Leben mit Immundefekt / Hafer, Hanf und Cannabis

Plasmaderivate

von Jens

Der lange Weg vom Blutplasma zum sicheren Medikament

Durch die auf ARTE aus­ge­strahl­te Repor­ta­ge »Das Geschäft mit dem Blut« kamen sei­tens von vie­len Pati­en­ten und auch Spen­dern Fra­gen, aber auch Beden­ken über die Plasmas­pen­de und den dar­aus gewon­nen Arz­nei­mit­teln auf. Um das etwas dif­fu­se Bild zu ent­zer­ren, wel­ches durch den stän­di­gen Wech­sel zwi­schen der Schweiz, den USA sowie der euro­päi­schen Uni­on ent­stand, möch­ten wir an die­ser Stel­le ver­su­chen das The­ma geord­net zu betrach­ten.

Was sind eigentlich Plasmaderivate?

Als Plas­made­ri­vat wer­den sta­bi­le Blut­pro­duk­te bezeich­net, wel­che durch Frak­tionierung (also der Ver­ar­bei­tung und Zer­le­gung in sei­ne ein­zel­nen Bestand­tei­le) aus dem zu die­sen Zweck gesam­mel­ten Blut­plas­ma gewon­nen wer­den. Die­ses Blut­plas­ma wird daher inter­na­tio­nal ein­heit­li­ch auch als Sour­ce-Plas­ma bezeich­net, das ande­ren Auf­la­gen unter­liegt als Blut­be­stand­tei­le (also auch Blut­plas­ma) für Trans­fu­sio­nen.

Zu die­sen sta­bi­len Blut­pro­duk­ten gehö­ren unter ande­rem Albu­min, Gerin­nungs­fak­to­ren aber auch Immun­glo­bu­li­ne sowie eini­ge ande­re Pro­te­ine wie bei­spiels­wei­se Fibri­no­gen oder der Alpha1-Pro­teinase Inhi­bi­tor.

Seit dem Beginn der Gewin­nung und Ver­ab­rei­chung von Plas­made­ri­va­ten in den 20er Jah­ren des ver­gan­ge­nen Jahr­hun­derts hat sich der jähr­li­che Bedarf ste­tig gestei­gert. War es zu Anfang vor allem Albu­min wel­ches man aus dem Plas­ma extra­hier­te, wur­de ab den 1970er Jah­ren der Gerin­nungs­fak­tor VIII zum Haupt­an­trieb­ge­ber der Fraktionierungss­in­dus­trie. In den 90er Jah­ren wan­del­te sich die­ses Bild durch die höher wer­den­de Nach­fra­ge nach Immun­glo­bu­li­nen (ins­be­son­de­re poly­va­len­te, also ein brei­tes Spek­trum an Patho­ge­nen abde­cken­de Anti­kör­per) noch­mals. Der Trend ist übri­gens kei­nes­falls rück­läu­fig: Obwohl bereits 2009 die Immun­glo­bu­li­ne 46% aller auf den Markt befind­li­chen plas­ma­ba­sie­ren­den Pro­duk­te aus­mach­ten, ist die Ten­denz durch immer mehr Indi­ka­tio­nen wel­che mit die­sen Pro­te­inen behan­delt wer­den stei­gend.

Der Markt für Plasma

Der euro­päi­sche Markt für Plas­made­ri­va­te ist daher defi­ni­tiv kein klei­nes Wirt­schafts­feld, wie aus einer von der EU-Kom­mis­si­on in Auf­trag gege­be­ne Stu­die (Stand 2012) ersicht­li­ch wird. 3,25 Mil­lar­den Euro wur­den im Jahr 2011 allei­ne in der euro­päi­sche Uni­on umge­setzt und damit 36% des welt­wei­ten Markt­wer­tes erwirt­schaf­tet (wel­cher also im Umkehr­schluss um die 8,4 Mil­li­ar­den Euro beträgt). Inner­halb des euro­päi­schen Wirt­schafts­rau­mes hat Deutsch­land mit 900,5 Mil­lio­nen Euro den mit Abstand größ­ten Anteil am hie­si­gen und sage und schrei­be umge­rech­net etwa ein Zehn­tel am Welt­markt (als Ver­gleich: Frank­reich hat als Zweit­plat­zier­ter in der Rang­lis­te ein Markt­vo­lu­men von 575,8 Mil­lio­nen Euro).

