der Fra­ge­bo­gen mit dem Klein­ge­druck­tem. Der Teu­fel steckt wie immer im Detail, heißt es.

Ich fra­ge mich: Wo ist da der Teu­fel? Was ist schlimm dar­an, dass bestimm­te Bestand­tei­le der Spen­de zu Medi­ka­men­ten wei­ter ver­ar­bei­tet wer­den? War­um wird die­se Tat­sa­che so nega­tiv auf­ge­baut obwohl gen­au dadurch vie­le Men­schen geret­tet wer­den kön­nen?

Der Spen­der weiß nicht was mit sei­ner Blut­spen­de pas­siert – also hier wird ganz klar von einer Voll­blut­spen­de gespro­chen. Dann im Bild zu sehen wie­der Blut­plas­ma. Aber es wird beschlos­sen den Weg des Plas­mas nach zu ver­fol­gen. Es kommt der Schnitt und wir sind nicht mehr beim schwei­zer Roten Kreuz in der nähe von Lui­san­nes, son­dern bei einem Wer­be­film von CSL Plas­ma in den USA.

»Eine hand­voll Unter­neh­men teilt den Welt­markt unter sich auf. Die ame­ri­ka­ni­sche Fir­ma Bax­ter , die aus­tra­li­sche CSL Beh­ring ( gezeigt wird CSL Plas­ma), die spa­ni­sche Grifols und das schwei­zer Unter­neh­men Octa­phar­ma.« War­um hier nur Octa­phar­ma und Bax­ter die Bezeich­nung Fir­ma und Unter­neh­men bekom­men ist für mich schon frag­wür­dig. Dann kommt noch die Aus­sa­ge: Für die­se Unter­neh­men ist Plas­ma ein sehr lukra­ti­ver Roh­stoff. Also genau­ge­nom­men basie­ren die­se Fir­men auf Plas­ma. Das ist nicht nur irgend­ein Roh­stoff son­dern die Grund­la­ge für lebens­ret­ten­de Medi­ka­men­te.

Bis hier hin wur­de schon ein rich­tig nega­ti­ves Bild ver­mit­telt und es fällt auf wie teil­wei­se schlecht und ver­wir­rend hier gear­bei­tet wur­de. Es wer­den stän­dig die Begriff­lich­kei­ten ver­tauscht und so wer­den man­che eigent­li­ch rich­ti­ge Aus­sa­gen durch den Fehl­be­zug schlicht­weg fal­sch.

Gekrönt wird die gan­ze Sache jetzt noch von einem Inter­view aus dem Jah­re 2010. Nach diver­sen Wer­be­film­aus­schnit­ten von Octa­phar­ma sind wir dann wie­der in der Schweiz, gen­auer gesagt in Bern. Dort ler­nen wir Tama­ra ken­nen, die für mehr Dra­ma­tur­gie kurz in die Kame­ra hus­tet um ihre „Immun­schwä­che“ – die eigent­li­ch ein ange­bo­re­ner Immun­de­fekt ist – zu unter­strei­chen. Dafür kann Tama­ra nichts, aber es macht deut­li­ch wie hier gear­bei­tet wird. Dann wird Tama­ra gefragt, ob sie weiß ob ihr Medi­ka­ment – also die Immun­glo­bu­li­ne – aus schwei­zer Blut­plas­ma her­ge­stellt wird.

Es ist schon schlimm wie die Repor­ter für eine Ver­un­si­che­rung sor­gen wol­len.

Sie wollen uns verwirren

Im Labor bei Swiss Medic: Wir dür­fen die­ses Doku­ment nicht fil­men? Die­ses Doku­ment gehört den Unter­neh­men! Ja, lie­ber Repor­ter sowas nennt sich Daten­schutz und außer­dem wird doch sogar laut gesagt woher die Plas­ma­pool-Pro­ben stam­men.

