Leben mit Immundefekt / Hafer, Hanf und Cannabis

SARS-CoV-2 und Immundefekte

von Jens

Das alles bestimmende Thema zur Zeit ist, aus nachvollziehbaren Gründen, die gesundheitliche Bedrohung durch das neuartige Corona Virus SARS-CoV-2 (umgangssprachlich auch als COVID-19 bekannt). Obwohl davon ausgegangen wird, dass die grundsätzliche Gefährlichkeit auf die Gesamtzahl der Infektionen niedriger einzuschätzen ist als beispielsweise bei einer regulären (echten) Grippe, so zeigt sich doch im Falle eines schweren Verlaufes eine deutlich erhöhte Gefahr an den Folgen der Infektion zu versterben. Das Risiko, eine solch schwere Verlaufsform zu durchlaufen hängt von verschiedenen Faktoren ab, welche sich nach aktuellem Wissensstand in folgende drei Kategorien einteilen lassen:

  1. Alter der Person
  2. Gewicht beziehungsweise Übergewicht
  3. Vorerkrankungen

Bevor wir auf die verschiedenen Risikofaktoren im Allgemeinen und die Situation von Erkrankungen die im Zusammenhang mit chronischen Immundefekten stehen im Speziellen eingehen, möchten wir aber auf folgende Einschätzung vom CCI Freiburg hinweisen:

Ein stabiler Immundefekt bedeutet nicht automatisch ein erhöhtes Risiko

Eine für sich alleinstehende Agammaglobulinämie beziehungsweise ein Immundefekt in stabiler Therapiesituation im Allgemeinen geht laut der aktuellen Informationen vom Centrum für Chronische Immundefizienz (CCI Freiburg, Stand 23.04.2020) nicht unmittelbar mit einem erhöhten Risiko für eine Infektion mit SARS-CoV-2 oder einem schwereren Verlauf einher.

Ähnliches kann wahrscheinlich auch für den selektiven IgA-Mangel angenommen werden. Hierbei erhöht sich unter Umständen die Möglichkeit für eine Infektion mit dem Erreger an sich - eben bedingt durch die schwächer ausgeprägte Abwehrfunktion der Schleimhäute - aber nicht automatisch auch die Gefahr einen schweren oder symptomatischen Verlauf zu erleiden.

In den folgenden Absätzen gehen wir auf die drei Kategorien von Risikofaktoren und die Bedeutung der Imundefekt-Therapien in Bezug auf SARS-CoV-2 ein.

Das Alter als Indikator

Die letzten Wochen haben gezeigt, dass insbesondere Personen mit einem höheren Alter, genauer gesagt 50 bis 60 Lebensjahre oder älter, mit einem erhöhten Risiko konfrontiert sind, eine schwere Verlaufsform der Infektion mit SARS-CoV-2 zu erleiden. Dies begründet sich laut der vom Robert Koch-Institut vorliegenden Informationen mit dem im zunehmenden Alter weniger gut reagierende Immunsystem und die dadurch verzögerte Wahrnehmung früher und unspezifischer Infektionssymptome wie Fieber. Da solche Symptome im Alter generell schwächer ausfallen oder sogar ganz fehlen, liegt die Gefahr also eher darin, dass betroffene Patienten sich später in ärztliche Behandlung begeben und dadurch eine frühe Erkennung der Infektion mit SARS-CoV-2 erschwert wird.

Diese ausbleibenden oder schwach ausfallenden unspezifischen Symptome können unter Umständen auch bei jüngeren Immundefektpatienten auftreten beziehungsweise eben trotz Infektion nicht auftreten, da auch hier die Möglichkeit einer anfänglichen Unterreaktion des Immunsystems gegeben ist.

Übergewicht als erschwerender Faktor

Ein weiterer allgemeiner Faktor, der als Indikator für einen möglichen schweren verlauf der Erkrankung dienen kann, ist das Gewicht beziehungsweise Übergewicht einer Person. Die bisherigen Beobachtungen haben aufgezeigt, dass bei vorhandenem Übergewicht, also einem Body-Mass-Index von 30 und mehr, die Wahrscheinlichkeit für einen schweren Verlauf der Infektion mit SARS-Cov-2 ansteigt. Bedingt durch die bereits höhere Beanspruchung des Herz-Kreislaufsystems bei Übergewicht wirkt sich eine zusätzliche Belastung durch eine Infektion (gerade im Bereich der Lunge) entsprechend schwerer aus.

Vorhandene Vorerkankungen

In Bezug auf Patienten mit Immundefekten ist die Kategorie der Vorerkankungen als Faktor bei einer Infektion mit dem neuartigen Coronavirus vermutlich aber der Punkt, welcher am differenziertesten betrachten werden muss. Grundsätzlich ist erst mal festzuhalten, dass bei einem weniger gut funktionierendem Immunsystem die grundsätzliche Wahrscheinlichkeit für eine Infektion gerade im Bereich der Atemwege oder Lunge natürlich erhöht ist. Von einer generell darüber hinausgehenden erhöhten Wahrscheinlichkeit einer Infektion mit SARS-CoV-2 im Speziellen (auch in Bezug auf einen schweren Verlauf) ist aber laut einer laufenden Datenerhebung der International Patient Organisation for Primary Immunodeficiencies (IPOPI) momentan nicht auszugehen.
Es besteht jedoch die Möglichkeit, dass einzelne Patienten aufgrund ihrer jeweiligen Ausprägung des vorhandenen Immundefektes und damit einhergehender Neben- oder Folgeerkrankungen eine höhere Wahrscheinlichkeit für einen schwereren Verlauf haben. In diesem Zusammenhang gesicherte Faktoren sind derzeit:

  • Vorerkrankungen oder Schädigungen der Lunge, da diese grundsätzlich eine erhöhte Gefahr für Infektionen des Organgs bedeuten. Neben schweren Formen von Asthma umfasst dieses zum Beispiel auch COPD, Bronchiektasen oder Ateminsuffizienz.
  • Vorerkrankungen des Herz-Kreislaufsystems wie Bluthochdruck, koronare Herzerkrankung oder Herzerkrankungen im Allgemeinen.
  • Das Vorhandensein eines Diabetes.
  • Das Vorliegen einer chronischen Leberschädigung.