Unse­ren deut­schen Markt tei­len sich dabei über­wie­gend fünf Unter­neh­men unter­ein­an­der auf. Platz­hir­sch ist mit 39% CSL Beh­ring, gefolgt von Bax­ter bzw. Bax­al­ta (mitt­ler­wei­le Shire) mit 18,8% und Bio­test mit 15%. Octa­phar­ma und Grif­fols ord­nen sich mit 11,8% bzw. 10,7% die­sen nach. Die übri­gen 4,6% ver­tei­len sich auf klei­ne­re Unter­neh­men.

Da es sich bei den ein­zel­nen Plas­ma­be­stand­tei­len um kom­ple­xe Pro­te­ine han­delt, sind die Ver­fah­ren die von den Unter­neh­men ergrif­fen wer­den um die­se zu iso­lie­ren ent­spre­chend auf­wen­dig. Der Anfang ist aber immer der Glei­che: Die Spen­de bzw. Abnah­me von Blut­plas­ma beim Men­schen. Was eigent­li­ch ganz ein­fach klingt, wirft aber schon die ers­ten Pro­ble­me auf.

Der schwierige Begriff “Spende”

Wäh­rend man sich inner­halb der EU zwar durch­aus einig ist, dass unbe­zahl­te Spen­den auf jeden Fall bevor­zugt und geför­dert wer­den sol­len, ist man sich alles ande­re einig dar­über wie und in wel­chem Maß Kom­pen­sa­tio­nen für die Spen­der zuläs­sig sind. Ins­ge­samt 24 von 27 Mit­glieds­län­dern mel­de­ten bei­spiels­wei­se 2011 Kom­pen­sa­tio­nen für ihrer Spen­der zu leis­ten – aller­dings in sehr unter­schied­li­chem Umfang. Wäh­rend Erfri­schun­gen und Snacks rela­tiv gän­gig sind, ist es im Bereich der finan­zi­el­len Auf­wands­ent­schä­di­gun­gen schon eine ganz ande­re Sache: Ledig­li­ch Deutsch­land, Öster­reich, die Tschechi­che Repu­blik und Ungarn las­sen ver­gü­te­te Blut- und Plasmas­pen­den zu.

Grund­sätz­li­ch stellt sich jedoch die Fra­ge, ob Plas­ma aus einer ver­gü­te­ten Spen­de denn nun tat­säch­li­ch qua­li­ta­tiv schlech­ter sein kann. Aus­gangs­punkt die­ser Annah­me ist die Tat­sa­che, dass eine finan­zi­el­le Kom­pen­sa­ti­on dazu führt, dass Per­so­nen spen­den gehen, die die­se nicht aus huma­ni­tä­ren Grün­den son­dern nur des Gel­d­es wegen tun – und damit vor allem sozi­al schlech­ter gestell­te Schich­ten ange­zo­gen wer­den wür­den, unter wel­chen eine höhe­re Ver­brei­tung von Dro­gen­miss­brauch und damit ver­bun­de Infek­ti­ons­krank­hei­ten vor­han­den sein könn­ten. Zudem wird bemän­gelt, dass “bezahl­te” Spen­den dazu füh­ren, dass finanz­schwa­chen Per­so­nen­grup­pen öfters ihr Blut- bzw. Plas­ma geben als gesund für den Kör­per ist.

Zumin­dest für die Situa­ti­on in Deutsch­land kann hier aber Ent­war­nung gege­ben wer­den. Nach einem Bericht des Vox San­gui­nis aus 2010 ergab sich ein Jah­res­durch­schnitt von 12 Spen­den pro Spen­der bei kom­pen­sier­ten Spen­den – ange­sichts der gesetz­li­chen Maxi­mums von 45 Spen­den im Gleit­jahr also noch ein recht nied­ri­ger Wert. Auch ein par­al­le­ler Rück­gang der unbe­zahl­ten Spen­den blieb aus. Es macht also zumin­dest in Deutsch­land anschei­nend kei­nen wirk­li­chen mora­li­schen Unter­schied im Kopf der Spen­der aus ob eine Spen­de finan­zi­ell kom­pen­siert wird oder nicht. Wir konn­ten bei eige­nen Gesprä­chen mit Wie­der­ho­lungs­tä­tern selbst fest­stel­len, dass man das Geld zwar ger­ne annimmt, aber nicht weil man dar­auf ange­wie­sen wäre – eher im Gegen­teil: Oft wird die­ses Hono­rar wie­der für ande­re Zwecke gespen­det oder dient ein­fach als zusätz­li­ches Taschen­geld.