Mit sämt­li­chen Aus­sa­gen und fil­mi­schen Mit­teln wird der Zuschau­er die gan­ze Zeit auf etwas vor­be­rei­tet – Immer wie­der wird die Fra­ge gestellt wo das Plas­ma her­kommt. Dann geht es los:

Cleve­land – Ghet­to Musik und dann direkt zu CSL Plas­ma – Ver­die­nen sie bis zu 200$ im Monat und über­all fin­den wir Hin­wei­se dafür, dass man für sei­ne Spen­de Geld bekommt. So beginnt end­li­ch das, wor­um es im eigent­li­chen Sin­ne die gan­ze Zeit geht. Jetzt end­li­ch kommt der Kern der Repor­ta­ge zum Vor­schein. Hier wird gesagt im Gegen­satz zu den meis­ten euro­päi­schen Län­dern ist es in den ver­ei­nig­ten Staa­ten erlaubt für Blut­spen­den zu bezah­len.

In der EU kön­nen nur in Deutsch­land, Öster­reich, der tsche­chi­schen Repu­blik und Ungarn Auf­wands­ent­schä­di­gun­gen an die Spen­der gezahlt wer­den. In allen ande­ren EU Län­dern ist die Blut­spen­de kom­plett unend­geld­li­ch oder wird auf ande­re, nicht finan­zi­el­le Arten kom­pen­se­riert.

Im Fol­gen­den sehen wir unter­schied­li­che Men­schen z.B die Mit­glie­der einer klei­nen Kir­chen­ge­mein­de von denen vie­le ihr Plas­ma „ver­kau­fen“. Ein Mann, ver­mut­li­ch das Gemein­de­ober­haupt, erzählt davon, dass die­se Art der Spen­de ja kei­ne Spen­de sei­en, da die Leu­te ja ihr Plas­ma ver­kau­fen – also Geld dafür erhal­ten.

Ich fra­ge mich: War­um geht man hier nicht ein­fach vom Prin­zip des Geben und Neh­mens aus­? Es ist doch voll in Ord­nung, dass man für sei­nen Zeit­auf­wand und die even­tu­el­len Kos­ten für Beför­de­rungs­mit­tel eine Ent­schä­di­gung bekommt. Natür­li­ch ist der Anreiz grö­ßer, wenn man etwas dafür bekommt, jedoch ist das doch an sich noch nichts Schlim­mes. Ande­re set­zen Geld­spen­den von den Steu­ern ab und spa­ren dadurch! Sind die dann auch alle nicht mehr selbst­lo­se Wohl­tä­ter?

Jetzt auch mit Drama

Dann kommt das Dra­ma ins Spiel. Man stellt uns Marc vor, einen sozi­al schwa­chen Mann der das Geld von der Plasmas­pen­de zum Leben benö­tigt. Die Repor­ter wol­len mit Marc zum Spen­de­cen­ter fah­ren und ande­re Spen­der inter­view­en. Die Repor­ter durf­ten das Cen­ter nicht betre­ten und befrag­ten dann drau­ßen auf dem Park­platz ande­re Spen­der.

»Wie lan­ge spen­den sie schon Plas­ma?« frag­te man einen unge­sund schmal wir­ken­den Mann mitt­le­ren Alters : »Seit einem Jahr, zwei mal in der Woche.« ant­wor­te­te die­ser.

In Deutsch­land bezie­hungs­wei­se der EU darf man im soge­nann­ten Gleit­jahr – also in einem Zeit­raum von 12 Mona­ten – bis zu 45 mal Plas­ma spen­den. In den USA darf bis zu 106 mal im Gleit­jahr gespen­det wer­den, was einem Rhyth­mus von zwei mal wöchent­li­ch gleich kommt. Zwar hat der Kör­per inner­halb von 48 Stun­den die Spen­de wie­der aus­ge­gli­chen doch lang­fris­tig kommt das Kno­chen­mark ein­fach nicht hin­ter­her wenn über­mä­ßig häu­fig gespen­det wird.

Die Welt­ge­sund­heits­or­ga­ni­sa­ti­on WHO hält zwei wöchent­li­che Plasmas­pen­de für das abso­lu­te Maxi­mum des Ver­kraft­ba­ren. Ob die­se Gren­zen wirk­li­ch aus­ge­reizt wer­den soll­ten wage ich zu bezwei­feln. Da sieht man, dass der Spen­der­schutz in Deutsch­land und ande­ren EU Län­dern einen viel höhe­ren Stel­len­wert hat als in den USA.