Darüber hinaus könnten sich die folgenden Ausprägungen von Immundefekten negativ auf den Verlauf einer Infektion mit SARS-CoV-2 auswirken (abgeleitet aus ihrem medizinischen und biologischen Hintergrund):

  • IgG1- und IgG3-Subklassenmangel trotz laufender Antikörperersatztherapie, da ein Mangel deser Subklassen besonders in ihrer Kombination mit einer erhöhten Gefahr für Infektionen der unteren Atemwege und Lunge einhergehen.
  • Mangel an natürlichen Killerzellen oder kurz NK-Zellen, einer Art von Lymphozyten, welche eine maßgebliche Rolle in der Erkennung und Beseitigung virusinfizierter Zellen spielen.
  • T-Zelldefekte, da die zytotoxischen T-Lymphozyten ebenfalls eine wichtige Funktion in der Beseitigung viral infizierter Körperzellen ausführen.

Da derzeit aber genauere Daten zu den individuellen Gefährdungslagen noch ausstehen, sollten Immundefekt-Patienten grundsätzlich darauf achten die allgemeingültigen Vorsichtsmaßnahmen zur Vermeidung einer Infektion mit SARS-CoV-2 einzuhalten.

Treffen neben dem eigentlichen Immundefekt weitere der oben genannten Risikofaktoren auf einen Patienten zu (also entsprechend der Verlautbarung vom CCI Freiburg: Patienten mit Immundefekt, bei denen trotz Therapie ein erhöhtes Risiko durch Virusinfektionen vorliegt und/oder mit schwerer Lungen- oder Herzerkrankung, Diabetes, BMI über 30 oder Alter über 60 Jahre), so gelten neben den allgemeinen Maßnahmen zusätzlich die Vorsichtsmaßnahmen zur Infektionsvermeidung bei Risikogruppen. Diese umfassen folgende Punkte:

  • Regelmäßiges Händewaschen oder Händedesinfektion.
  • Zimmer regelmäßig lüften.
  • Beschränkung der sozialen Kontakte, Abstand von 1.5 – 2 Metern einhalten
  • Vermeidung unnötiger Expositionssituationen (z.B. beim Einkaufen Familien- und/oder Nachbarschaftshilfe in Anspruch nehmen).
  • Bei Kontakt zu Personen außerhalb der Familie sollten Patient und Kontaktpersonen Maske tragen.
  • Umgang mit COVID-Erkrankten im Haushalt festlegen (z.B. Schlafen und Aufenthalt in getrennten Zimmern; Mahlzeiten getrennt einnehmen; räumliche Trennung von Geschwisterkindern).
  • Bis auf weiteres Fernhalten von Kindern die zu Schule oder Kindergarten gehen (also mindestens 1,5 bis 2,0 Meter Abstand oder das Tragen einer FFP2- oder FFP3-Maske).

Die Immundefekt-Therapien dämmen Risikofaktoren ein

Die gängigen Therapien, welche in der Behandlung von chronischen Immundefekten zum Einsatz kommen, wie etwa die Antikörperersatztherapie, bieten derzeit keinen Schutz vor einer Infektion mit SARS-CoV-2. Sie tragen aber in großem Ausmaß dazu bei weitere Risikofaktoren, wie beispielsweise andere Infektionskrankheiten die das Immunsystem zusätzlich schwächen und damit anfällig für das neuartige Coronavirus machen würden, zu vermeiden. Es ist also ungemein wichtig die Behandlung in ausreichendem Maße weiterzuführen.
In Bezug auf die in den meisten Fällen durchgeführte Behandlung mit humanem Immunglobulin als Antikörperersatztherapie ist jedoch anzumerken, dass von einer Erhöhung der Immunglobulin-Dosis im speziellen Zusammenhang mit der aktuellen Lage abzusehen ist. War die bisherige Dosis im Allgemeinen noch nicht ausreichend, wie dies zum Beispiel während der Einstellungs-Phase nach einer Neudiagnose durchaus der Fall sein kann, sollten natürlich entsprechende Anpassungen an der Therapie vorgenommen werden. Ein Schutz vor dem COVID19-Erreger selbst lässt sich durch eine Erhöhung der Dosis jedoch nicht erreichen.

Wir hoffen, mit diesem Artikel mit einige Ungewissheiten in Bezug auf den Umgang mit der aktuellen Situation für Immundefektpatienten aufgeräumt haben zu können. Wenn ihr weiter Informationen rumd um COVID19 beziehungsweise SARS-CoV-2 sucht, können wir euche folgende offizielle Quellen empfehlen:

Spezielle Informationen über SARS-CoV-2 für Immundefektpatienten findet ihr hier:

Für Fragen stehen wir euch im Rahmen unserer Möglichkeiten natürlich auch gerne zur Vefügung. Hinterlasst uns einfach einen Kommentar oder meldet euch über die sozialen Medien bei uns.

Bleibt so gesund wie möglich,
euer Jens

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