Da uns in der Bun­des­re­pu­blik bei­de Arten offen ste­hen, also sowohl die ver­gü­te­te wie auch die unver­gü­te­te Plasmas­pen­de, kann also jeder frei ent­schei­den ob er das etwas küh­le­re Ambi­en­te der ste­ri­len und voll kli­ma­ti­sier­ten Spen­de­zen­tren der kom­mer­zi­el­len Anbie­tern und Kli­ni­ken bevor­zugt oder einen impro­vi­sier­ten Spen­de­saal in Gemein­de­zen­trum oder Schul­sport­hal­le atmo­sphä­ri­sch anspre­chen­der fin­det. Meis­tens fällt die Ent­schei­dung des “Wohin” aber aus einem ganz ein­fa­chen Grund: Man geht dort­hin, wo der Weg am kür­zes­ten ist – unab­hän­gig vom Geld.

Die nationale Selbstversorgung

Die World Health Orga­ni­sa­ti­on (WHO) gibt als Emp­feh­lung her­aus, dass es im Sin­ne der ein­zel­nen Län­der und Gesund­heits­sys­te­me anzu­stre­ben ist, auf eine Selbst­ver­sor­gung mit Blut­be­stand­tei­len hin zu arbei­ten. Die­ser Aus­sa­ge stim­men eigent­li­ch alle Ver­bän­de und Dach­or­ga­ni­sa­tio­nen zu – nament­li­ch die Euro­pean Blood Alli­an­ca (EBA),die Inter­na­tio­nal Plas­ma Frac­tio­na­ti­on Asso­cia­ten (IPFA), die Plas­ma Pro­te­in The­ra­peutic Asso­cia­ti­on (PPTA) sowie die Plas­ma Users Coali­ti­on (PLUS) – schrän­ken jedoch teil­wei­se ein, dass es im Bereich des Sour­ce-Plas­mas nicht sinn­voll ist auf eine rei­ne Selbts­ver­sor­gung zu set­zen um Eng­päs­sen vor­zu­beu­gen und Qua­li­täts­an­sprü­chen bei den Deri­va­ten gerecht zu wer­den.

Um die Situa­ti­on in Euro­pa etwas zu ver­deut­li­chen, soll­ten wir uns an die­ser Stel­le die Zah­len mal etwas genau­er anschau­en:

Im Jahr 2015 wur­den laut dem Paul-Ehr­li­ch-Insti­tut für Impf­stof­fe und bio­me­di­zi­ni­sche Arz­nei­mit­tel in Deutsch­land ins­ge­samt gut 2,9 Mil­lio­nen Liter Blut­plas­ma für die Frak­tio­nie­rung in der Indus­trie gewon­nen (davon übri­gens 1,9 Mil­lio­nen Liter aus der Apha­re­se und 1,0 Mil­lio­nen als Reco­ver­ed Plas­ma aus der Her­stel­lung von Blut­be­stand­tei­len für die Trans­fu­si­ons­me­di­zin). Den Groß­teil die­ser Men­ge (63,6% um gen­au zu sein) kamen dabei von den pri­va­ten, kom­mer­zi­el­len Blut­spen­de­diens­ten. Mit die­sen Men­gen ist Deutsch­land inner­halb der euro­päi­sche Uni­on Spit­zen­rei­ter was die Gewin­nung von Blut­plas­ma betrifft. Die Bun­des­re­pu­blik hat neben­bei bemerkt auch die größ­ten Ver­ar­bei­tungs­ka­pa­zi­tä­ten für Plas­ma in der EU (ins­ge­samt 3,35 Mil­lio­nen Liter/Jahr).

Zu die­sen vor Ort gewon­ne­nen Men­gen kom­men wei­te­re 5,46 Mil­lio­nen Liter aus Impor­ten (davon wie­der­um 5,36 aus dem nicht-euro­päi­schen Wirt­schafts­raum, ver­mut­li­ch vor­nehm­li­ch aus den USA). Aller­dings wer­den auch gro­ße Men­gen expor­tiert, ins­ge­samt näm­li­ch 5,67 Mil­lio­nen Liter. Auf unse­rem eige­nen loka­len Markt lan­den wie­der­um 2,69 Mil­lio­nen Liter

Jetzt kommt ein wenig Mathe: Wenn wir also 2,9 Mil­lio­nen Liter selbst gewin­nen und 5,46 Mil­lio­nen Liter impor­tie­ren, haben wir also ein Gesamt Plas­ma-Volu­men von 8,36 Mil­lio­nen Litern. Zie­hen wir davon unse­ren eige­nen Export von 5,67 Mil­lio­nen Litern ab, ver­blei­ben 2,69 Mil­lio­nen Liter für unse­ren eige­nen Markt (wovon übri­gens sogar tat­säch­li­ch 2,19 Mil­lio­nen Liter auch in Deutsch­land frak­tio­niert, also ver­ar­bei­tet wer­den). Was wir anhand die­ser Zah­len sehen kön­nen ist das Deutsch­land zumin­dest theo­re­ti­sch sei­nen eige­nen Plas­ma­be­darf selbst decken könn­te.