Zu den Aus­sa­gen, dass nie­mand aus mora­li­schen Grün­den sein Plas­ma spen­det möch­te ich fol­gen­des sagen: Ich war in Deutsch­land schon in vie­len unter­schied­li­chen Blut­spen­de­zen­tren und Plas­ma­cen­tern und habe dort jedes mal mit ganz vie­len unter­schied­li­chen Spen­dern gespro­chen. Mei­ne Erfah­run­gen waren anders als in der Repor­ta­ge. Ich habe tol­le und offe­ne Men­schen getrof­fen, die froh waren etwas gutes tun zu kön­nen und dafür auch noch eine Ent­schä­di­gung zu bekom­men.

Ich war bei CSL Plas­ma in Bre­men, Kiel, Braun­schweig, Frank­furt und Göt­tin­gen und in Göt­tin­gen sogar im Test­la­bor von CSL. Ich war bei der Hae­ma in Erfurt,Essen,Hamm und Dort­mund und über­all konn­te ich einen Bli­ck hin­ter die Kulis­sen wer­fen. Ich hat­te die Mög­lich­keit mit Mit­ar­bei­tern zu reden und mit ganz vie­len Spen­dern. Ich habe vie­le Cen­ter und Zen­trums­lei­te­rin­nen und Lei­ter ken­nen gelernt und auch die dazu­ge­hö­ri­gen Ärz­te. Wohl gefühlt habe ich mich über­all. Mei­ne Erfah­run­gen bei den pri­va­ten Blut­spen­de­diens­ten ist durch­weg posi­tiv. Die Mit­ar­bei­ter dort leis­ten eine tol­le Arbeit und tra­gen dazu bei, dass Spen­der auch wie­der kom­men. Kran­ke und schwa­che Men­schen die aus­se­hen als ob sie obdach­los sind, Dro­gen neh­men oder drin­gend Geld benö­ti­gen, habe ich bis jetzt in kei­nem Cen­ter gese­hen.

Eigene Erfahrungen

Zu Besu­ch bei CSL Plas­ma in Bre­men

Zu Besu­ch beim Hae­ma Blut­spen­de­dienst in Dort­mund

Zu Besuch bei der Haema in Dortmund

Zu Besu­ch bei CSL Plas­ma in Kiel

Zu Besuch beim CSL Plasmacenter in Braunschweig

Zu Besu­ch bei CSL Plas­ma­cen­ter Eröff­nung in Frank­furt

Ich bin dank­bar für die gute Arbeit wel­che die pri­va­ten Blut­spen­de­diens­te in Deutsch­land leis­ten und dadurch auch mein Leben gewähr­leis­ten. Ich bin jedem Spen­der dank­bar der bereit ist einen Teil von sich zu geben.

Bei der Hae­ma in Erfurt

Bei der Hae­ma in Dort­mund

Bei der Hae­ma in Hamm

Mehr Drama bitte – weiter geht es

Dann kommt Marc wie­der ins Spiel. Der Spen­de­dienst wird schlecht dar­ge­stellt, weil Marc jetzt kein Geld bekommt. Er durf­te aus gesund­heit­li­chen Grün­den nicht spen­den. Minu­tenlang wird jetzt gezeigt wie Marc lebt und wie schlecht doch alles ist, wenn er kein Geld fürs Plasmas­pen­den bekommt. Das mag ja auch alles stim­men – doch was zu Höl­le kann denn bit­te das Unter­neh­men dafür? Da muss man wirk­li­ch die Kir­che im Dorf las­sen. Das bei den Unter­neh­men mei­ner Mei­nung nach nicht alles rich­tig läuft dar­auf kom­me ich spä­ter noch zurück.