Die­se Annah­me wur­de uns auch tele­fo­ni­sch von einem der Unter­neh­men bestä­tigt, wel­ches uns gegen­über aus­sag­te, das ledig­li­ch 3% des eige­nen Bedarfs an Sour­ce-Plas­ma aus den USA zuge­kauft wer­den und bei­spiels­wei­se für den Export auf den chi­ne­si­schen Markt Ver­wen­dung fin­den. Eben­falls wur­de uns mit­ge­teilt, das für den euro­päi­schen Markt bevor­zugt auch hier gewon­ne­nes Plas­ma ver­ar­bei­tet wird, da die­ses laut Aus­sa­ge unse­res Gesprächs­part­ners wesent­li­ch güns­ti­ger sei als das aus dem US-Import.

Das die gesamt-euro­päi­sche Situa­ti­on etwas kom­ple­x­er ist als auf den ers­ten Bli­ck ersicht­li­ch wird klar, wenn wir abseits der unter­schied­li­chen Spen­der­zah­len und Ver­ar­bei­tungs­ka­pa­zi­tä­ten noch eini­ge der ande­rer Kri­te­ri­en betrach­ten. Zum einen gibt es ver­schie­de­ne recht­li­che Vor­raus­set­zung in den Mit­glieds­staa­tenn und zum ande­ren auch ganz prak­ti­sche bzw. gesund­heit­li­ch rele­van­te Grün­de: In Groß­bri­tan­ni­en, Irland und Por­tu­gal wer­den bei­spiels­wei­se gar kei­ne Plasmas­pen­den abge­nom­men, da hier das Risi­ko einer Kon­ta­mi­na­ti­on mit dem Pri­on wel­ches als Aus­lö­ser für das Creutz­feld-Jacob-Syn­drom bekannt ist zu hoch ist. In die­sen Staa­ten ist man also voll­stän­dig auf Impor­te ange­wie­sen.

Der Fall Immunglobulin

Wenn wir die Zah­len für Immun­glo­bu­li­ne im spe­zi­el­len betrach­ten sieht es recht ähn­li­ch aus. Es wer­den natio­nal knapp 5,8 Ton­nen nor­ma­les Immun­glo­bu­lin her­ge­stellt, 3,1 Ton­nen aus der EU und 3,8 Ton­nen aus dem nicht-euro­päi­schen Aus­land impor­tiert. Unser Eigen­be­darf von 7,7 Ton­nen wäre somit zumin­dest rech­ne­ri­sch allei­ne aus euro­päi­schen Quel­len (kumu­liert etwa 8,9 Ton­nen) abge­deckt, wäh­rend der “Über­schuss” wie­der­um expor­tiert wird.

Unse­re Recher­chen haben erge­ben, dass zumin­dest anhand der Zah­len ersicht­li­ch wird, dass ver­hält­nis­mä­ßig wenig Blut­plas­ma aus dem nicht-euro­päi­schen Wirt­schafts­raum in unse­ren Arz­nei­mit­teln und Medi­ka­men­ten zu lan­den scheint. Eine genaue Aus­kunft könn­ten uns an die­ser Stel­le aller­dings nur die Her­stel­ler selbst geben.

Dokumentiert – vom Spender bis zum Produkt

Natür­li­ch las­sen sich die genau­en Wege der Pro­duk­te mit den öffent­li­ch ohne wei­te­res zugäng­li­chen Doku­men­ten nicht ganz gen­au erfas­sen bzw. nach­ver­fol­gen. Aller­dings lie­ße sich im Ernst­fall eben doch ganz gen­au ermit­teln, wo das Plas­ma für eine Char­ge eines Medi­ka­men­tes her­kam.