Jetzt wird ein Arzt aus dem größ­ten öffent­li­chen Kran­ken­haus der Stadt hin­zu­ge­zo­gen. Dr. David Mar­go­li­us berich­tet von sei­nen Pati­en­ten die auch Plas­ma spen­den und dass die­se an Erschöp­fung und Kopf­schmer­zen lei­den. Vor­her hat er erzählt, dass die­ses Kran­ken­haus auch jene Pati­en­ten ohne Geld behan­delt. Es ist ein Sozi­al­kran­ken­haus mit öffent­li­chen Mit­teln, wenn man es gen­au nimmt. Er sagt auch, dass vie­le sei­ner Pati­en­ten ohne das Geld von der Plasmas­pen­de nicht wüss­ten wie sie ihr Leben finan­zie­ren sol­len und dar­auf ange­wie­sen sind.

Mal davon abge­se­hen, dass zwei mal die Woche Plas­ma spen­den wirk­li­ch sehr viel ist muss man bei die­sen Aus­sa­gen eines beden­ken: In ein Sozi­al­kran­ken­haus gehen sozi­al schwa­che Men­schen. In ein Kran­ken­haus an sich gehen kran­ke Men­schen mit Sym­pto­m­en und Beschwer­den. Men­schen denen es sozi­al rich­tig schlecht geht haben auf Grund der Exis­tenz­ängs­te sehr oft Kopf­schmer­zen oder sind erschöpft! Wie aus­sa­ge­kräf­tig sind hier die Beob­ach­tun­gen des Arz­tes bei die­sen Hin­ter­grün­den?

Nach ein biss­chen Groß­la­ger­ro­man­tik wird nun ein här­te­rer Ton ange­schla­gen. Es wird von der indus­tria­li­sier­ten Blu­tern­te gespro­chen und die vie­len armen Ame­ri­ka­ner wer­den als ein unbe­grenz­tes Roh­stoff­re­ser­voire bezeich­net. An die­ser Stel­le füh­le ich mich zutief­st belei­digt – wie kann man nur so über Men­schen reden? Egal aus wel­chem Anlass sie bereit sind ihr Blut oder Plas­ma zu spen­den, es bleibt immer noch eine gute und wich­ti­ge Sache ver­dammt.

Ganz schlimm fin­de ich hier die feh­len­de Trans­pa­renz von Octa­phar­ma. Wie eben schon erwähnt war ich selbst schon in unter­schied­li­chen Blut- und Plasmas­pen­de­cen­tern und habe auch hin­ter die Kulis­sen schau­en dür­fen. Zudem war ich sogar schon in einem der Labo­re in dem die Spen­den auf Krank­hei­ten getes­tet wer­den. Man fragt sich schon war­um ein der­ar­ti­ges Ver­hal­ten der Abschot­tung an den Tag gelegt wird.

Im Cen­ter mit ver­steck­ter Kame­ra: »Nur ein Fra­ge­bo­gen und die Blut­druck­mes­sung, damit kei­ner umkippt denn das wür­de den Ablauf stö­ren«. Ansons­ten bekom­men die Spen­der kei­ne Unter­su­chun­gen. Die Lie­gen sind immer belegt.. Blut­spen­den wie am Fließ­band«.

Das wird alles so dar­ge­stellt als befän­de man sich in einer Lege­bat­te­rie. Die Sicher­heits­maß­nah­men wer­den durch­ge­führt, damit dem Spen­der nichts pas­siert und nicht damit man den Ablauf nicht stört. Das die Lie­gen rund um die Uhr belegt sind ist abso­lu­ter Quat­sch, aber natür­li­ch zeigt man dann Bild­ma­te­ri­al wel­ches zu Stoß­zei­ten auf­ge­nom­men wur­de. Wenn die Spen­der­lie­gen in Deutsch­land immer und über­all belegt wären, dann hät­ten wir kein Pro­blem damit uns mit Blut­pro­duk­ten dau­er­haft selbst zu ver­sor­gen.


Substanziell

Zum The­ma Plasmas­pen­der die Dro­gen neh­men möch­te ich ein paar Din­ge sagen: Natür­li­ch möch­te man ver­mei­den, dass psy­cho­ak­ti­ve Sub­stan­zen in die Pools gelan­gen und daher wird bei Ver­dachts­fäl­len auch getes­tet. Man muss aber auch beden­ken, dass bei der Grö­ße so eines Plas­ma­pools der Anteil an den ent­spre­chen­den Ver­bin­dun­gen so gering ist, dass man bei­spiels­wei­se eher dar­über nach­den­ken soll­te, was die gan­zen Hor­mo­ne im Plas­ma machen, die durch die mas­sen­haf­te Ver­ord­nung der Anti­ba­by Pil­le in die Pools gelangt. Ich habe selbst schon gese­hen, dass Plas­ma von Spen­de­rin­nen die die Pil­le neh­men durch die Hor­mo­ne sogar eine grün­li­che Far­be annimmt.

Die­se Hor­mo­ne und Rück­stän­de von Schmerz­mit­tel sowie ande­ren frei­ver­käuf­li­chen, aber auch ver­ord­ne­ten Medi­ka­men­ten sind da viel erns­ter zu neh­men als Sub­stan­zen die in so gerin­ger Kon­zen­tra­ti­on kei­nen Ein­fluss mehr auf uns haben.

In Deutsch­land sind Men­schen die Dro­gen nasal oder intra­ve­nös kon­su­mie­ren oder kon­su­miert haben von der Spen­de aus­ge­schlos­sen. Fällt ein Dro­gen­kon­sum auf wird der Spen­der auf Leb­zeit gesperrt.

Ist das so?

Man­geln­de Trans­pa­renz kann man den Unter­neh­men zumin­dest von den ame­ri­ka­ni­schen Nie­der­las­sun­gen vor­wer­fen. Ob man dafür einen 27 Jah­re alten Skan­dal wie­der auf den Tisch wer­fen muss ist zwei­fel­haft. Ich fin­de es aller­dings nicht gut, dass Octa­phar­ma sich so abschot­tet.

Es wur­de nach­ge­wie­sen, dass die Häu­fig­keit von Krank­heits­fäl­len bei bezahl­ten Blut­spen­den durch­weg höher ist. Die­se Aus­sa­ge ver­wen­dete auch ger­ne der DRK im Kampf um Markt­an­tei­le mit den pri­va­ten Blut­spen­de­diens­ten in Deutsch­land. Bis­her konn­te die­ser Vor­wurf aller­dings nicht belegt wer­den. Die Aus­sa­ge ist ein­fach nur eine sub­jek­ti­ve Wunsch­sicht eines Man­nes, der nichts von bezahl­ten Spen­den hält.

Frank­reich kann sich selbst mit Blut ver­sor­gen aber nicht mit Plas­ma wegen dem frei­en Markt und dem Wett­be­werb. Da spricht er noch von Plas­ma aber direkt im Satz dahin­ter spricht er von den Medi­ka­men­ten die aus Plas­ma her­ge­stellt wer­den. Die WHO for­dert, dass jedes Land sich selbst mit Blut- und Blut­pro­duk­ten ver­sor­gen soll. In Deutsch­land könn­ten wir uns theo­re­ti­sch selbst ver­sor­gen – wir haben alle dafür not­wen­di­gen Struk­tu­ren.


Fakt ist

Soweit erst­mal die Ana­ly­se eini­ger Inhal­te. Die Repor­ta­ge war schlecht. Es wur­de sehr ein­sei­tig und nega­tiv berich­tet. Anhand der gan­zen Bei­spie­le die ich genannt habe, kann man sehr gut erken­nen, dass es sich hier nicht um seriö­se und neu­tra­le Bericht­erstat­tung han­delt, son­dern viel mehr um Mei­nungs­ma­che.

Eigent­li­ch müss­te die Repor­ta­ge umbe­nannt wer­den in: „Das Geschäft mit dem Blut­plas­ma“ und den Unter­ti­tel bekom­men: »arme dro­gen­ab­hän­gi­ge Ame­ri­ka­ner wer­den von der Phar­ma­in­dus­trie aus­ge­pres­st bis auf den letz­ten Trop­fen Blut«.