Zu die­sem Zweck wird jeder Schritt in der Ver­fah­rens­ket­te gen­au pro­to­kol­liert – von der Selbst­aus­kunft des Spen­ders über die labor­tech­ni­sche Unter­su­chung der Ein­zel­spen­de, die Tes­tung des Plas­ma-Pools vor der Frei­ga­be zur Ver­ar­bei­tung bis hin zu der Tes­tung und Kon­trol­le der eigent­li­chen Arz­nei­mit­tel-Char­ge.

Übri­gens lässt sich an die­ser Stel­le ein wei­te­rer Vor­wurf wider­le­gen: Auch wenn man anneh­men könn­te, dass man bei der Selbst­aus­kunft wel­che vor jeder Spen­de geleis­tet wer­den muss ganz ein­fach lügen könn­te um bei­spiels­wei­se als Hero­in­ab­hän­gi­ger den­no­ch zuge­las­sen zu wer­den, so ist die Sache doch etwas kom­pli­zier­ter. Egal wel­che Anga­ben im Fra­ge­bo­gen gemacht wer­den, die Ein­zel­spen­de wird im Labor auf Erre­ger und ande­re Gefahr­stof­fe unter­sucht. Wird hier­bei auf­fäl­lig dass eine Kon­ta­mi­nie­rung vor­liegt wäh­rend der betrof­fe­ne Spen­der die Hin­wei­se hier­auf ver­neint hat, so wird er auf Lebens­zeit für die Blut­spen­de gesperrt (und das von ihm gespen­de­te Plas­ma ver­nich­tet). Ein gene­ra­li­sier­ter Dro­gen­check wird zwar nicht durch­ge­führt  das ist auf­grund der Viel­zahl von mög­li­chen Sub­stan­zen gar nicht mach­bar – aller­dings muss man sich auch vor Augen füh­ren, dass zu erwar­ten­de Rest­be­stand­tei­le von Sub­stan­zen durch ganz ande­re Quel­len viel wahr­schein­li­cher sind: Medi­ka­men­te und vor allem Prä­pa­ra­te wie bei­spiels­wei­se die Anti-Baby-Pil­le. Auf die tat­säch­li­che Wahr­schein­lich­keit für sol­che Rest­ver­un­rei­ni­gun­gen wer­den wir aber sepa­rat im Arti­kel über die Frak­tio­nie­rung ein­ge­hen.

Man muss sich hier­bei auch ver­deut­li­chen, dass die Sys­te­me zum Nach­weis von patho­ge­nen Kei­men und Viren so gen­au sind, dass Men­gen nach­ge­wie­sen wer­den kön­nen, die weit unter dem lie­gen was ein infi­zier­ter Spen­der im Blut bzw. Plas­ma auf­wei­sen könn­te. Da sowohl die Ein­zel­spen­de wie auch der Pool in wel­chem die­se lan­det als auch das fer­ti­ge Pro­dukt jeweils sepa­rat kon­trol­liert wer­den und zusätz­li­ch aber Siche­rungs­vor­keh­run­gen getrof­fen wer­den, sinkt das ver­blie­be­ne Rest­ri­si­ko auf ein abso­lu­tes Mini­mum.

Ist zum Bei­spiel der Sta­tus einer ein­zel­nen Spen­de in einem Pool nicht ganz klar, wird der gesam­te betrof­fe­ne Plas­ma­be­stand gesperrt, bis die­ser Sta­tus geklärt ist. Eine Frei­ga­be erfolgt erst nach Beleg der abso­lu­ten Unbe­denk­lich­keit. So sind seit den Skan­da­len über HIV-Infek­tio­nen durch Fak­tor-VIII-Prä­pa­ra­te in den 1980er Jah­ren kei­ne wei­te­ren Infek­ti­ons­fäl­le durch Plas­made­ri­va­te mehr bekannt gewor­den.

Der internationale Vergleich

Trotz der Ent­war­nung für das deut­sche und an sich auch dem euro­päi­schen Blut- bzw. Plasmas­pen­de­we­sen muss man den­no­ch auch ganz offen sagen, dass die Zustän­de nicht über­all auf der Welt gleich gut sind.

Wäh­rend wir hier inner­halb der EU eine maxi­ma­le Anzahl von 45 Spen­den pro Gleit­jahr und Spen­der vor­ge­ben (was in etwa 30 Litern Plas­ma ent­spricht) so dür­fen Frei­wil­li­ge in den USA bis zu zwei Mal pro Kalen­der­wo­che an die Nadel um Plas­ma zu geben – dadurch las­sen sich an einem ame­ri­ka­ni­schen Spen­der 60 Liter Plas­ma in einem Jahr gene­rie­ren.