Wir sehen einen Krieg, ja gen­au, einen Krieg zwi­schen unter­schied­li­chen Inter­es­sens­ver­tre­tern. 2015 bekam das Unter­neh­men Octa­phar­ma die Lizenz aus Plas­ma her­ge­stell­te Medi­ka­men­te an fran­zö­si­sche Kran­ken­häu­ser zu ver­trei­ben. Vor­her hat­te das „Eta­blis­se­ment français du sang“ (ein staat­li­cher fran­zö­si­scher Blut­spen­de­dienst) das allei­ni­ge Mono­pol bei Blut­pro­duk­ten. Die­ser Blut­spen­de­dienst zahlt kei­ne Auf­wands­ent­schä­di­gung und ver­teu­felt jetzt natür­li­ch die hin­ter den End­pro­duk­ten ste­cken­de Indus­trie.

Der fran­zö­si­sche Natio­nal­stolz der deut­li­ch sagt „wir Fran­zo­sen wol­len nur fran­zö­si­sches Blut und Blut­pro­duk­te« unter­streicht die gan­ze The­ma­tik noch.

Es ist wirk­li­ch viel dra­ma­ti­siert wor­den und das Ver­wirr­spiel hat mehr Fra­gen auf­ge­wor­fen als Ant­wor­ten gebracht. Octa­phar­ma stellt sich selbst in kein gutes Licht und man kann schnell ver­mu­ten, dass sie etwas zu ver­ber­gen haben – eine offi­zi­el­le Stel­lung­nah­me könn­te hier viel Ver­trau­en zurück brin­gen.

Wie in Ame­ri­ka mit den Spen­dern teil­wei­se umge­gan­gen wird fin­de ich abso­lut nicht in Ord­nung, aber doch wird kei­ner dazu gezwun­gen. Die Cen­ter in den heu­ti­gen Armen­vier­teln stan­den auch schon vor der gro­ßen Finanz­kri­se in den Städ­ten – aber da wur­de wie­der ein fal­sches Bild ver­mit­telt bzw. bewusst auf eine ergän­zen­de Rich­tig­stel­lung ver­zich­tet.

Ich fühle mich sicher

Ich kann sagen: In Deutsch­land behan­delt man die Spen­der gut, ja wirk­li­ch gut. Ich kann sagen, dass die Ver­fah­ren zur Gewin­nung mei­nes Medi­ka­men­tes sehr sicher sind. Ich weiß‚ dass es sein kann, dass ich auch mal eine Char­ge habe deren Grund­la­ge Plas­ma aus den USA ist.

Die unter­schied­li­chen Tests bei der Plas­mage­win­nung und der Her­stel­lung des Medi­ka­men­tes sind so aus­ge­reift, dass ich mir kei­ne Sor­gen mache.

Fazit: Wie über­all ist nicht alles Gold was glänzt. Nicht jeder der geehrt wur­de hat auch immer ehren­haft gehan­delt und nicht jede eigent­li­ch gute Sache ist auch mora­li­sch und ethi­sch kor­rekt umge­setzt.

Fakt ist aber auch, dass vie­le Pati­en­ten auf die Blut und Plasmas­pen­de von ande­ren Men­schen ange­wie­sen sind. Mir ist es egal ob die Spen­der Geld bekom­men oder nicht. Naja, ich fin­de es sogar gut, wenn dabei die Spen­der­si­cher­heit immer im Vor­der­grund ste­hen bleibt.

Sol­che Repor­ta­gen, die ja eigent­li­ch auf­klä­ren sol­len, ver­mit­teln ein kom­plett fal­sches Bild. Es ist scha­de, dass hier so ein wich­ti­ges The­ma anschei­nend für einen Kon­flikt instru­men­ta­li­siert wird.

Lasst euch nicht ver­un­si­chern und bil­det euch immer eine eige­ne Mei­nung. Jede Mün­ze hat zwei Sei­ten und schwar­ze Scha­fe gibt es über­all.

Euer Ste­phan

Die­ses Werk ist lizen­ziert unter Crea­ti­ve Com­mons Namens­nen­nung-Nicht­Kom­mer­zi­ell-Wei­ter­ga­be unter glei­chen Bedin­gun­gen 4.0 inter­na­tio­nal.

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Stephan Jens