Wie gesagt, alles auf frei­wil­li­ger Basis und im Rah­men der Vor­ga­ben, wel­che durch die WHO emp­foh­len wur­den – den­no­ch führt die wirt­schaft­li­che Lage der USA in den letz­ten Jah­ren ver­mehrt dazu, dass Men­schen auf­grund von Arbeits­lo­sig­keit und feh­len­der sozia­ler Absi­che­rung ver­su­chen durch Plasmas­pen­den ihr Haus­halts­ein­kom­men regel­recht zu ret­ten.

Man muss nun aller­dings auch erwäh­nen, dass es die ein­zel­nen Spen­de­zen­tren und Diens­te in den USA schon vor der Wirt­schafts­kri­se der letz­ten Jah­re gab und eine an sich gute Sache durch die ver­än­der­ten Umstän­de nun – wenn auch wahr­schein­li­ch nur teil­wei­se unver­schul­det – in ein ande­res Licht fällt.

Fazit: Sicher, aber Fragen bleiben dennoch

Obwohl das Plas­ma und die dar­aus frak­tio­nier­ten Deri­va­te auf­grund der ange­wen­de­ten Ver­fah­ren sicher sind, ist es frag­wür­dig inwie­fern man eine kom­pen­sier­te Spen­de in Euro­pa mit einer für den Spen­der finan­zi­ell bei­na­he not­wen­di­gen Spen­de in den USA ver­glei­chen kann. Zum einen könn­te man auch anbrin­gen, dass es nur fair ist, wenn Unter­neh­mern die Plasmas­pen­der durch eine Auf­wands­ent­schä­di­gung für die auf­ge­brach­te Zeit kom­pen­sie­ren. Zum ande­ren muss man sich fra­gen, wor­in die Ursa­che der Umstän­de liegt, wel­che die Spen­der in den USA in ihre jewei­li­ge pre­kä­re Situa­ti­on gebracht hat – ich glau­be, da muss der Feh­ler an einer ganz ande­ren Stel­le gesucht wer­den.

Wer sich in Deutsch­land dazu ent­schei­det Blut oder aber eben im spe­zi­el­len Blut­plas­ma zu spen­den, der hat die freie Wahl wo und in wel­cher Form er die­ses macht. Ent­schei­dend ist meis­tens vor allem die ört­li­che Ver­füg­bar­keit von ent­spre­chen­den Insti­tu­tio­nen wel­che die Spen­den abneh­men kön­nen.

Eines soll­te man sich jedoch klar machen: Plas­ma kennt kei­ne Haut­far­be. Das gan­ze Hin und Her zwi­schen natio­na­len, euro­päi­schen und nicht-euro­päi­schen Plasmas­pen­den lässt ein wenig den Ein­druck auf­kom­men, als wür­de es einen Unter­schied machen von wem oder noch eher von wel­cher Natio­na­li­tät eine Spen­de stammt. Sicher­li­ch ist es rat­sam auf sich selbst ver­sor­gen­de Sys­te­me zu set­zen, da die­se in de Regel auch ein­fach sta­bi­ler funk­tio­nie­ren – es soll­te aber nicht als Mit­tel zur Demons­tra­ti­on von Natio­na­lis­mus miss­braucht wer­den. Viel­leicht soll­ten wir uns an die­ser Stel­le auch ein­fach wie­der mehr als ein gro­ßes Euro­pa ver­ste­hen und ver­su­chen inner­halb unse­rer Gemein­schaft ein funk­tio­nie­ren­des, gemein­sa­mes Sys­tem auf­zu­bau­en, dass im Nor­mal­fall ohne zusätz­li­che Impor­te aus­kom­men kann.

Im Fal­le von Plas­made­ri­va­ten kann man abschlie­ßend sagen, dass es so gut doku­men­tier­te und kon­trol­lier­te Abläu­fe sind, dass Rest­ri­si­ken bei­na­he aus­ge­schlos­sen wer­den kön­nen. Son­der­fäl­le wie das Auf­tau­chen von neu­en Erre­gern sind natür­li­ch auch hier eine Gefah­ren­quel­le, jedoch auch nicht mehr oder weni­ger als in ande­ren Berei­chen bei denen Men­schen behan­delt wer­den.

Habt ihr Fra­gen oder wie steht ihr zu dem The­ma Plasmas­pen­de?
Schreibt es uns in die Kom­men­ta­re…

Euer Jens

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Stephan Jens